Mittelpunkt der Stadt

Einstige Landkirche nun christliches und kirchenmusikalisches Zentrum von Guben

GUBEN Kirchen üben auf Menschen einen besonderen Reiz aus egal ob sie evangelischen, katholischen Glaubens oder konfessionslos sind. Jedes Gotteshaus birgt Geheimnisse und erzählt Geschichten. Die RUNDSCHAU stellt die Kirchen der Region Guben vor und erklärt die Besonderheiten der Kirchen. Heute: die Klosterkirche.

Ein repräsentatives Gebäude im Gubener Stadtzentrum: die Klosterkirche.
Foto: Jana Pozar/zar1

Der Name Klosterkirche ist auf das Benediktinerinnen-Kloster, das durch Kaiser Barbarossa Ende des 12. Jahrhunderts gegründet wurde, zurückzuführen. Das Kloster wurde nach der Reformation aufgelöst, die Reste des Klosters wurden im Jahr 1860 abgerissen wurden.

Zwei Jahre später wurde die neugotische Klosterkirche nach Plänen des Frankfurter Architekten Flaminius errichtet. Diese Kirche aber war schon die dritte auf dem Areal. Die erste wurde im Jahr 1429 von den Hussiten zerstört, die zweite wegen Baufälligkeit 1860 abgetragen. Kantor Hansjürgen Vorrath weiß: "Schon damals hatte der Denkmalschutz viel zu sagen. Die Giebel der alten Kirche mussten stehen bleiben, deshalb wurde die neue Kirche zwischen die Giebel der einstigen Ost-West-ausgerichteten Kirche gebaut." Wohl deshalb hat die heutigen Klosterkirche eine Nord-Süd-Ausrichtung. "Im Jahr 1865 sind die Giebel jedoch eingestürzt", sagt Vorrath. Weil die große Stadt- und Hauptkirche keine Turmuhr hatte, durfte auch die Klosterkirche keine Uhr bekommen. "Die wurde erst im Jahr 1980 eingebaut und stammt aus der Kirche von Groß Lieskow", ist von Hansjürgen Vorrath zu erfahren.

Das Holz für den Innenraum der Kirche von Empore über Kirchendecke bis zum Dachstuhl stammt aus den kirchlichen Wäldern um Guben. Nur die Außenmauern sind aus Stein. "In den 1990er-Jahren wurde die Kirche wieder einmal umgebaut. Das Holz erhielt einen neuen Anstrich in Originalfarben", erzählt Hansjürgen Vorrath. Dabei fällt dem Kantor eine weitere überlieferte Geschichte ein. "Zur Einweihung der Kirche im Jahr 1862 durfte nur ein Mitglied jeder Familie der Gemeinde ins Gotteshaus kommen. Weil befürchtet wurde, dass der Platz nicht ausreicht." Dabei bietet die Kirche Platz für 1300 Menschen.

Ein farbenfroher Blickfang der Klosterkirche sind die Glasfenster, die erst vor 16 Jahren eingebaut wurden. Der Berliner Künstler Helge Warme hat sie entworfen. Er ließ sich dabei vom Lied "Jesu, meine Freude" der beiden Gubener Johann Franck und Johann Crüger inspirieren. Hansjürgen Vorrath schwärmt: "Die Kühle der Farbe Blau geht innerhalb der Kirche über ins warme Gelb." Die Fenster der jeweils gegenüberliegenden Seite sowie über dem Altar sind im Wesentlichen gleich, aber spiegelverkehrt gestaltet. Während die Fenster in Augenhöhe Leid, Krieg, Sorgen und Bedrohung zeigen, erzählen die Emporenfenster von Ruhe Frieden und Harmonie.

Kantor Hansjürgen Vorrath musiziert in der Klosterkirche auf einer Schuke-Orgel, die in den 1950er-Jahren erbaut wurde. Die Klosterkirche war bis zum Zweiten Weltkrieg eine Landkirche. Wohl auch deshalb sind auf der Gedenktafel für die Gefallenen im Ersten Weltkrieg die Namen der Dorfbewohner, die zur Landgemeinde gehörten, eingraviert. "Reichenbach war das einzige westliche Dorf, alle anderen Dörfer liegen im heutigen Polen. Heute ist die Klosterkirche der evangelischen Kirchengemeinde Region Guben christlicher und kirchenmusikalischer Mittelpunkt der Neißestadt.

Jana Pozar / zar1

Lausitzer Rundschau vom 06. März 2015

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