13.07.2020  –  Märkische Oderzeitung

Evangelische Kirche verliert im Barnim Mitglieder

2019 gab es im Evangelischen Kirchenkreis Barnim genau 17 556 Gemeindemitglieder. Das sind 1,74 Prozent weniger als noch im Vorjahr. Die Bernauer St. Marien Kirche wurde 1519 erbaut und gehört zu den bedeutendsten Gebäuden der Hussitenstadt. In Folge der Corona-Lockerungen finden auch wieder regelmäßig Gottesdienste statt. © Foto: Sergej Scheibe/MOZ

Christian Heinig / 13.07.2020, 17:33 Uhr Bernau (MOZ) Es hat schon Tradition, dass die beiden großen Kirchen in Brandenburg immer zur Jahreshälfte Einblicke in ihre aktuelle Mitgliederentwicklung geben. Das Ergebnis kam dabei nicht überraschend: Beide haben im vergangenen Jahr Mitglieder eingebüßt. Im Barnim sieht es ähnlich aus. Allerdings nur, was die evangelische Kirche angeht.

Im Jahr 2019 gab es im Kirchenkreis Barnim genau 17 556 Gemeindemitglieder. Das sind 1,74 Prozent weniger als noch im Vorjahr. Im Fünf-Jahres-Vergleich hat die evangelische Kirche im Barnim insgesamt sogar fast neun Prozent „verloren“. 2014 lag die Mitgliederzahl noch bei 19 229.

Anders ist die Situation bei der katholischen Kirche. Hier sind die Zahlen, was den Barnim angeht, nicht nur stabil. Sie sind in den vergangenen Jahren sogar gestiegen, wenn auch nur leicht. 2014 lag die Mitgliederzahl in der Pfarrgemeinde Herz Jesu, zu der die Kirchen Herz Jesu (Bernau), St. Konrad (Wandlitz), St. Marien (Biesenthal) und St. Joseph (Werneuchen) gehören, noch bei 2359. 2017 waren es dann schon über 200 mehr (2587). Und dieser Trend setzte sich auch in den vergangenen Jahren weiter fort: mit 2647 Mitgliedern im Jahr 2018 und 2694 im Jahr 2019.

Die Frage ist: Wie erklären sich die unterschiedlichen Zahlen der beiden großen  Kirchen? Und gibt es Besonderheiten, was die Entwicklung im Barnim angeht?

Tino Kotte vom Leitungsbüro des Evangelischen Kirchenkreises Barnim betont, der Mitgliederschwund sei überwiegend demografisch begründet. „Es sterben mehr Gemeindeglieder als getauft werden“, so Kotte. Hinzu würden Austritte kommen.

Allerdings gibt es auch bei der Evangelischen Kirche im Barnim durchaus positive Tendenzen. Das gelte etwa für die Pfarrsprengel Bernau, Schönow und Zepernick. Hier sei eine erfreuliche Anzahl von Taufen und Konfirmationen zu verzeichnen, vor allem durch Zuzug. Dadurch bleiben die Gemeinden annähernd gleich groß.

Kaum Veränderungen hat es auch an anderen Orten gegeben, zum Beispiel in der Kirchengemeinde Beiersdorf. 2014 gab es 60 Protestanten, aktuell sind es 61. Auch Wandlitz sticht positiv heraus. Hier ist die Zahl der Gemeindemitglieder zwischen 2014 und 2019 nur minimal zurückgegangen – von 602 auf 598. Andere Gemeinden im Evangelischen Kirchenkreis Barnim hätten dagegen einen stärkeren Schwund erlebt. Dazu zählen unter anderem Eberswalde (von 2502 auf 2414) und Werneuchen-Seefeld (141 auf 117).

Viele Gründe für stabile Zahlen

Und bei den Katholiken? Wie erklären sich die stabilen Mitgliederzahlen? Einen genauen Grund kann Diakon Peter Dudyka nicht nennen. Die Zuzügler sind ein Thema. Außerdem gäbe es eine positive Wahrnehmung der Kirche vor Ort, sagt Dudyka. Etwa durch das Engagement in der Ehrenamtsagentur oder die Ansprechbarkeit auch am Wochenende.

Verluste in Brandenburg und Deutschland

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hat 2019 insgesamt 339 320 Mitglieder gehabt. Das sind rund 2,3 Prozent weniger als im Vorjahr.

Bei den Katholiken ging die Zahl der Mitglieder im gesamten Erzbistum Berlin, zu dem auch Brandenburg gehört, um gut zwei Prozent zurück – auf 400 277 Mitglieder.

Deutschlandweit betrachtet ist die Tendenz ähnlich. Ende 2019 lebten hierzulande nur noch 20,7 Millionen Protestanten – 400 000 weniger als zuvor. Der Rückgang bei den Katholiken war fast gleich hoch: von 23,0 Millionen im Jahr 2018 auf 22,6 Millionen in 2019.

Märkische Oderzeitung, 13.07.2020
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