15.05.2020  –  Märkische Oderzeitung

Hohennauen – Öffnung ohne Fest, Gottesdienste und Führungen aber möglich

Monika Pickenhahn (li.) und Pfarrerin Dorothea Klimmt in der restaurierten und sanierten Kirche in Hohennauen: An diesem Sonntag sollte die Wiedereröffnung gefeiert werden. Das Fest ist auf Frühjahr 2021 verschoben, die Kirche dennoch wieder geöffnet. Gottesdienste gibt es dort wieder ab 31. Mai. © Foto: Manuela Bohm

Kirche Hohennauen: Die Schuke-Orgel ist nun komplettiert und aufgebaut nach Originalunterlagen aus dem Jahr 1906, sie befindet sich in einem der ältesten Orgelgehäuse des Landes Brandenburg.© Foto: Manuela Bohm

Manuela Bohm / 15.05.2020, 07:15 Uhr Hohennauen (NMOZ) Mit einem Fest sollte die Fertigstellung der Sanierungsarbeiten an der Hohennenauner Kirche an diesem Wochenende gefeiert werden. Nun wird das Gotteshaus vorerst ohne Fest in Betrieb gehen – wegen Corona.

„Es war bereits alles geplant, ein großer Festgottesdienst. Christian Stäblein, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, sollte die Festpredigt halten“, so Monika Pickenhahn, Vorsitzende der Fördervereins, der sich für die umfassende Sanierung der Patronatskirche stark machte. Anschließend sollte auf dem Dorfanger gefeiert werden. Nun wird das Fest erst im kommenden Jahr stattfinden.

Das Haus selbst ist aber für seine Gäste geöffnet. Gottesdienste können wieder stattfinden. „Am 31. Mai, Pfingstsonntag, um 10.15 Uhr findet der erste Gottesdienst statt“, freut sich Pfarrerin Dorothea Klimmt. 50 Menschen dürfen nach gültiger Corona-Eindämmungsverordnung in der Kirche am Gottesdienst teilnehmen. Handdesinfektionsmittel steht dann bereit, Mund-Nase-Bedeckungen müssen getragen werden.

Trotz der Abstandsregel werdendie zugelassenen 50 Personen sicher ausreichend Platz haben – hält die Kirche doch sonst 220 Sitzplätze bereit. Diese befinden sich größtenteils in der historischen Bestuhlung im Kirchenschiff. Die Bänke wurden aufwendig aufgearbeitet und in der Höhe angepasst. Von dort haben die Besucher des Gotteshauses einen guten Blick zu Altar und Kanzel.

Restauratoren haben diese Zeitzeugen aus der Zeit um 1600 vorsichtig gereinigt und sachkundig restauriert. Auch die Epitaphe erscheinen wieder schmuckvoll. Sie sind selten in evangelischen Kirchen, und sicher ist es dem Engagement der Patronatsfamilien von der Hagen zu verdanken, dass sie über die fast 300 Jahre nicht entfernt wurden.

Im Jahr 1726 wurde das heute noch bestehende Kirchengebäude eingeweiht. Aus dieser Zeit stammt auch der Taufstein – nur dieser muss noch restauriert werden. In neuen Glanz, nach historischen Vorbild, ist der gesamte Innenraum des Hauses gemalert und restauriert worden. Logen, Patronatssitze, die Orgelempore und die Orgel selbst wurden überarbeitet. „Die Farbgebung im Cremeton wurde nach einer Vorlage aus dem Jahre 1910 gestaltet. Eine Fotografie auf einer silberbedampften Glasplatte zeigte Farben und Formen an“, berichtet Pickenhahn.

Das Gehäuse der Schuke-Orgel besteht mindestens seit 1760. Auf der damaligen Orgel spielte anlässlich einer Taufe innerhalb der Patronatsfamilie sogar eine Prinzessin. Luise Henriette Wilhelmine begleitete dabei Preußenkönig Friedrich den Großen, der auf der Flöte spielte. Er war Pate des Täuflings. Die Orgel selbst wurde von Enkel ihres Erbauers, Alexander Schuke, in den Originalzustand von 1906 gebracht.

Alle Besonderheiten und Schmuckstücke der Hohennauener Kirche können sich Besucher bei Führungen erklären lassen, die per Anmeldung unter 033872/70223 vereinbart werden können.

Märkische Oderzeitung, 15.05.2020
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