22.12.2020  –  Märkische Oderzeitung

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Die kunstvollen Malereien in der Sakristei der Marienkirche gelten in der der Region als einzigartig. Sie wurden mehrfach konserviert und restauriert.

22. Dezember 2020, 16:36 Uhr•Beeskow
Von Monika Rassek

17.12.2020 Beeskow, Sakristei der St. Marienkirche
17.12.2020 Beeskow, Sakristei der St. Marienkirche, Bilder: Jörg Tornow

Hinter einer schweren, wuchtigen Holztür im Mittelschiff der Beeskower St. Marienkirche verbirgt sich die Sakristei. „Nach Neujahr beginnend, bis zu Ostern, halten wir gewöhnlich die Gottesdienste in diesem Raum ab“, erzählt Pfarrerin Elisabeth Preckel, „was wegen der Corona-Pandemie aber nicht möglich ist.“ Die Sakristei fasst etwa 60 Teilnehmende – doch die Stühle stehen dann dicht an dicht.Beim Eintreten fällt zunächst der von zwei kleinen Fenstern gesäumte, einfache Altar in dem kleinen Hauptraum mit den kreuzrippenförmigen Gewölbeabschnitten auf. Experten vermuten, dass das die ursprüngliche Sakristei ist, die erst beim Umbau durch zwei Durchbrüche um den kleineren, etwas höher gelegenen Raum erweitert wurde. Zur Baugeschichte gibt es bisher noch keine abschließenden Untersuchungen. Dirk Schumann (Geschichten und Geschichte) vermutet jedoch, dass der Sakristeibau in das 14. Jahrhundert datiert werden kann und ursprünglich zu einem Vorgängerbau der heutigen Kirche gehörte. Ein Rätsel, das es noch zu lösen gilt.

Malerische Schätze

Obwohl die Sakristei vom Baustil her eher als schlicht bezeichnet werden kann, weist das Gewölbe im Ausgleich dazu malerische Schätze auf – den Bildzyklus mit der Darstellung der lateinischen Kirchenväter wie dem heiligen Augustinus, dem heiligen Hieronymus und dem heiligen Gregor dem Großen (Gregorius, als Papst Gregor I.). Einzig ein Bild des heiligen Ambrosius konnte nicht nachgewiesen werden, obwohl eine frühere Existenz eines solchen Bildes als wahrscheinlich gilt.Seit dem 13. Jahrhundert gehören die Kirchenväter zum verbreiteten Figurenprogramm von Sakralbauten. Die Malereien in der Sakristei sollen, das ergaben Untersuchungen, zwischen 1380 und 1390 entstanden sein. Und sie sind nach bisherigem Wissen in der Region einzigartig.Das wiederum macht es jedoch unwahrscheinlich, dass der Maler aus der Umgegend von Beeskow kommt. Experten nehmen eher an, dass es seitens des Malers eine Nähe zum Prager Königshof gegeben hat, zu dessen Hoheitsgebiet die Niederlausitz in der Zeit der Entstehung der Bilder gehörte. Daraufhin deuten neben dem Stil der Malereien auch die bei Darstellung auf flachem festen Material verwandte Temperatechnik, ein Vorläufer der Ölmalerei.

Nähe zum Prager Königshof vermutet

Als besonders gilt auch der hohe Anteil an originaler Substanz bei hoher technischer und künstlerischer Qualität der gotischen Wandmalereien. Kaum vorstellbar, dass diese im Laufe der Zeit übertüncht wurden und erst mit den Durchbrüchen zum Vorbau 1934 wiederentdeckt wurden – beim damaligen Verlegen der Elektroleitung.

Der Berliner Maler Paul Thol, der auch 1930 die Deckenmalerei der evangelischen Kirche in Finow restaurierte, legte die Fresken frei und stellte diese wieder her. Im Zuge dieser Arbeiten wurde die gesamte Sakristei renoviert.

Im Jahr 1963 wurde erneut renoviert. Im Rahmen einer Diplomarbeit erfolgte 1997/98 eine Bestands- und Zustandsanalyse mit dem Ergebnis, dass weitere Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten notwendig sind. Diese wurden 1999 abgeschlossen. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges gingen die Menschen für kleinere Gottesdienste in die nicht zerstörte Sakristei der St. Marienkirche, die durch Artilleriegeschosse zerstört wurde.

Märkische Oderzeitung, 22.12.2020
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