22.07.2019  –  Märkische Oderzeitung

Gebete und Wanderungen anlässlich zehn Jahren „Freier Heide“

Von Dorf Zechlin führte die Wanderung auf der alten Gadower Straße bis nach Wallitz. Auf dem Weg wurden mehrere Mahnsäulen besucht und ein Picknick gemacht.© Foto: Jürgen Rammelt
Johanna Köster hielt in der Kirche in Dorf Zechlin die Andacht.© Foto: Juergen Rammelt

Mit einer Andacht und einer Wanderung zur Grenze des ehemaligen Schießplatzes der Roten Armee wurde am Sonntag an die Geschichte der Protestbewegung für eine Freie Heide gedacht. Dazu hatten sich am Nachmittag mehr als 20 Männer und Frauen aus der Region, aber auch einige Urlauber, in der Kirche von Dorf Zechlin versammelt.

Andacht zu Beginn

Die Andacht wurde von Johanna Köster vom evangelischen Kirchenkreis Wittstock-Ruppin gestaltet. Ausgehend von der christlichen Jahreslosung  „Suche den Frieden und jage ihm nach“ (Psalm 34) schlug Köster den Bogen von den Protestwanderungen für eine Freie Heide bis in die heutige Zeit, in denen erneut mit Hilfe deutscher Waffen in der Welt Kriege geführt würden und Panzer der Nato an den Grenzen der Sowjetunion aufmarschiert seien.

„Truppenübungsplätze sind dazu da, um das Töten zu üben“, erklärte Köster. Und sie erinnerte daran, dass mit der Entscheidung der Bundeswehr, den Truppenübungsplatz in der Ruppin-Kyritzer Heide nicht mehr militärisch zu nutzen, die Lasten, die die Bewohner der Region durch den Übungsbetrieb der Roten Armee erleiden mussten, nur auf andere Plätze umverteilt wurde.

Gegen militärische Nutzung

Trotzdem war der Kampf und die Auseinandersetzung gegen eine weitere militärische Nutzung der Heide, dort einen Luft-Boden-Schießplatz einzurichten, ein Erfolg. Noch heute erinnern Mahnsäulen und Schilder an die Protestmärsche, die von 1992 bis 2010 fast von jedem Ort der Region zur Grenze des Schießplatzes führten. Der 9. Juli 2009, an dem das Verteidigungsministerium den Verzicht auf den Platz verkündete, sei daher ein denkwürdiges Datum.

Und als Johanna Köster die Anwesenden fragte, wer denn damals dabei war, als am 13. September 1992 die erste Protestwanderung von der Kirche in Dorf Zechlin zur Grenze des Bombodroms führte, meldete sich die überwiegende Mehrheit der anwesenden Männer und Frauen. Nach dem Gesang eines Taizé-Liedes und dem „Vaterunser“ ging es dann auf der alten Gadower Straße zur einstmals aufgestellten Mahnsäule.

Erinnerung an Protestbewegung

Zu den Organisatoren der Wanderung gehörte auch Ulrike Laubenthal vom Verein „Friedensscheune“ in Zempow, der sich speziell um die Erinnerung an die Protestbewegung kümmert. Der Verein hat gemeinsam mit dem Kirchenkreis eine Ausstellung gestaltet, die gegenwärtig in der   St. Marien Kirche in Wittstock gezeigt wird. Auch Doris Steddin, deren inzwischen verstorbener Mann  einst dafür sorgte, dass ein Gedenkstein auf dem Weg zum ehemaligen Schießplatz aufgestellt wurde, ließ es sich nicht nehmen, an der Wanderung teilzunehmen.

Wanderung zur Mahnsäule

Nach etwa 5,5 Kilometern an der Mahnsäule angekommen, wurde eine Picknickpause eingelegt. Von da aus, vorbei an einer weiteren Mahnsäule, ging es durch den Wald in Richtung Wallitz. Nach der Besichtigung der dortigen Kirche wartete ein Shuttle, der die Wanderer zurück nach Dorf Zechlin brachte.

WEITERE WANDERUNGEN

Auch an den folgenden Sonntagen finden Friedensgebete und Wanderungen statt, die jeweils um 14 Uhr in den Kirchen beginnen: Am 28. Juli in Zempow, am 4. August in Dranse, am 11. August in Schweinrich, am  18. August in Fretzdorf sowie am 25. August in Pfalzheim.

Der Truppenübungsplatz Wittstock in der Kyritz-Ruppiner Heide wurde von 1952 bis 1993 durch die Sowjetischen Streitkräfte genutzt und später an die Bundeswehr übergeben. 2009 wurden die Pläne verworfen, den Truppenübungsplatz als Luft-Boden-Schießplatz zu nutzen. ⇥jr

Märkische Oderzeitung, 22.07.2019
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