09.09.2019  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Neue Balkenköpfe für den Kirchen-Dachstuhl in Wagenitz

Der zweite Bauabschnitt zur Sanierung der Wagenitzer Kirche hat vor Kurzem begonnen. Eigentlich war die Renovierung des Innenraums geplant, doch nun muss erst einmal das Tragwerk im Dachbereich saniert werden.

Gut voran gehen die Sanierungsarbeiten an der Wagenitzer Kirche. Wann der dritte Bauabschnitt begonnen werden kann, steht aber noch nicht fest.

An der Wagenitzer Kirche hat sich eine Menge getan. Davon zeugt nicht zuletzt die einheitliche Fassadenfarbe des Gotteshauses. Der einstmals gelbe Turm besitzt jetzt den gleichen hellen Ton wie das Kirchenschiff, das früher grau war. Aber die Sanierungsarbeiten am und im Gotteshaus sind damit noch lange nicht beendet.

Vor Kurzem begann der zweite Bauabschnitt – jedoch anders, als es sich die Kirchengemeinde gedacht hat. Ursprünglich war geplant, den Innenraum in Angriff zu nehmen, wo viel zu tun ist. „Doch während des ersten Bauabschnittes wurde festgestellt, dass wir etwas am Tragwerk machen müssen. Die Arbeiten im Innenraum müssen deshalb zurückgestellt werden“, sagt Andreas Flender, ehrenamtlicher Baubeauftragter der Evangelischen Kirchengemeinde Havelländisches Luch.

Die Deckenbalken werden repariert. Quelle: Andreas Kaatz

Arbeiten am Tragwerk

Jetzt sind Mitarbeiter der Firma Trockenbau und Zimmerei Tietze aus Bad Belzig unter dem Kirchendach tätig. In Abstimmung mit Bauingenieur Ingo Dreger arbeiten sie Schritt für Schritt das entsprechende Gutachten ab. „Wir ertüchtigen jetzt das Tragwerk, damit der Dachstuhl wieder so funktioniert, wie es im 18. Jahrhundert gedacht war“, sagt Dreger.

Dazu werden nun die Köpfe der Deckenbalken repariert, die durch eindringende Feuchtigkeit im Bereich der Traufen geschädigt worden sind. „Die Balken werden zurückgeschnitten und anschließend werden intakte Hölzer eingesetzt“, sagt der Ingenieur. Wie früher kommt märkische Kiefer zum Einsatz – zehn Kubikmeter.

Damit die Decke nicht reißt

Allerdings werden nicht alle Schäden beseitigt werden können. „Wir werden den Dachstuhl aber gestärkt hinterlassen“, sagt der Experte. Damit soll die Gefahr gebannt werden, dass wegen Verformungen des Tragwerks irgendwann die Decke des rund 300 Jahre alten Gebäudes reißen könnte.

Rund 200 000 Euro sind für den zweiten Bauabschnitt eingeplant. „Einen Großteil davon finanzieren wir über das Leader-Förderprogramm. Die Differenz wird jeweils zur Hälfte von der Kirchengemeinde und über Spenden aufgebracht. Der Förderverein in Wagenitz ist sehr aktiv“, sagt Andreas Flender.

Durchbruch im Turm

Im Zuge des laufenden Bauabschnitts soll aber auch noch der Durchbruch im Turm als Voraussetzung für den barrierefreien Zugang realisiert werden. Ist doch geplant, dass man die Kirche künftig auch über den Turm betreten kann. Des Weiteren soll die Winterkirche renoviert werden; und es ist geplant, vier alte Fenster im Kirchenschiff auszutauschen. Noch in diesem Jahr sollen die Arbeiten beendet sein.

Fest eingeplant sind auch Arbeiten am Glockenstuhl, die jedoch ausschließlich über Spenden finanziert werden. Mehrere Dorfbewohner haben dafür Geld zur Verfügung gestellt. „Für uns war es überraschend, dass die Glocke nicht richtig aufgehängt ist“, sagt der Baubeauftragte. Diese ist nämlich an einem Stahlträger befestigt. „Das hat erhebliche Auswirkungen auf den Klang, die Glocke schwingt dann ganz anders“, sagt Andreas Flender.

Läutewerk wird installiert

Künftig soll sie an einem Holzjoch hängen. In dem Zuge ist außerdem geplant, ein elektrisches Läutewerk zu installieren. Denn bisher lässt sich die Glocke, die zu Beerdigungen und Gottesdiensten erklingt, nur sehr schwer von Hand läuten.

Die drei Schallluken im Turm wurden bereits im Rahmen der Hüllensanierung im ersten Bauabschnitt erneuert. Damals erfolgte auch die Abdichtung des Sockels. Im Bereich des Kirchenschiffes stießen die Bauleute dabei sogar auf Gräber, die unter der Mauer liegen. Denn das Gebäude war einst auf dem Friedhof errichtet worden.

Wände werden gestrichen

Im 3. Bauabschnitt soll dann später der Innenraum renoviert werden. So müssen die Wände und das Gestühl gestrichen und der Fußboden repariert werden. Zudem will man im Kirchenschiff erstmals eine Beleuchtung installieren. Aber damit nicht genug: „Wir wollen auch etwas an der Friedhofsmauer machen. Außerdem muss der Gewölberaum im Keller restauriert werden“, sagt Andreas Flender.

Von Andreas Kaatz

Märkische Allgemeine Zeitung, 09.09.2019
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