Wulkower Kirche wird zur Werkstatt

Wulkow b. Booßen (MOZ) Die Besucher des Heiligabend-Gottesdienstes in der Wulkower Kirche sind um Spenden für die Kirchensanierung gebeten worden. Die steht im kommenden Jahr an - und zwar innen wie außen.

Die kleine, aber feine Kirche im Lebuser Ortsteil berge "viele seltene und sehr schöne Kunstschätze", sagt Susanne Seehaus. Die Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Frankfurt (Oder) ist auch für den Gemeindebezirk Booßen-Wulkow zuständig. Und der Wulkower Kirche steht im kommenden Jahr einiges bevor: Die Hülle und der Turm werden saniert - sobald der Winter vorbei ist. Der Schwerpunkt der Arbeiten werden das Backsteinmauerwerk an der Westseite des Hauses und der von Rissen durchzogene Turm sein, weiß Susanne Seehaus. Die Finanzierung der rund 122 000 Euro teuren Arbeiten ist gesichert - dank der Förderung des Landes aus dem Topf für die integrierte ländliche Entwicklung (ILE).

Bestandteil des Sanierungsprojektes ist auch die "Entgiftung" der einst mit dem Holzschutzmittel Xylotox behandelten Kirchendecke. "Der Gutachter geht davon aus, dass wir einige Deckenbalken, vor allem im Altarbereich, auswechseln müssen", sagt Susanne Seehaus.

Doch das hat Folgen: Das wandhohe Epitaph links des Altars muss abgenommen werden, was angesichts des maroden Zustandes des aufwändig gestalteten Kunstwerkes ein schwieriges Unterfangen darstellt. "Wenn wir das einmal anfassen, müssen wir die sowieso dringend nötige Restaurierung dieses ganz besonderen Kleinodes gleich mit machen", erklärt die Pfarrerin.

Im Unterschied zum recht schlicht gehaltenen Epitaph auf der gegenüberliegenden Wand, das an den 1706 verstorbenen Kirchengründer Joachim Erdmann von Burgsdorff erinnert, ist das Denkmal für den 1713 verstorbenen Kurt von Burgsdorff aufwändig figürlich gestaltet.

Der Blickfang des Kunstwerkes im Stile des Barock ist der geflügelte Sensenmann. "So etwas gibt es nur sehr selten", weiß Susanne Seehaus. Zur Darstellung des Motives "der Tod ist eine Ernte" auf dem Epitaph gehören ferner ein Götterbote und ein Fischer als Kartuschenhalter sowie ein Kind und ein Engel.

Das Holz, aus dem das Denkmal besteht, ist wurmstichig, viele Teile werden nur noch durch Nägel zusammengehalten. Dem Fischer fehlt der Arm, der einst die zweite Kartusche, die mit dem Namen der Ehefrau des Patrons, hielt. Die Restaurierung des Epitaphs wird nicht billig, weiß Susanne Seehaus schon.

Rund 40 000 Euro sind für die Arbeiten, für die die Kirchengemeinde aufkommen muss, vorsichtig veranschlagt. Doch "so viel haben wir nicht", sagt die Pfarrerin. Die Kirchengemeinde ist auf Spenden angewiesen, will unter anderem die Deutsche Stiftung Denkmalpflege und die Sparkassenstiftung um Unterstützung bitten. Und natürlich die Wulkower.

Die sind indes noch für ein weiteres Kunstwerk, das ihrer Dorfkirche die Prägung gibt, um Hilfe gebeten: Der etwa 250 Jahre alte hölzerne Taufengel, der sich nach dem Gottesdienst am 3. Juli aus seiner Verankerung in der Kirchendecke gelöst hatte und zu Boden stürzte, sich dabei einen Flügel und mehrere Finger abbrach, soll ebenfalls restauriert werden. Die Kosten dafür sind mit rund 6000 Euro veranschlagt.

Unterstützung für die Finanzierung der Engel-Reparatur hat die Initiative "Menschen helfen Engeln" zugesagt. "Die Flügel sind schon in der Werkstatt von Restaurator Bernhard Klemm in Frankfurt (Oder)", sagt Susanne Seehaus. Sie geht davon aus, dass der Schutzpatron der Kinder nach der Kirchensanierung wieder im Altarraum schweben kann.

An der Restaurierung der Schätze aus der Wulkower Kirche soll die interessierte Öffentlichkeit übrigens teilhaben können, freut sich die Pfarrerin. Das Projekt ist "Gläserne Werkstatt Wulkow" überschrieben.

Märkische Oderzeitung vom 26. Dezember 2011

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