02.08.2020  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Lenzen: Orgelführung per Diashow in der Kirche

Die Organistin Oana Maria Bran lud zu einer virtuellen Orgelführung per Dia- und Videoshow in die Lenzener Kirche ein. Damit die Besucher auf Abstand bleiben und trotzdem die Orgel von Innen sehen können.

Eine Orgelführung in den jetzigen nicht einfachen Zeiten, wo doch mindestens ein gewisser Abstand gewahrt werden muss – geht denn das? Ja, es ging, bis auf die etwas schwierige Akustik in der Lenzener Kirche. 

Was sich Organistin Oana Maria Branausgedacht hatte, um den immerhin mehr als 30 Besuchern die Lenzener Orgel nahezubringen, war verblüffend einfach. Sie brachte den Besuchern die Königin der Instrumente in einer Dia- und Videoshow näher. So hatten die Gäste das Gefühl, mitten im Instrument zu stehen und sich das geheimnisvoll konstruierte Wunderwerk anzusehen.

Dieses hatte der Musikethnologe Curt Sachs 1919 mit den treffenden Worten beschrieben: „Die Orgel ist ein Aerophon (Lufttöner) aus skalenmäßig gestimmten Eintonpfeifen, die durch ein Gebläse gespeist und durch Klaviaturen eingeschaltet werden“. Damit sind auch bereits die Hauptelemente der „Königin der Instrumente“ genannt: Pfeifen, Gebläse und Klaviatur.

In Lenzen sind die Tasten der Orgel abgerundet

Zu allen diesen drei Komponenten wusste die Kirchenmusikerin Interessantes zu erzählen. Etwa, dass die Tasten des Lenzener Gerätes abgerundet sind. „Damit kann man sehr schnelle Stücke spielen, was bei scharfkantigen Tasten nicht möglich wäre“. Und das Gebläse wird durch vier Bälge angetrieben, was in früheren Zeiten ein Balgentreter erledigt hat, der mit einer speziellen Glocke zum Treten aufgefordert wurde. 

Längst wird die Lenzener Orgel durch einen Motor „gespeist“, der mittels einer besonderen Konstruktion alle vier Bälge antreibt.

Ein umfangreiches Thema sind die Orgelpfeifen, von denen allgemein bekannt ist, dass sie verschiedene Längen haben. „Je länger, desto tiefer ist der Ton“, erzählte Oana Maria Bran dazu. Es gibt Orgelpfeifen aus Metall und aus Holz, es gibt runde und viereckige Stücke – letztere deswegen, „weil es nicht möglich ist, hölzerne Orgelpfeifen zu drechseln“. 

Unterschiedliches Material, unterschiedlicher Klang

Die metallenen Stücke unterscheiden sich zudem noch in der Farbe, „was damit etwas zu tun hat, dass ältere Stücke der Oxidation unterliegen und sich damit dunkel färben“. Und dann gibt es auch noch gehämmerte Exemplare, „die sehen aus, als wenn sie Kratzer hätten, aber das rührt von ihrer Herstellung her“. Und was ist eine gedackte Pfeife? Ganz einfach, das ist eine Röhre, die oben eine Art Deckel aus Leder besitzt. „Und damit wird der Klang etwas gedämpft.“

Quintadena ist die älteste Orgelflöte in Lenzen

Zu den verschiedenen Klangfarben gab es Beispiele, zu denen die Organistin die verschiedenen Pfeifen zum Tönen brachte. Nicht nur das Glöckchen für den Balgentreter war da zu hören, sondern die helle Rohrflöte etwa, das warmtönende Principal oder die silbrig klingende Octav. Ein besonderes Hörerlebnis war die renaissancemäßig klingende Quintadena, „denn das ist die älteste Orgelflöte im Lenzener Instrument“.

Schließlich geht diese auf ein mittelalterliches Instrument, welches von Hans Scherer d. J. 1627/28 umgebaut und durch Arp Schnitger 1708 abgeschlossen wurde, zurück. Erweitert wurde diese durch den Orgelbauer Gottlieb Scholtze.

Und zu guter Letzt gab es für die Gäste noch ein Ständchen – eine freie Phantasie im norddeutschen Orgelstil, bei der man sich ein bisschen an Bach erinnert fühlte. 

Von Kerstin Beck

Märkische Allgemeine Zeitung, 02.08.2020
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Lenzen: Orgelführung per Diashow in der Kirche 02.08.2020 · Märkische Allgemeine Zeitung