Taufengel schläft mehr als 250 Jahre im Keller

Evangelische Kirche Groß Breesen mit beeindruckenden Zeitzeugnissen / Gotteshaus unter Denkmalschutz

GUBEN Kirchen üben auf Menschen einen besonderen Reiz aus egal ob sie evangelischen oder katholischen Glaubens oder konfessionslos sind. Jedes Gotteshaus birgt Geheimnisse und erzählt Geschichten. Die RUNDSCHAU stellt die Kirchen der Region Guben und darüber hinaus vor und erklärt die Besonderheiten. Heute: die evangelische Kirche zu Groß Breesen.

Die Geschichte der Groß Breesener Kirche reicht bis in das 14. Jahrhundert zurück.
Foto: zar
 
Gemeindemitglied Gudrun Seifert ist stolz auf den Taufengel, der in der Region einzigartig ist. Im Jahr 1705 wurde am Becken das erste Kind getauft.
Foto: Jana Pozar/zar1

Die Geschichte der Kirche zu Groß Breesen reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück. Wahrscheinlich wurde dort wegen der verkehrsgünstigen Lage zwischen den beiden Klöstern Guben und Neuzelle eine Mutterkirche gegründet. Das Gotteshaus, wie es heute im Gubener Ortsteil zu sehen ist, wurde im Jahr 1852 gebaut, nachdem das baufällig gewordene Kirchenschiff ein mittelalterlicher Fachwerkbau abgerissen worden war. Nach christlicher Tradition wurde die neue Kirche auf den mittelalterlichen Fundamenten gebaut. 30 Jahre später wurde der alte hölzerne Kirchturm abgetragen und durch einen neuen, massiven Turm ersetzt.

Glück im Unglück

In den 1980er-Jahren wurde die Kirche saniert. "Sie bekam unter anderem ein neues Dach, eine Decke aus Holz und neue Fenster. Und die dritte Empore wurde abgetragen", weiß Gemeindeglied Gudrun Seifert.

Das Besondere an der Groß Breesener Kirche aber ist der Taufengel. In der näheren Umgebung gibt es kein Gotteshaus, das im Besitz eines solchen Engels ist. Am 12. September 1705 wurde an dessen Becken das erste Kind getauft. Am 2. August 1733 aber riss der Strick, an dem der Tauf engel herabgezogen wurde. Der zerbarst in mehrere Stücke und der Stein, das Gegengewicht, stürzte von der Kirchendecke und erschlug fast den Prediger. Seitdem schlummerte der Tauf engel aus Lindenholz auf Dachböden und im Heizungskeller. "Wir können glücklich sein, dass er nicht verheizt wurde", sagt Gudrun Seifert. Erst im Jahr 2010 wurde der Engel nach seiner Restauration wieder aufgehängt und schwebt seitdem wieder über dem Taufbecken.

Kostbarkeiten

Auch der Turmknopf ist eine kleine Schatzkammer. Neben vielen anderen Dokumenten ist dort die älteste, noch mit dem Federkiel in sächsischer Kanzleischrift verfasste Urkunde vom 22. August 1789 zu finden.

Der Groß Breesener Glockenturm hat in den etwa 130 Jahren seines Bestehens bereits das dritte Geläut. In beiden Weltkriegen dienten die Glocken der Rüstungsproduktion. Seit 1960 läuten dort drei Hartgussglocken der Firma Schilling aus Apolda.

Den imposanten Kronleuchter in der Mitte des Kirchenschiffes verdankt die Gemeinde einem traurigen Anlass: Der kunstvoll geschmiedete mit zwölf Kerzen besetzte Messingleuchter wurde von Eva Helene, Freifrau Schenk von Landsberg gestiftet, deren Tochter im Jahr 1723 während der Geburt ihres Kindes verstarb. Die Orgel der Groß Breesener Kirche stammt von Orgelbaumeister Johann Gottlob Gast aus Fürstenberg/Oder. Gebaut wurde sie im Jahr 1820.

Vermutlich wurde der spätere Kantor und Musikdirektor der Berliner Nikolaikirche Johann Crüger, der in Groß Breesen im Jahr 1598 geboren wurde, auch im Breesener Gotteshaus getauft.

Die Groß Breesener Kirche ist auch ein kleiner Star. Denn was kaum jemand weiß: Im Frühjahr 1968 drehte das DDR-Fernsehen zu dem Film "Wege übers Land" eine Szenenfolge aus dem Zweiten Weltkrieg in der damals baufälligen Kirche.

Heute steht die Kirche zu Groß Breesen unter Denkmalschutz.

Jana Pozar/zar1

Lausitzer Rundschau vom 12. Februar 2015

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