Orgelgeschenk für Mescherin

Mescherin (MOZ) Fast 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges bekommt die Kirche in Mescherin wieder eine Orgel. Sie ist ein Geschenk aus der Ostseegemeinde Ahrenshoop. Orgelbauer Andreas Arnold baut das komplett zerlegte Instrument gerade ein.

Seltener Einblick ins Innere der Orgel: Andreas Arnold richtet die Tastatur ein, während seine Frau Ruth die erste große Orgelpfeife einbaut. Die Orgel ist ein Geschenk aus Ahrenshoop und war für den Transport nach Mescherin bis in die kleinsten Einzeltei
© MOZ/Oliver Voigt
 
Diese Schnur führt zum Blasebalg: Kantor Daniel Debrow bedient die Vorrichtung, die Luft zu den Orgelpfeifen bringen soll.
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Andreas Arnold ist ein Meister seines Fachs. Er hat schon mehrere Orgeln zusammengebaut und pflegt im Jahr bis zu 140 dieser Instrumente. Dennoch staunt er immer wieder, wie viel Staub und Dreck sich in so einer Königin der Instrumente ansammeln kann.

So verwundert es nicht, dass eines seiner Hauptwerkzeuge beim Orgelaufbau der Staubsauger ist. Holzteile werden abgepustet, Metallpfeifen gewienert, Insekten entfernt und die Tastatur exakt justiert. Zum Glück ist die Schnur des Blasebalgs heil. Es kommt schon mal vor, dass ein Kirchen-Marder sie zerbeißt.

Die neue Mescheriner Orgel ist ein Geschenk der Kirchengemeinde Ahrenshoop, die kurioserweise eine Orgel zu viel hatte. Mescherin und drei weitere Gemeinden hatten sich um die Holzorgel beworben. Das kleine Dorf an der Oder erhielt schließlich den Zuschlag, weil es versprach, das Instrument bei Gottesdiensten und in Konzerten weiter zu nutzen.

Der Pasewalker Kreiskantor Daniel Debrow, der auch die Orgeln im Amt Gartz mit betreut, ist vor fünf Jahren hergezogen. "In meiner Heimat in Westfahlen werden Kirchen entwidmet und Orgeln aufgegeben. Hier im Osten werden sie wieder aufgebaut", freut er sich. Debrow erlebt gerade einen ganz seltenen Kantorsommer, denn auch im Casekower Ortsteil Luckow wird gerade eine aus dem Schwarzwald gespendete Orgel neu installiert.

Nur schweren Herzens haben die Ahrenshooper ihre Orgel ziehen lassen. Zum Abschied gab es einen Gottesdienst mit Konzert, das Daniel Debrow und sein Angermünder Kollege Dieter Glös gestaltet haben.

Beide Organisten wollen die Ostsee-Orgel, die gerade in Mescherin installiert wird, in die Orgelakademie Uckermark/Westpommern einbeziehen. Die Akademie bildet ehrenamtliche Organisten aus Deutschland und Polen aus und will die vielen wertvollen Orgeln beidseits der Oder für Musikliebhaber zum Klingen bringen.

Heute will Andreas Arnold mit dem Einbau fertig werden. Dann kann Daniel Debrow auf dem Instrument üben, bevor es am 4. August mit einem Festgottesdienst eingeweiht wird.

Vermutlich ist dann ganz Mescherin auf den Beinen und feiert die Ostsee-Orgel an der Oder. Alteingesessene werden sich an die letzten Apriltage 1945 erinnern, als russischer Artilleriebeschuss die kostbare Orgel des Stettiner Baumeisters Grüneberg zerstört hat.

Die Predigt in Mescherin hält dann übrigens Pfarrer Reinhold Witte aus Ahrenshoop. Das ist die freundliche Antwort auf die Predigt des Gartzer Pfarrers Hilmar Warnkross beim Abbau der Orgel in Ahrenshoop. Daniel Debrow vermutet: "Beide Kirchengemeinden sind sich nahe gekommen. Vielleicht ergibt sich daraus ja eine Gemeindepartnerschaft."

Märkische Oderzeitung vom 26. Juli 2013

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