13.05.2020  –  Märkische Oderzeitung

Maria-Magdalenen-Kirche Eberswalde – Archäologische Expertise für Eberswalder Kirche vonnöten

Spuren der Vergangenheit: Pfarrer Hanns-Peter Giering zeigt in der Maria-Magdalenen-Kirche auf die südliche Empore, deren Aufschüttungen vom Löschwasser durchtränkt sind und deswegen mit archäologischer Begleitung abgetragen werden müssen. © Foto: Sven Klamann/MOZ

Sven Klamann / 13.05.2020, 04:00 Uhr Eberswalde (MOZ) Die Bauanlaufberatung liegt hinter Pfarrer Hanns-Peter Giering von der evangelischen Stadtkirchengemeinde. Vertreter von acht der neun durch das Ingenieurbüro  für Baustatik und Sanierungsplanung IBS gebundenen Firmen, alle aus Brandenburg und Berlin, haben sich am Montag im Gotteshaus getroffen, um die zeitlichen Abläufe zu besprechen. Nur der Maler war nicht dabei, er kommt ohnehin erst viel später zum Zuge.

Als Symbol für den Auftakt der Arbeiten waren danach außerhalb die Reihe eine Viertelstunde lang die Glocken geläutet worden. „Wir wollten den Eberswaldern damit Gelegenheit geben, mit uns für einen glücklichen Verlauf der Sanierung zu beten“, sagt der Pfarrer, der froh ist,  dass es in der Maria-Magdalenen-Kirche endlich losgeht. Seit dem Brand vom 2. Dezember ist Eberswaldes größtes und ältestes Gotteshaus für Besucher gesperrt.

Schutz für Bauarbeiter

Zunächst werde in der mit Ruß bedeckten Kirche ein Schwarz-Weiß-Bereich geschaffen, der die mit der Sanierung betrauten Arbeiter davor schützen soll, gesundheitliche Schäden zu riskieren, indem sie die giftigen Dämpfe einatmen, die bei dem Schwelbrand entstanden sind.

„Die Schleuse ist dafür gedacht, sich vor und nach dem Betreten der Baustelle umzuziehen“, betont der Pfarrer. Bevor dann vor Pfingsten die Gerüste aufgestellt werden können, muss erst das Gestühl in einem Seitenschiff zwischengelagert werden. Es sei damit zu rechnen, dass allein der Einbau der Gerüste bis zu sechs Wochen dauern könne, teilt Hanns-Peter Giering mit.

Für die eigentliche Grundreinigung des Gotteshauses sind etwa drei Monate veranschlagt. Den riesigen Auftrag teilen sich mehrere Firmen, die auf unterschiedliche Techniken spezialisiert sind. Es gibt Bereiche, auf die eine besondere Latexlösung aufgetragen wird, die den Ruß bindet und sich dann wieder abziehen lässt. Anderswo kommen Industriestaubsauger zum Einsatz. Und durch die für Menschen zu schmalen Heizungskanäle, die unterirdisch kreuz und quer  durch die Kirche verlaufen, um erhitzte Luft zu transportieren, kriechen Saugroboter.

Die zahlreichen Kunstschätze im Gotteshaus werden von Restauratoren gesäubert. Die Farbschichten auf dem Altar von 1606 sind noch relativ stabil, was das vorsichtige Entfernen des Rußes erleichtert. Anders sieht es zum Beispiel bei den Andachtsfiguren vom Heiligen Martin und von Christus aus, die schon jetzt Schäden an der Oberflächenstruktur aufweisen. Die 1736 Pfeifen der Ernst-Marx-Orgel waren bereits Ende April abgebaut worden. Sie werden seither in der Eberswalder Orgelwerkstatt aufbereitet, die sich überdies der kleinen Fahlberg-Orgel angenommen hat, die sonst im Altarraum steht und ebenfalls abtransportiert wurde.

Löschwasser tief eingedrungen

Sogar archäologische Expertise wird in der Maria-Magdalenen-Kirche benötigt. Und zwar, wenn es darum geht die Aufschüttungen auf der südlichen Empore abzutragen, die zum Teil meterdick sind. Das Löschwasser hat die Schichten so tief durchdrungen, dass sie nicht abtrocknen könnten, wenn sie an Ort und Stelle verbleiben würden. „Es ist möglich, dass das dort verbaute Material aus dem 14. Jahrhundert stammt“, betont der Pfarrer.

Allein die eigentliche Brandsanierung wird etwa 1,2 Millionen Euro kosten. Das Geld dafür ist dank der Versicherung da. Die Stadtkirchengemeinde hofft, darüber hinaus unter anderem die Elektro- und Lichtanlage sowie die Heizung erneuern zu können. Die genauen Kosten dafür werden bis Ende Mai ermittelt. Alles in allem könnte die Wiederherstellung der Kirche zwei Jahre dauern. Eine teilweise Öffnung vorher wird angestrebt.

Spenden weiterhin willkommen

Zutiefst dankbar ist die evangelische Stadtkirchengemeinde allen, die bisher nach dem Brand vom 2. Dezember für die Wiederherstellung des Gotteshauses gespendet haben. Auf finanzielle Unterstützung wird weiter gehofft. Denn jeder gespendete Euro trägt dazu bei, dringend notwendige Arbeiten erledigen zu lassen, die über die eigentliche Brandsanierung hinausgehen. Deswegen bittet die evangelische Stadtkirchengemeinde weiterhin um Spenden auf das Konto des Kirchlichen Verwaltungsamtes Eberswalde. Die IBAN lautet DE75 1009 0000 3594 1100 04. Wichtig ist es, als Verwendungszweck „Spende Bau Maria-Magdalenen-Kirche“ anzugeben.

Märkische Oderzeitung, 13.05.2020
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