In Bluno soll bald wieder richtig geläutet werden

Die Fachwerkkirche gehört zu den ältesten ihrer Art in Europa

BLUNO Seit dem Jahr 1673 wacht die Blunoer Fachwerkkirche über ihr Dorf. Trotz ihres stattlichen Alters bietet sie einer äußerst lebendigen Kirchgemeinde eine spirituelle Heimat. Demnächst sollen die beiden Glocken wieder im Takt zum Gottesdienst rufen.

Anja Giese ist seit Oktober 2012 Pfarrerin in der Blunoer Fachwerkkirche.
Foto: Richter/Zippack
 
Die Kirche in Geierswalde.
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Die Kirche in Tätzschwitz.
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Derzeit herrscht in Bluno ein gewisser Missklang. Den vernehmen allerdings nur Eingeweihte. Denn die beiden Glocken schwingen nicht mehr ordentlich im Takt. "Ich habe die Gemeinde gefragt, ob sie die Störung hört. Und die Antwort war ja", sagt Pfarrerin Anja Giese. Daher soll noch in diesem Jahr ein Fachmann herangeholt werden. Zu Weihnachten könnten die Glocken wieder im Gleichklang läuten. Bereits seit dem Sommer 1951 versehen die metallenen Glocken im Blunoer Kirchturm ihren Dienst. Mindestens einer ihrer Vorgänger sei während des Zweiten Weltkrieges eingeschmolzen worden.

Doch auch sonst hat sich in diesem Jahr in der historischen Fachwerkkonstruktion eine Menge getan. Beispielsweise das Sammeln von Geld für die Sanierung der Orgel. Das Instrument, gebaut von der Bautzener Firma Eule und seit dem Jahr 1948 im Dienst, funktioniere nicht korrekt. "Ausgerechnet während einer Trauung ist dies dem Kantor aufgefallen", erinnert sich Pfarrerin Giese. 60 Orgelpfeifen müssen abgebaut und gereinigt werden. Darüber hinaus drohe der Blasebalg zu reißen das Lederteil soll repariert werden. Rund 7000 Euro wird das alles kosten.

Ansonsten befinde sich das Gotteshaus in der Blunoer Ortsmitte in einem guten baulichen Zustand. Eine Generalüberholung hatte erst in den Jahren von 1989 bis 2000 stattgefunden. Lediglich ein paar Fenster müssten noch im Laufe des Dezembers ersetzt werden. "Ansonsten richtet der Frost noch größere Schäden an" befürchtet Giese.

Die heutige Blunoer Kirche gibt es schon seit dem Jahr 1673. Nach Angaben des Chronisten Jörg Redlich zählt sie zu den Ältesten ihrer Art in Europa. Obwohl das Dorf mehrfach abgebrannt war, überstand die "Alterspräsidentin" diese Katastrophen nahezu schadlos. Selbst mehrere Granateinschläge am Ende des Zweiten Weltkrieges wurden zügig von den Einwohnern und mithilfe eines Welzower Bauunternehmens behoben.

Kein Wunder, erfuhr das Gotteshaus doch zu allen Zeiten eine rege Nutzung. Noch heute zählt Bluno zu den aktivsten Kirchgemeinden in der mittleren Lausitz. Laut der Pfarrerin kommen pro Gottesdienst bis zu 50 Menschen in die Kirche. Darunter befänden sich allerdings nicht nur Blunsche, sondern ebenso Sabrodter und Partwitzer, die zu dieser Gemeinde gehören. Derzeit finden 516 Gemeindeglieder in der Fachwerkkirche ein geistiges Heim. Diese Zahl sei in den vergangenen Jahren konstant geblieben. Und im Jahr 2014 habe die Anzahl der Neugeborenen sogar die verstorbenen Kirchgänger übertroffen. Allein sieben Taufen seien in den zurückliegenden Monaten vollzogen worden. "Gerade junge Familien verspüren Sehnsucht nach einer gewissen Spiritualität", versucht sich Anja Giese in einer Erklärung dieses Phänomens. Selbst Leute, die bislang kaum etwas mit Gott am Hut hätten, kämen verstärkt in die Kirche. Daher sei es der ursprünglich aus Berlin stammenden Pfarrerin nicht schwergefallen, hier heimisch zu werden. Nur eines habe sie bislang noch nicht geschafft. Und zwar das Erlernen der sorbischen Sprache. "Ich möchte so gern, aber die notwendige Zeit habe ich derzeit nicht", begründet die Kirchenfrau, die übrigens die erste Pfarrerin in der langen Ahnenreihe der Blunoer Geistlichen ist.

Zum Thema:

Zur Kirchgemeinde zählen neben Bluno auch die Gotteshäuser in Geierswalde und in Tätzschwitz. Das heutige Geierswalder Gotteshaus entstand in den Jahren 1678/1679. Damals gab es allerdings noch nicht den Turm, sondern ein seitwärts stehendes Glockengerüst, ähnlich wie im benachbarten Lauta-Dorf. Der eigentliche Turm wurde anno 1792 erbaut. Durch den ungünstigen Baugrund sowie den heranrückenden Bergbau geriet das Bauwerk in eine bedrohliche Schieflage. Am 18. Dezember 1988 stürzte die Westwand bis zu einer Höhe von sieben Metern ein. Durch einen massiven Stahlanker konnte der Turm jedoch gerettet werden. Heute bildet er als "schiefer Turm des Seenlandes" ein gewisses Wahrzeichen der Region.Die Tätzschwitzer Kirche wurde im Jahr 1586 erstmals urkundlich erwähnt. Dabei soll es sich laut der Ortschronik um eine Holzkonstruktion gehandelt haben. Allerdings brannte diese vor nunmehr 225 Jahren ab. Das heutige Gotteshaus entstand nur ein Jahr später, nämlich im Jahr 1790. Tätzschwitz war zu keiner Zeit eine selbstständige Pfarrgemeinde, aber stets ein Kirchdorf. Früher wurde das Dorf kirchlich von Schwarzkollm aus betreut. Noch heute ist das Tätzschwitzer Gotteshaus für seine zweisprachigen Gottesdienste bekannt. Insbesondere zum Erntedankfest können die farbenfrohen sorbischen Trachtengängerinnen bewundert werden. Die Kirche gilt seit jeher als Wahrzeichen des Dorfes. trt1

Torsten Richter-Zippack / trt1 trt1

Lausitzer Rundschau vom 19. Dezember 2014

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