Schimmel und Motten befallen Pfeifen

Stefan Lötsch

Eisenhüttenstadt (MOZ) Die Orgel der sächsischen Firma Eule in der Nikolaikirche muss dringend saniert werden, obwohl sie erst 16 Jahre alt ist. Grund dafür ist, dass Teile des Instruments vom Schimmel befallen sind.

Muss saniert werden: Blickt man vom Kirchenschiff auf die Orgelempore, kann man nicht erkennen, dass das Instrument unter Schimmelbefall leidet. Die Eule-Orgel ist eines der größten und klanschönsten Instrumente seiner Art im Landkreis Oder-Spree.
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Eigentlich haben Orgeln eine lange Lebensdauer, noch dazu, wenn sie regelmäßig gewartet werden. Als in der evangelischen Nikolaikirche 1999 das Instrument in Betrieb ging, das vom sächsischen Orgelbauer Hermann Eule errichtet wurde, da wurde auch eine jährlich Wartung vereinbart. Die Orgel mit ihren vielen Klangmöglichkeiten ist Mittelpunkt der jährlichen Konzertreihe, die Kantor Lutz Matthias Müller zusammenstellt und organisiert. Aus dem Konzertleben Eisenhüttenstadts ist das nicht wegzudenken.

Doch trotz der Pflege und der Wartung: Seit einigen Jahren bekommen Kantor Lutz Matthias Müller, die Orgelbauer und Pfarrer Wolfgang Krautmacher Sorgenfalten, wenn sie an die Orgel denken. "Die Orgel wird immer stärker vom Schimmel befallen", erklärt Wolfgang Krautmacher. Auch Motten, Bleizucker und Rost setzen den Pfeifen und der Technik zu. Der Pfarrer stellt fest: "Das sind alles Dinge, die einer Orgel nicht gut tun. Es ist Zeit zum Handeln."

Doch bevor die vor allem finanziell aufwändige Sanierung beginnt, müssen die Ursachen für den Schimmel beseitigt werden. Wolfgang Krautmacher verweist darauf, dass es in dem Gotteshaus zu feucht ist. "Teilweise herrscht mehr als 60 Prozent relative Luftfeuchte." Die Feuchtigkeit stecke in den Wänden, mit verursacht durch Baumängel aus den 1990er-Jahren. Erst in diesem Jahr konnte eine Feuchtigkeits-Quelle abgestellt werden. Aus Denkmalschutz-Gründen hatte das Gotteshaus bisher keine Dachrinnen, das Regenwasser pladderte an den Wänden herab. Inzwischen gibt es eine Einigung mit dem Denkmalschutz, die Dachrinnen sind angebracht. Wie weit das Wasser das Gemäuer geschädigt hat, zeigte sich bei der gleich anschließenden Reparatur der Fugen zwischen den Steinen. Bis zu 17 Zentimeter tief waren teilweise die Auswaschungen, erklärt der Pfarrer.

Aber es gibt noch einen anderen Grund, weshalb es in der Kirche schimmelt und rostet. Es wird - viele werden das aus der eigenen Wohnung kennen und wissen- falsch gelüftet, was bei einem großen Kirchenraum natürlich noch viel schwieriger ist, als beim heimischen Wohnzimmer. Auch das Heizen in den Wintermonaten ist für das Klima in dem Gotteshaus nicht nur von Vorteil. "Die aufgeheizte Luft speichert mehr Feuchtigkeit. Wenn die Luft abkühlt, wird die Feuchtigkeit an das Gemäuer zurückgegeben, und auch an die Orgel", erklärt Wolfgang Krautmacher. Das Problem habe es früher, als noch nicht geheizt wurde, nicht gegeben. Die Nikolaikirche ist auch nicht das einzige Gotteshaus, in der die Orgeln leiden. Um das mit dem Lüften in den Griff zu bekommen, gibt es inzwischen eine "Lüftungsampel", die anzeigt, wann Fenster und Türen zu öffnen und wann zu schließen sind.

"Wir beseitigen also einige der Ursachen für Schimmel, Motten und Rost", stellt der evangelische Pfarrer der beiden Eisenhüttenstädter Kirchengemeinden fest und fügt hinzu: Nun sei der Zeitpunkt gekommen, die aufgetretenen Schäden an der Orgel zu beseitigen. Rund 41000 Euro müssen dafür aufgewendet werden. Wolfgang Krautmacher gibt zu, dass das teuer ist, doch: Es sei preiswerter als nichts zu tun und eventuell später noch größere Schäden beheben zu müssen. Den Auftrag für die Sanierung hat die Firma Sauer-Orgelbau aus Frankfurt. Wann genau die Sanierung beginnt und wie lange sie dauert, steht noch nicht fest. Womöglich muss ein Teil der beliebten Orgel-Vespern, die in den Sommermonaten veranstaltet werden, ohne Beiträge von der großen Orgel geplant werden.

Märkische Onlinezeitung vom 09. Oktober 2015

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