Außen profan, innen überraschend

In Paplitz rangiert die lebendige Gemeinde vor der Kirchensanierung

PAPLITZ - Die Kirche in der Mitte des Runddorfs Paplitz ist etwas Besonderes. Der turmlose Bau aus Feldsteinen (vermutlich 13./14. Jahrhundert) thront behäbig auf einer großen Freifläche und mutet wie ein schlichter Burgteil an. Der Glockenturm wurde später in die Kirchenmauer integriert. Doch Lage, Fensterform und die Soldatengräber ringsum lassen auf die Funktion schließen. Obwohl das Gotteshaus nicht mit frischer Farbe oder neuem Dach punkten kann, sondern lange Risse an den Außenwänden den Reparaturbedarf anzeigen, ist dieser Ort ein sehr lebendiger. Pfarrerin Manuela Michalke (40) ist immer wieder aufs Neue erfreut und erstaunt vom Engagement der Paplitzer Gemeinde. Damit meint sie nicht nur "ihre" Schäfchen, die etwa 200 Christen aus Paplitz und den umliegenden Orten Horstwalde, Schöbendorf und Lynow, sondern auch die Kommune. "Ich glaube, dass alle die Kirche als wichtigen Teil ihres Dorfes sehen", sagt sie und beschreibt, wie die Angeranrainer mal den Rasen an der Kirche mit mähen oder beim Dorfputz selbstverständlich der Friedhof der Kirchengemeinde einbezogen ist.

Manuela Michalke spricht warmherzig über Paplitzer Familien wie die Krügers, die sich schon in langer Tradition um Sauberkeit, Schmuck und kleine Reparaturen in der Kirche kümmern, die Glocken läuten, den Schaukasten gestalten, Schlüssel hüten, mehr als ein Auge auf das Rüstzeitenheim haben.

Als die Pfarrerin 2011 den Dienst antrat, fiel ihr auf, dass über ihre Kirchen, mit Ausnahme Baruths, wenig bekannt ist. Eine sinnvolle Aufgabe für Konfirmanden, dazu zu recherchieren. Es könnte Zugewinn für die Gemeinschaft und Identifikation für die Jungen schaffen, findet sie. Die Pfarrerin möchte eine Vorlage für eine Internetseite schaffen, in die die Jugendlichen Ergebnisse aus Literaturstudium, Interviews und eigene Fotos einfügen könnten.

Paplitzer Christen besuchen Kreise und Veranstaltungen in Baruth. Einmal im Jahr verwandeln Gäste aus dem Rüstzeitenheim die Paplitzer Kirche in eine quirlige Musicalarena. Familiengottesdienste am Muttertag und Ostern und in diesem Jahr zwei Konfirmationen werden gefeiert. Christenlehrekinder treffen sich wöchentlich mit der Katechetin im angebauten Kirchenportal, der ehemaligen Loge.

Unerwartete Weite, ein hohes Tonnengewölbe und die farbenfrohe Kanzel überraschen. Im Dreißigjährigen Krieg zerstört, wurde die Kirche etwa 1660/70 wieder aufgebaut. Der Steinaltar mit Holzaufsatz zeigt Malereien von Abendmahl und Kreuzigung sowie geschnitzte Figuren, die Gesetz und Verkündigung symbolisieren. Wie an der nebenstehenden Kanzel mit Himmel sind Blau und Gold vorherrschende Farben. Die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes zieren die Kassetten. Novum ist das Beichtgestühl dahinter und die in die Wand gelassene Aufbewahrung der heiligen Sakramente, das Tabernakel. Eine große Orgel gibt es nicht mehr, Hanna Krüger spielt auf einer kleinen modernen. Die Orgelempore dient als Winterkirche und Treffpunkt des Gemeindekirchenrats.

Ein schwarzes Holzkreuz mit weißer Schrift an der Wand gegenüber dem Eingang fällt kaum auf: Es ehrt Pfarrer Johannes Hanisius, der Pfingsten 1636 "… seinem von den raubenden Soldaten geübten Martyrio selig entschlafen…" ist. In der Baruther Chronik ist nachzulesen, dass sich 1636 die Paplitzer Bauern samt Hausrat und Vieh auf einer Insel im damaligen Moor versteckten, als schwedische Soldaten in Groß Ziescht einrückten. Nur Pfarrer Hanisius schloss sich in der Kirche ein. Die Soldaten marterten ihn, um den Verbleib von Bauern und der Beute zu erfahren, doch er verriet nichts. Den an seinen Qualen Verstorbenen ehrten die Paplitzer mit dem Kreuz auf dem Friedhof, das später in die Kirche geholt wurde.

Neue Aufgaben stehen bevor: Das Projekt der Außensanierung ist fertig, eine Förderzusage steht noch aus. (Von Andrea von Fournier)

Märkische Allgemeine vom 29. März 2012

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