05.03.2021  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Die Brieselanger Kirche wird 90 Jahre

Im März 1931 wurde der „Kirchsaal mit Gemeindehaus“ in Brieselang eingeweiht. Das ist jetzt genau 90 Jahre her. Am Montag wird angesichts dieses Ereignisses eine kurze Andacht im Freien gefeiert. 

Die Kirche im Jahre 1970.

Mit dem Läuten von Kirchenglocken kennt Karl-Heinz Gliege sich aus. „Schon als Zwölfjähriger habe ich in Groß Behnitz die Glocken geläutet und mir ein Taschengeld verdient“, erinnert er sich. Als er in Brieselang in den Gemeindekirchenrat kam, brachte er das Geläut ab 1983 ebenfalls regelmäßig in Schwung.

Und am Montag will das frühere langjährige Mitglied des Gemeindekirchenrates die Glocke in der Karl-Marx-Straße zu einem ganz besonderen Anlass mit seiner Muskelkraft ertönen lassen: Denn der Kirchbau besteht jetzt 90 Jahre. Dazu wird es um 14 Uhr eine kurze Andacht unter freiem Himmel geben.

Bei der Finanzierung einige Hürden überwunden 

Die Uhrzeit ist nicht zufällig gewählt, denn am 8. März 1931 um 14 Uhr erfolgte die Eröffnung des Kirchsaals mit Gemeindehaus. „Da wurde zum ersten Mal in Brieselang eine Glocke geläutet“, sagt Karl-Heinz Gliege. Anwesend war auch der damalige Generalsuperintendent Otto Dibelius. Und Gliege kann den alten Unterlagen auch entnehmen, dass am 27. Mai 1930 um 17 Uhr die Grundsteinlegung stattfand.„In neun Monaten waren der Kirchsaal und das Gemeindehaus dann fertig“, sagt er. Entstanden ist ein Gebäude im Bauhausstil, weshalb die Kirche heute auch unter Denkmalschutz steht. 

Der Bläserchor in einer Aufnahme von 2017.

Der Bläserchor in einer Aufnahme von 2017. Quelle: Privat

Die Finanzierung war damals nicht ganz einfach. Anfangs sollte das kleine Ensemble insgesamt 55 000 Reichsmark kosten. 15 000 Reichsmark hatte die noch junge Kirchengemeinde, die erst 1929 gegründet worden war, aufzubringen. Das gelang nur dadurch, dass zwei Drittel der Summe über Darlehen abgedeckt wurden. 

Große Freude über den Kirchbau

Allerdings lehnte das Konsistorium das erste Konzept ab. „Ursprünglich war geplant, dass später neben das Gemeindehaus noch eine richtige Kirche hingesetzt und der Kirchsaal mit integriert wird“, sagt Pfarrer Rudolf Delbrück. Um sich diese Möglichkeit nicht zu verbauen, hatte man die Gebäude gedreht, so dass der Kirchsaal nach Norden ausgerichtet und auch ein Glockenturm angeordnet wurde. Damit allerdings verteuerte sich das Bauvorhaben auf 66 840 Reichsmark. 

Die Brieselanger evangelischen Christen freuten sich damals sehr, dass es gelungen war, einen Kirchbau in der zu diesem Zeitpunkt erst sechs Jahre alten Landgemeinde Brieselang zu errichten. Bis dahin hatten sie nämlich keine eigene Heimstatt. So mussten sie anfangs zu den Gottesdiensten nach Bredow fahren. Mit in das Gemeindehaus integriert wurde der evangelische Kindergarten, der seit 1928 bestand. Außerdem bekam dort auch die Schwesternstation ihr Domizil.

2004 wurde die Empore erweitert

Immer wieder gab es im Laufe der Zeit an dem Kirchbau etwas zu tun. Beispielsweise hatte der Brieselanger Künstler Hans Klakow in den 50er-Jahren den Kirchsaal umgestaltet. Außerdem wurde eine Schuke-Orgel eingebaut, die das bis dahin genutzte Harmonium ersetzte. Nach der Wende wurden unter anderem 1993/94 die Bleiglasfenster restauriert und weitere Fenster erneuert, ebenso wie das marode Kreuz auf dem Glockenturm.

„2004 haben wir dann auch die Empore umgebaut“, sagt Karl-Heinz Gliege. Denn der Chor hatte mittlerweile so viel Zuwachs, dass er nicht mehr auf die Empore passte. So wurde diese um 2,5 Meter in den Kirchsaal hinein erweitert.

Auch der Runde Tisch kam hier unter

Ein großes Projekt war zuvor bereits der Neubau des Kita-Gebäudes auf dem Kirchengelände. Denn wegen des zunehmenden Bedarfes musste gehandelt werden. Durch den Auszug der Kita 2001 konnte der freigewordene Platz zu einem großen Gemeinderaum mit Teeküche umgenutzt werden. 2008 schließlich hat die Kirchengemeinde die Kindertagesstätte um ein weiteres, rotes Gebäude ergänzt, in dem sich ein Schlafraum und Abstellmöglichkeiten befinden.

Aber nicht nur für Konfirmandenunterricht und Gruppenarbeit wurden die Räumlichkeiten der Kirche im Laufe der Jahrzehnte genutzt. Zur Wendezeit von 1989 bis Anfang 1991 kam dort der Runde Tisch zusammen. Daran nahm auch Pfarrerin Lilly Busse teil. „Die Kirche war immer voll, wenn es hieß, dass dort eine Diskussionsrunde stattfindet“, sagt Karl-Heinz Gliege. Von 1985 bis 2017 war Lilly Busse Pfarrerin in Brieselang.

An Feiertagen ist die Kirche etwas zu klein

Davon, noch eine Kirche anzubauen, wie es anfangs diskutiert wurde, spricht heute erst einmal keiner mehr, auch wenn die Zahl der Kirchenmitglieder durch den großen Zuzug nach Brieselang bei etwa 1400 liegt. „An Feiertagen oder auch bei Festen ist die Kirche wirklich ein bisschen zu klein. Aber ansonsten geht es gerade so“, sagt Pfarrer Delbrück.

Um das Kirchenjubiläum gebührend zu feiern, soll es nach Möglichkeit nicht bei der Andacht am Montag bleiben. „Wenn Corona es zulässt, dann wollen wir am Wochenende 19./20. Juni dieses Jahres ein Gemeindefest feiern, unter anderem mit einem Festgottesdienst. Ich hoffe, dass es möglich sein wird“, sagt Rudolf Delbrück.

Von Andreas Kaatz

Märkische Allgemeine Zeitung, 05.03.2021