25.02.2020  –  Märkische Oderzeitung

Endspurt in der Nassenheider Kirche

Facksimpelei: Denkmalpfleger Marek Fiedorowicz, Heinz Lahs vom Gemeindekirchenrat und Pfarrer Peter Krause (von links) freuen sich, wie hell und offen der Kircheninnenraum geworden ist. Er bietet Platz für rund 150 bis 200 Gäste.© Foto: Volkmar Ernst
Freier Durchblick in Richtung der Winterkirche: Er soll auch künftig erhalten bleiben und die Abtrennung nur durch Glaselemente erfolgen.
Blick auf und durch die restaurierten Fenster der Kirche.
ORA-20200226-Nassenheide-3-veb Nassenheide, Sanierung der Kirche, Fotos: Volkmar Ernst, ORA-20200226-Nassenheide-3-veb
Malermeister Carsten Leiste zeigt die unter den Farbschichten auf den Kirchenbänken freigelegten Malereien.© Foto: Volkmar Ernst

Volkmar Ernst/ 25.02.2020, 16:23 Uhr – Aktualisiert 25.02.2020, 17:04Nassenheide (MOZ) Nach gut drei Jahren steht die Sanierung des Gotteshauses vor dem Abschluss. Am 10. Mai soll der Bau mit einem Festgottesdienst wieder eingeweiht werden. Sogar Buster Keaton wird kommen.

Dass Buster Keaton persönlich kommt, ist eher unwahrscheinlich. Schließlich ist der Schauspieler bereits 1966 gestorben. Doch als Stummfilmlegende wird er am 10. Mai um 15 Uhr in der frisch sanierten Kirche in dem Filmklassiker „Sherlock, Jr.“ zu erleben sein. Eigentlich eine tolle Sache, wäre da nicht die helle Farbe im Kircheninnenraum, deren Leuchtkraft durch die neuen Glasfenster noch unterstützt wird. „Das wird eine Herausforderung, die Kirche für die Filmvorführung zu verdunkeln. Aber das packen wir schon“, sagt Pfarrer Peter Krause. Er blickt optimistisch in die Zukunft. Schließlich waren bei der Sanierung des Gotteshauses so einige Hürden zu meistern beziehungsweise Schrecken zu überwinden: Erinnert sei nur an das verlassene Ameisennest im Dachstuhl, dessen Gebälk die Insekten arg zugesetzt hatten, oder die Knochenfunde unter dem Fußboden der Winterkirche, durch die ein Polizeieinsatz ausgelöst worden war. Doch das ist nun alles vergessen, da nun der Endspurt der Bauarbeiten begonnen hat.

Noch ist viel zu tun

Vor allem Malermeister Carsten Leiste und seine Kollegen haben noch jede Menge zu tun, um die Wände, Türen und das Gestühl zu streichen. Die Wände erhalten einen hellen Anstrich, auch das Grau der Bänke bleibt erhalten. Ob einige Bereiche der Lehnen oder Seitenwände, unter denen alte Malereien entdeckt worden waren, nur lackiert werden, muss mit der Kirchengemeinde und dem Amt für Denkmalschutz noch abgesprochen werden. Möglich wäre es. Die grüne Farbe der Türen wird übrigens durch einen Braunton ersetzt, wie er bereits an den Rahmen der sich über den Türen befindenden Fenster zu erkennen ist.

Doch auch Elektriker, Putzer, Fensterbauer und Fußbodenleger müssen noch Hand anlegen, da unter der Orgelempore gleich noch die Winterkirche eingebaut wird. Das Mauerwerk steht bereits, ab Höhe der Bankreihen sollen Glasflächen als Raumteiler verwendet werden, um den „offenen Gesamteindruck“ des Kircheninnenraums erlebbar zu erhalten. „Der Einbau der Winterkirche war in den Sanierungsarbeiten zwar zuerst nicht enthalten. Doch die Gemeinde hat sich dazu entschlossen, weil einerseits die Kosten minimiert, vor allem aber in absehbarer Zeit nicht wieder in der Kirche gebaut werden sollte“, erklärt Pfarrer Krause die Arbeiten.

Rund 500 000 Euro wird die Sanierung der Nassenheider Kirche inklusive Einbau der Winterkirche gekostet haben. Dafür erstrahlt das Gotteshaus sowohl außen als auch innen in neuem Glanz. Das Dach wurde komplett erneuert, die Fassade ausgebessert und mit neuer Farbe versehen. Die Bleiverglasung der Fenster musste ausgebessert und fehlende Teile ergänzt werden. Ein Gitter schützt die zerbrechlichen Glasgebilde. Der Kircheninnenraum wird komplett saniert. Decke und Wände erhielten neuen Putz und neue Farbe. Das umlaufende Gesims, das Wand und Decke voneinander trennt, ist übrigens nur aufgemalt. Doch hat Restaurator Jochen Hochsieder da so gute Arbeit geleistet, dass die Malerei wie eine plastische Form wirkt.

Ein Ort für Konzerte

Das Besondere in der Nassenheide Kirche ist, dass das Gestühl so angeordnet ist, dass vor dem Altar eine offenen Fläche entsteht. Sie bietet genügend Platz für Musiker und Instrumente oder einen Chor. Deshalb soll die Kirche künftig auch noch öfter für Konzerte genutzt werden. Eröffnen wird den Veranstaltungsreigen die Musikwerkstatt Eden am Sonntag, 17. Mai, um 16 Uhr mit einem Konzert unter dem Titel „Eden goes Hollywood“.

HISTORIE DER KIRCHE

Die Dorfkirche wurde 1589 erbaut. Damals trug der Ort noch den Namen „Nateheide“.

Der heutige Backsteinbau stammt aus dem Jahr  1749.

Bei einem Großbrand 1772 wurde ein Teil des Dorfes und der Kirchturm ein Raub der Flammen.

Der Turm wurde im Jahr 1776 mit einer Höhe von 25,8 Metern wieder aufgebaut. ⇥veb

Märkische Oderzeitung, 25.02.2020
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