08.02.2020  –  Märkische Oderzeitung

Brandenburg an der Havel – Warum der Marienberg einst Harlungerberg hieß

Die Marienkirche zierte einst den höchsten Berg der Stadt und gab ihm den Namen.© Foto: Sammlung Th. Messerschmidt

Dem Marienberg der Marienkirche widmete Stadthistoriker Friedrich Grasow immer wieder gern aufschlussreiche Zeilen. So auch in dem 1926 erschienenen Büchlein „Ein Führer  durch die Chur- und Hauptstadt und ihre Umgebung“. Darin heißt es: „Der Marienberg hieß früher Harlungerberg. Die Entstehung dieses Namens verliert sich in den Sagen grauer Vorzeit. Die Harlungen sind in der germanischen Sage ein vielgenanntes Heldenbrüderpaar. Der Berg war in der germanischen Zeit eine heidnische Kultstätte. In der Wendenzeit stand auf seinem Gipfel der Tempel des Gottes Triglaf, an dessen Stelle der zum Christentum übergetretene Wendenfürst eine christliche Kirche erbauen ließ, die der Jungfrau Maria geweiht wurde und dem Berge seinen jetzigen Namen gab. Um das Jahr 1220 wurde die Marienkirche neu erbaut. Der Grundriss des viertürmigen Zentralbaues bildete ein griechisches Kreuz, dessen arme halbrunde Abschlüsse hatten, In den einspringenden Ecken des Kreuzes standen die vier Türme, deren Inneres zum Kirchenraum hingezogen war. Mehrere Treppen führten zu den Emporen, durch die der östliche Teil der Kirche und die Türme zweigeschossig wurden. Aus Urkunden geht hervor, dass die Kirche in ganz Deutschland als Wallfahrtskirche berühmt war und wegen ihres wundertätigen Marienbildes viel besucht wurde. Später sank ihr Ansehen. Aber neuen Glanz erhielt sie durch die beiden ersten Hohenzollernfürsten, indem Friedrich I. im Jahre 1435 auf dem Berge neben der Kirche ein Prämonstratenserkloster gründete, das vom Domkapitel besetzt wurde. Kurfürst Friedrich II. machte die Kirche zum Mittelpunkt des von ihm 1440 gestifteten Schwanenordens, für den er an der Westseite der Kirche 1443 einen gotischen Anbau als Ordenskapelle errichtete. Aber der neue Glanz war nicht von langer Dauer, denn mit der Einführung der Reformation wurde das Kloster eingezogen und auch der Schwanenorden verlor an Bedeutung.“

Märkische Oderzeitung, 08.02.2020