"Sie ist immer zu groß gewesen"

Parstein (MOZ) Feldsteinkirchen sind eigentlich keine Seltenheit im Barnim. Die Dorfkirche von Parstein ist ob ihres speziell anmutenden Mauerwerkes recht einfach zu datieren: Zwischen 1250 und 1300 muss sie entstanden sein, da sie aus gleichmäßigen Feldsteinen errichtet wurde.

   

Pfarrer Thomas Berg lädt auf einen Besuch in die historische Feldsteinkirche ein (o.). Blick in die historische Feldsteinkirche. Die Mauer zwischen Kirchenschiff und Turmanbau ist rund 3,5 Meter dick (li.). © MOZ/Boris Kruse
 

In später errichteten Mauern aus Feldstein hingegen variieren große mit kleinen "Lückenfüllern". An mehreren Stellen in dem Parsteiner Gemäuer sind noch alte Eingänge zu erkennen. Der Bau ist voller Spuren einer bewegten Geschichte. Im 30-jährigen Krieg wurde sie schwer zerstört, 1735 ist sie repariert worden. Im Jahr 1880 ist ein Blitz eingeschlagen, bis auf das nackte Gemäuer ist sie damals ausgebrannt. Erst sieben Jahre später kam die neue Innenausstattung.

Ein erster Versuch, einen majestätischen Turm an das große Schiff anzudocken, ging daneben: Weil sich im Jahr 1897 offenkundig kaum jemand auf das Bauen mit Feldsteinen verstand, stürzte der Rohbau gleich wieder ein. Deshalb wurde noch im selben Jahr mit der Errichtung eines Ziegelturms begonnen. Und der steht bis heute. Eine architektonische Kuriosität: Weil der Turm quasi Rücken an Rücken zum Schiff gebaut wurde, addieren sich die beiden Außenmauern auf eine Dicke von insgesamt etwa 3,5 Meter. Das alte Portal befindet sich jetzt mitten in dem Durchgangsschlauch.

Bemerkenswert ist, dass das kleine Dorf Parstein, gerade einmal einige hunderte Einwohner groß, über einen derart stolzen Sakralbau verfügt. Im Gegensatz zu vielen anderen Dorfkirchen ist der Bau von vornherein mit einem richtigen Kirchenaufriss, also mit vorgesetztem Chor, entworfen wurde. "Die Kirche ist immer schon zu groß gewesen", blickt Pfarrer Thomas Berg zurück in die Geschichte. Offenkundig hatten die Baumeister seinerzeit Größeres im Sinne. Sollte das Dorf auf halber Strecke zwischen Angermünde und Oderberg einst vielleicht gar zu einer weiteren richtigen Stadt entwickelt werden?

Die Quellenlage lässt nur Spekulationen zu. Besser dokumentiert ist die Besiedelung Parsteins durch die Hugenotten - ein Einschnitt, der sich auch im religiösen Leben niederschlagen sollte. Für 1687 ist die erste französische Familie in dem Dorf beurkundet. Zwölf Jahre später waren es bereits 22 Familien. Zwischen 1698 und 1821 hatte Parstein daher zwei Pfarrer und zwei Kirchengemeinden: eine lutherische mit deutschem Pfarrer und eine reformierte mit französischem Pfarrer. Ihr Nachfolger Thomas Berg vermutet sogar, dass beide Glaubensgemeinschaften sich die große Kirche geteilt haben.

An der Namensliste der französischen Pfarrer lässt sich auch ein spannendes Kapitel deutscher Assimilationsgeschichte nachverfolgen, sagt Berg: "Die ersten trugen noch komplett französische Namen, die späteren hießen dann Karl, Paul oder Hans mit Vornamen."

Märkische Oderzeitung vom 26. Dezember 2011

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