Gotteshaus mit irdischen Problemen

Schimmelbefall in der Orgel / Wasser in Wänden / Kostenschätzung für Altarsanierung

MÜHLBERG Dass Pfarrerin Kerstin Höpner-Miech ihre Mühlberger Frauenkirche liebt, ist nur verständlich. Schlicht, unaufgeregt thront das Gotteshaus neben dem Rathaus. So schlicht sie von außen erscheint, hat sie doch beeindruckendes Inventar, das die Gemeinde zu bewahren bemüht ist. Das kostet Nerven, Geduld und Geld. Jetzt stehen hohe Summen aus für die Sanierung des Inventars.

Imposanter Blick in die Frauenkirche: Pfarrerin Kerstin Höpner-Miech auf der Empore an der Orgel.
Foto: Corinna Karl
 
Im Herzen der Orgel "schlägt" ein neuer Motor. Der Blasebalg im Hintergrund liefert die benötigte Luft für die Orgelpfeifen.
Foto: Corinna Karl

Besonderes Prachtstück und "Leihgabe" ist der Altar der Klosterkirche von Heinrich Göding aus dem Jahr 1569. Göding war ein Schüler Lucas Cranachs, kursächsischer Hofmaler in Dresden und Kupferstecher. Der Altar zeigt das letzte Abendmahl. Auch Mühlberger Lokalgeschichte, typische Gewänder und wichtige Personen werden dargestellt. "Es sind gerade an den Flügeln etliche Retuschen nötig. Figuren müssen befestigt und gegen den Holzwurm etwas getan werden", sagt Pfarrerin Kerstin Höpner-Miech. Wichtig sei auch eine sichere Konstruktion, um den Altar im Hochwasserfall einen Meter in die Höhe zu stemmen. "Bislang haben wir bei Hochwassergefahr den unteren Teil des Altares aufwendig abgebaut." Eine Lösung muss noch gefunden werden. Kostenschätzung für die Sanierung: etwa 25 000 Euro.

Der eigentliche Altar der Frauenkirche ist auf einem Steinsockel höher gelegen und bereits saniert. Der Marienaltar ist eine "hölzerne Bildhauerarbeit, die wohl aus dem 16. Jahrhundert herrührt", schreibt Kämmerer Carl Robert Bertram 1865 in der Stadtchronik.

Bis 1992 haben sich Regen und Eis unaufhörlich Zugang zum Inneren der 500 Jahre alten Frauenkirche verschafft. Das Dach war undicht. "Die Auswirkungen auf Wände und in der Orgel kann man sogar mit dem bloßen Auge erkennen", sagt Kerstin Höpner-Miech und zeigt auf große Wasserflecke an den bereits behandelten Wänden und die dünne Schimmelschicht im Bauch der Orgel. Der Boden des Kirchenschiffes ist nach dem Hochwasser 2002 saniert worden. Seitdem trocknen die Wände langsam aber stetig. Höpner-Miech: "Die Luftfeuchtigkeit konnte schon von 90 auf 70 Prozent gesenkt werden. Wir sind auf einem guten Weg." Die Feuchtigkeit hat sich, wie schon erwähnt, auch in der Orgel festgesetzt. "Sie muss vom Schimmel befreit werden. Dieser hat zwar dem Instrument keinen Schaden zugefügt, aber wir müssen Schlimmeres verhindern", sagt sie. Das Instrument stammt aus den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts. Vorgänger, so ist es in der Stadtchronik vermerkt, wurden 1560, 1633 und 1734 eingebaut. Vor Weihnachten musste die Gemeinde einen neuen Orgelmotor kaufen. Der alte streikte. Die Frauenkirche blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Sie wurde bis 1525, nach der Zerstörung des Vorgängerbaus durch die Hussiten, aufgebaut. Kämmerer Bertram schreibt 1865: "Erst 1487 verschritt man zu einem Neubau, wenigstens erscheinen von diesem Jahre ab erst Ausgaben dafür in den Kirchenrechnungen." Man habe alten Bruchstein aus dem Vorgängerbau verwendet, oder aus dem Klingenhayner Steinbruch. 1535 brannte auch das Gotteshaus, als ein Feuer die Neustadt in Asche legte.

Die Frauenkirche war die Pfarrkirche, ist heute Gotteshaus der evangelischen Gemeinde. Auch eine verzierte Kanzel stammt aus der Zeit der Erbauung. Eine weitere aus der Klosterkirche wartet auf ihre Sanierung. "8000 Euro sind etwa nötig", sagt die Pfarrerin. Noch lagert die Kanzel im hinteren Teil der Kirche, liegt klimatisch günstig. Überall würden noch Aufgaben warten. Einen großen Teil der Kollekte stecke man auch in die Bewahrung der Kirche. Statt Geld zu spenden, könne man sich auch verewigen und es einem Paar gleichtun, das 1911 anlässlich ihrer Goldenen Hochzeit ein buntverglastes Lutherfenster gestiftet hat.

Corinna Karl

Lausitzer Rundschau vom 09. Januar 2014

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