25.05.2020  –  Märkische Oderzeitung

Katerbow wird 660 Jahre alt

Starker Beginn: Das Wir-Fest am 29. Februar war mit vielen Besuchern ein gelungener Auftakt für die Feierlichkeiten zum 660. Geburtstag des Dorfes. Am 5. September soll die große Fete in Katerbow steigen. © Foto: Jürgen Rammelt

Ulrike Gawande / 25.05.2020, 18:15 Uhr Katerbow (MOZ) Der Startschuss zum 660. Geburtstag von Katerbow war mit dem ersten Wir-Fest in der Gemeinde Temnitzquell ein Treffer. Viele Menschen kamen am 29. Februar in die Kirche von Katerbow und verlebten einen gelungenen Tag. Doch dann kamen die Corona-Einschränkungen. Und die Vorbereitungen für das große Fest, das für den 5. September noch immer im Veranstaltungsplan von Temnitz zu finden ist, gerieten ins Stocken.

Entscheidung im Juni

„Noch ist das Fest nicht abgesagt“, berichtet Marianne Kramer. Eine endgültige Entscheidung soll im Juni im Anschluss an die Sitzung der Gemeindevertreter fallen. Die Gemeinde unterstütz die Veranstaltung mit 500 Euro. „Wir sind ein Dorf, das jedes Jahr ein Fest feiert. Den 660. Geburtstag wollten wir besonders groß begehen. Aber Corona hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.“ Im Oktober fand das erste Treffen des Organisationsteams – der sogenannten Kulturgruppe – statt, im Februar das letzte. Zu diesem gehören Vertreter aller Katerbower Vereine wie die Angler, die Frauengruppe, die Feuerwehr, der Jugendclub, die Jagdpächter, aber auch Vertreter der Kirche und der Gemeinde sowie viele interessierte Bürger sind mit dabei. Insgesamt kommen dabei 17 Leute zusammen. Bei gerade einmal 250 Einwohnern eine stolze Zahl.

„Das Dorf hält sehr gut zusammen“, ist Marianne Kramer stolz. „Wir sind ein Dorf. Wir haben einen See, Wald und Felder. Wir sind mitten in der Natur und können Spazierengehen“, gerät sie über ihren Wohnort ins Schwärmen. „Die Leute halten zusammen. Sie sind miteinander groß geworden.“ Doch auch Zugezogene werden schnell integriert, betont Marianne Kramer. „Wir sind alle Katerbower und das ist das Schöne.“

Und so steuert auch jeder Verein etwas zu dem Fest dazu. „Und jede Gruppe übernimmt eine Aufgabe. Beim Aufbau, der Durchführung und beim Abbau kommen auch alle anderen.“ Die Einnahmen kommen dann wiederum dem Dorf zugute, indem neue Tische oder Bänke gekauft werden. „Das stärkt den Zusammenhalt.“ Umso mehr bedauert Marianne Kramer, dass derzeit die Vorbereitungen ruhen. „Wir hatten uns alles so toll vorgestellt. Alles sollte größer ausfallen.“ Erstmals sollte das Fest auch wieder unter ein Motto gestellt werden. Dafür werde aber nun die Zeit nicht mehr ausreichen, wenn im Juni die endgültige Entscheidung über die Veranstaltung fallen wird.

Doch Marianne Kramer sieht, dass die jetzigen Regeln der Eindämmunsgverordnung ein Fest, wie das Dorf es sonst gewohnt war, nicht erlauben werden. „Die Abstandsregeln sind so nicht einzuhalten.“ Auch das Führen der aktuell geforderten Anwesenheitslisten, für eine mögliche Nachverfolgung bei einer Corona-Infektion hält Marianne Kramer nicht für realisierbar. Sie befürchtet zudem, dass die Tanzdarbietungen der Kinder und Jugendlichen entfallen müssen, weil derzeit keine Möglichkeit zum Üben gegeben war.

Gefeiert wird stets hinter der Kirche. Zwei Tage vorher werden die Zelte, die der Frauengruppe gehören, aufgebaut. Finanziert wurden die Zelte sowie Tische und Bänke durch den Kuchenverkauf der Kulturgruppe. Den Startschuss für das Fest, das am Sonnabend stattfindet, ist traditionell der Fackelumzug am Freitagabend. „Es geht zum See, wo bei den Anglern gegrillt wird“, verrät die Frau aus Katerbow. Es gibt aber auch Stockbrot und Fisch.

Abends wird getanzt

Das Fest selbst startet stets um 13 Uhr mit einem Nachmittagsprogramm und vielen Spielen für die kleinen Gäste. Es wird eine Hüpfburg aufgebaut und die Kita Rägelin bietet seit Jahren eine Bastelecke an. Die Kleine Kirche Darsikow hat ebenso einen Stand wie die Ölmühle Katerbow. Für die Erwachsenen gibt es Kuchen oder Wein. „Beim Grillen der Bratwurst, die die Farm Katerbow sponsert, wechseln sich Angelverein und Feuerwehr jedes Jahr ab.“ Und abends wird getanzt. Marianne Kramer betont, dass angesichts der Pandemie die Gesundheit der Gäste und Akteure Vorrang vor dem Vergnügen habe. „Aber ein bisschen Hoffnung habe ich noch“, wird sie ganz leise.

Und so kann sie noch ein wenig von dem gemeinsamen Ausklang bei Bratwurst und Bier am Sonntagmorgen bei der Feuerwehr träumen, wenn alle Spuren des Festes beseitigt wurden. Und wenn in diesem Jahr das Dorffest ausfallen muss, dann ist sich Marianne Kramer sicher: „Wenn alles vorbei ist, dann feiern wir.“

Aus der Geschichte von Katerbow

Um 1220 wird mit der Anlage des Angerdorfes begonnen.

1360 wird Katerbow das erste Mal urkundlich erwähnt.

1766 hat das Dorf 224 Einwohner.

1786 brennt die Kirche von Katerbow nach einem Blitzschlag ab. Ein Jahr später wird eine neue Fachwerkkirche eingeweiht.

1861 erwähnt Theodor Fontane Katerbow in seinem Buch.

1925 wird das Dorf an die elektrische Überlandzentrale angeschlossen.

1946 wird die seit 1926 geschlossene Kirchenruine abgerissen. 1956 wird der Neubau vom Bischof geweiht.

Märkische Oderzeitung, 25.05.2020
Zur Kirche
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