Riesiges Kirchenschiff bietet Platz für zwei Emporen

Hinter die Mauern der Granoer Kirche geschaut / Evangelisches Gotteshaus steht unter Denkmalschutz

GRANO Kirchen üben auf Menschen einen besonderen Reiz aus egal ob sie evangelischen oder katholischen Glaubens oder konfessionslos sind. Jedes Gotteshaus birgt Geheimnisse und erzählt Geschichten. Die RUNDSCHAU stellt die Kirchen der Region Guben vor und erklärt ihre Besonderheiten. Heute: die Kirche in Grano.

Der Hochaltar, der mit kirchlichen Ornamenten verziert ist und durch die Farbgebung wir Marmor schimmert, bietet einen Blick auf zwei Emporen. Ulrich Heß ist vom Licht in der Kirche fasziniert.
Foto: Jana Pozar/zar1

Eine kleine Lehmfachwerkkirche wurde schon im 17. Jahrhundert in Grano gebaut. Was von ihr übrig blieb, sind der hölzerne Turm und die einstige große Glocke von 1624. "Sie ist die einzige in unserer Region erhaltene Glocke des Prager Meisters Mates Baust", weiß der Kirchenälteste Ulrich Heß. Stolz zeigt er im Turm auf die Glocke, in der neben der Widmung und dem Wappen derer von Bomsdorf auch der Name des Meisters und der des Pfarrers verewigt sind. Daneben hängt eine zweite Glocke aus dem Jahr 1930. Ihre Vorgängerin musste dem Ersten Weltkrieg geopfert werden. Heute funktionieren die Glocken per Knopfdruck. "Darum beneiden uns viele andere Gemeinden", sagt Ulrich Heß.

Am alten Kirchenhaus wurde seit Ersterbauung immer wieder gearbeitet. So wurden beispielsweise im Jahr 1754 insgesamt 4000 Mauerziegel und 2000 Dachsteine erbaut. Auch wurde schon Ende des 18. Jahrhunderts über einen Neubau nachgedacht. Allerdings war schon damals das Geld knapp. Trotzdem wurde nach dem Osterfest 1854 die alte Fachwerkkirche abgebaut, Turm und Altar blieben stehen. Auch die Bänke wurden wieder verwendet. Am 5. November desselben Jahres wurde die Kirche bereits wieder geweiht. Der Kirchturm erhielt im Jahr 1934 nach jahrzehntelangem, schmucklosen Dasein wieder Kugel und Wetterfahne. "Weil kein genaues Erbauungsjahr der alten Kirche festgestellt werden konnte, ist in der Fahne das Jahr 1810 verewigt, in dem das Dach komplett erneuert wurde", weiß Ulrich Heß.

"Für mich ist das ungefüge Gebilde, der Turm mit dem scheinbar nicht dazu passendem Kirchenschiff, faszinierend", erzählt Ulrich Heß. Das überdimensionale Kirchenschiff sei gewöhnungsbedürftig. Darunter finden zwei Emporen Platz, die das Dach zusätzlich halten. Das wurde im Jahr 1924 gelattet und als Kronendach gedeckt. "Dabei stürzte ein Arbeiter zu Tode", weiß der Kirchenälteste.

Heß schwärmt weiter von "seiner" Kirche: "Die Farbgestaltung und das Licht wirken fantastisch miteinander." Die Säulen des 205 Jahre alten, klassizistischen Altars sehen aus wie Marmor, doch nur die Farbgebung gibt den Säulen diesen Charakter. "Der Hochaltar ist auch etwas Besonderes in den evangelischen Kirchen", erklärt Ulrich Heß, während er demütigt die Stufen zum Altar emporsteigt. Der Kanzelaltar mit einem Renaissancekorb wurde 1799 vom ersten bürgerlichen Kirchenpatron Johann Friedrich Schmidt und seiner Ehefrau Christiane gestiftet. Die Initialen deuten heute noch daraufhin. Die Gast-Orgel sorgt seit 1861 für festlichen Klang. "Es macht nachdenklich, dass der Orgelbauer der letzte Scharfrichter von Fürstenberg", sagt Heß leise.

Auch im Gemeindehaus sind einige Schätze aus der Kirchengeschichte zu finden. Außer in Kirchenbüchern kramt er in vielen alten Relikten. Eine riesige uralte Bibel und einen alten Kelch für Hostien zeigt er ehrfurchtsvoll und stolz. Das Siegel aus dem Jahr 1802 ist ebenfalls würdevoll untergebracht. "Phönix und Pelikan als urchristliche Symbole sind im Siegel enthalten", erklärt Heß.

Die Kirche Grano gehört wie ihre Schwesterkirche in Groß Breesen seit dem Jahr 2001 zur evangelischen Kirchengemeinde Region Guben. Seit 1977 steht das Gotteshaus unter Denkmalschutz.

Jana Pozar/zar1

Lausitzer Rundschau vom 20. November 2014

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