Knirschen im Gebälk

Kirche Golzow © MOZ/T.Burckhardt tburckhardt@moz
 
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Kirche Golzow © moz
Kirche Golzow © moz

Chorin (MOZ) Vor gut einem Jahr war er ins Gotteshaus geflattert, der lang ersehnte Fördermittelbescheid zur Sanierung der Kirche Golzow. Auf die Freude folgt jetzt, nach Monaten harter Arbeit, die Erkenntnis: Das Geld reicht nicht. Die Schäden durch Hausschwamm sind massiver als gedacht.

Pfarrerin Beatrix Spreng ist nicht zu beneiden. Die Pastorin hat - im wahrsten Sinne des Wortes - gleich zwei große Baustellen in ihrem Sprengel: die Kirche Joachimsthal und eben die Kirche Golzow. Zwei Gotteshäuser mit enormem Sanierungsbedarf - und wenig Geld.

Beatrix Spreng hat aber auch Glück - und göttlichen Beistand. Denn: An der Seite der Pfarrerin steht in Golzow eine aktive Kirchengemeinde mit einem fachkundig besetzten Bauausschuss. Die weltliche Gemeinde, die Kommune Chorin, sowie der örtliche Heimatverein leisten gleichfalls Schützenhilfe. Ebenso wie die Politik. Bundestagsabgeordneter Jens Koeppen (CDU) sicherte jedenfalls nach seinem jüngsten Baustellenbesuch den Vertretern der Golzower Kirchengemeinde zu, sie im Ringen um weitere Zuschüsse und vor allem bei Antragsformulierungen zu unterstützen.

Es geht um 40 000 Euro, die Golzow zusätzlich benötigt. Der Befall des Dachgebälks sowie teilweise des Mauerwerks durch Hausschwamm und Hausbock ist noch gravierender als befürchtet, zeigte Architekt Klaus Schmidt vom Büro Krekeler dem Gast die Schäden. Problematisch sei insbesondere die Frage, welches Verfahren zur Schwammsanierung und Schädlingsbekämpfung angewandt wird. Wegen der Ausmaße sowie wegen der reichen Verzierungen, der schmuckvollen Ausmalung scheiden die klassische Methode sowie das thermische Verfahren, eine Art Wärmebehandlung, aus, so der Experte. Zu groß wären die möglichen Folgeschäden. Wirklich erfolgversprechend sei allein eine "Begasung". Aber: Dieses Verfahren sei recht kostspielig. Zudem brauche die Gemeinde die Extra-Mittel eigentlich sehr schnell. Sonst geraten die Arbeiten an der Dachkonstruktion ins Stocken.

Und eigentlich muss die Kirchengemeinde die Fördermittel, die sie im Herbst 2012 aus dem Programm "Integrierte Ländliche Entwicklung" (ILE) erhalten hat, bis Frühjahr 2014 abrechnen. Insgesamt 350 000 Euro hat Golzow derzeit zur Verfügung. Schwerpunkt dieses Bauabschnittes ist die "konstruktive Wiederherstellung des Dachwerks", so Schmidt. Diese Etappe entscheidet über das Schicksal des Gotteshauses.

Aufgrund der Schäden drohte die Kirche schon einzustürzen. "Die Zuganker haben nicht mehr funktioniert. Das Dach hatte sich gespreizt, war verformt", beschrieb der Architekt die Dramatik. Ursache waren Nässeeinwirkung sowie der Pilzbefall. Im Rahmen einer Notsicherung konnte 2010/11 zunächst die akute Gefahr gebannt werden. In den vergangenen Wochen und Monaten nun haben die Handwerker bereits Teile der Dachkonstruktion erneuert. Das Dach des Kirchenschiffs wurde neu eingedeckt. Teile des Turmes wurden repariert.

Märkische Oderzeitung vom 25. November 2013

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