Ein Kunstschatz kehrt heim

Fredersdorf (MOZ) Am Sonnabend ist in der Fredersdorfer Kirche der teilrenovierte Flügelaltar enthüllt worden. Im Dezember 2011 war er ein Prunkstück der Ausstellung über Märkische Kunst im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte Potsdam.

 
Norbert Rauer, Pfarrer i.R. © Stefan Csevi

Am Ende seines Vortrags tat Norbert Rauer etwas Einmaliges: Vorsichtig klappte er die Flügeltüren des Altars zusammen, um dem Publikum die verblasste Malerei an der Außenseite zu zeigen. Sie stellt die Verkündigung dar, den Moment, an dem ein Engel Maria sagt, dass sie den Sohn Gottes gebären wird. "Das war der Fernseher des Mittelalters", erklärt der Pfarrer in Ruhestand. Je nach Fest klappte man die entsprechende Darstellung auf. "Die Scharniere sind nicht mehr so gut, deshalb sollten wir die Türen möglichst nicht bewegen", gab Rauer die Mahnung der Restauratoren weiter.

Das ungewöhnliche Altarretabel - ein geschnitzter Aufsatz - lässt dem gebürtigen Fredersdorfer keine Ruhe. Mit viel Herzblut setzte sich Rauer über Jahre hinweg dafür ein, dass das alte Stück erforscht und erhalten wird. "Wir wissen nichts über die Herkunft des Altars", sagt der 67-Jährige. Jüngste Untersuchungen ergaben, dass das Holz aus Finnland stammt und vor fast 550 Jahren geschlagen und verarbeitet wurde. Die Malereien auf der Innenseite der Flügeltüren zeigen offenbar die heilige Brigitte von Schweden und den heiligen Wilhelm von Dänemark. Der Aufsatz mit dem Kreuz sei ein Versuch gewesen, den tiefkatholischen Altar evangelisch zu machen, erklärte Rauer. "Es ist erfreulich, dass in unserer Region die Reformation friedlich abgelaufen ist und nichts zerstört wurde."

Auf welchem Weg der Alter 1703 nach Fredersdorf gelangte, wo die Kirche nach der Zerstörung im 30-jährigen Krieg wieder aufgebaut worden war, ist ein Rätsel - und eine "kunsthistorische Sensation", wie Rauer betont. Am Sonnabend drängten sich mehr Menschen auf den Bänken, als die evangelische Kirchengemeinde in Fredersdorf Mitglieder hat. Sie wollten sich ansehen, was in mehr als einem Jahr Abwesenheit mit dem Altar geschehen ist, der bei der Ausstellung "Märkische Kunst - Bilderwelt des Mittelalters" deutschlandweit viel Aufmerksamkeit erfuhr.

Im Anschluss kam er in eine Werkstatt nach Falkensee, wo er konserviert, der drohende Verfall aufgehalten wurde. Außerdem rekonstruierte Restaurator Thorals Herschel die Bilder auf der Flügel-Innenseite. Nun ist das Schwein zu erkennen, das den heiligen Antonius begleitet. 20 000 Euro hat alles gekostet, gestiftet von der Landesdenkmalbehörde, dem Förderkreis alte Kirchen, der evangelischen Kirche, der Gemeinde Zichow. Auch die Fredersdorfer selbst spendeten.

"Dafür muss man nicht in der Kirche sein, um einen Kunstschatz zu ehren, mit dem unsere Vorfahren so lange gelebt haben", meinte Klaus-Dieter Zapf, der zum Fachvortrag gekommen war. Gerlinde Nitsche, Vertreterin der Freiwilligen Feuerwehr, meinte: "Das ist für uns ein Erlebnis. Man merkt erst jetzt, was dieser Altar für einen Wert hat."

Für Rauer ist das Kapitel Altarretabel noch längst nicht abgeschlossen. Aktuell bemüht er sich um weitere 20 000 Euro, die es kosten würde, die Figuren in der Mitte in ihren farbigen Urzustand zurück zu versetzen. 1925 hatte ein Küster sie mit Goldbronze überstrichen. Außerdem wünscht sich Rauer, dass der Schatz nicht weggeschlossen, sondern auch außerhalb der Gottesdienste zu sehen sein wird.

Märkische Oderzeitung vom 25. November 2012

   Zur Artikelübersicht