11.10.2019  –  Lausitzer Rundschau

Orgel in Schlieben steht kurz vor der Fertigstellung

Jede Pfeife muss einzeln gestimmt werden. Orgelbaumeister Axel Thomaß nimmt die Arbeit sehr genau. FOTO: LR / Sylvia Kunze

Das Schliebener Kircheninstrument ist bald vollständig saniert. Alle 29 Register sind dann wieder bespielbar. Zur Wiedereinweihung wird für den 31. Oktober ein erstes Konzert geplant. Von Sylvia Kunze

Mehr als 1500 Orgelpfeifen sind im Zuge des sechsten Bauabschnitts an der Schliebener Orgel, der technischen Restauration von 29 Registern, durch die Hände von Dr. Markus Voigt und Axel Thomaß gegangen. Seit einem Jahr werkeln sich am Schlussspurt der umfassenden Sanierung des großen Schliebener Kirchenintruments.

Insbesondere die ältesten der Pfeifen haben inzwischen 150 Jahre lang ihren Dienst versehen. Der Holzwurm hat sich in den Jahren in ihnen mehr und mehr Platz verschafft. Das ganze Ausmaß wurde erst nach dem Ausbau deutlich. „Einige Holzpfeifen sahen wie Bienenwaben aus“, berichtet Markus Voigt vom schlechten Zustand. „Kein Wunder, dass sie den Ton nicht mehr halten konnten“, meint er mit Blick auf die entstandene Löchrigkeit.

Nur etwa ein Viertel der hölzernen Pfeifen habe man, zum Beispiel indem man sie mit Holzleim ausgegossen habe, retten können, führt Voigt weiter aus. Drei Viertel sind neu. Und haben hoffentlich ein langes Leben.

 Feinjustierung. Dr. Markus Voigt hört dabei sehr genau hin.
Feinjustierung. Dr. Markus Voigt hört dabei sehr genau hin. FOTO: LR / Sylvia Kunze

Der Fachmann ist jedoch skeptisch, dass das wirklich so sein wird. Der massive Holzwurmbefall habe seine Ursachen. Die hölzernen Teile der Orgel, die im Zuge der seit mehreren Jahren andauernden Sanierungbereits erneuert wurden, hätten wohl eine Behandlung gegen den ungeliebten Schädling erhalten. Die Kirche selbst jedoch noch nicht. Ob Gebälk oder Bänke, dort überall sei dem gemeinen Holzwurm noch nicht der Garaus gemacht worden — und er könne sich deshalb weiter ausbreiten. Über kurz oder lang auch wieder im Instrument, macht der Orgelspezialist deutlich, wo weiterer Handlungsbedarf besteht.

 Diese Orgelpfeifen warten noch auf den Einbau.
Diese Orgelpfeifen warten noch auf den Einbau. FOTO: LR / Sylvia Kunze

Zumindest die metallenen Pfeifen müssen den kleinen, fiesen Bösewicht nicht scheuen. Natürlich sind auch sie in ihrer Funktionalität auf Vordermann gebracht und in ihrer Originalität wieder hergestellt worden. Dazu erläutert der Fachmann: Viele Metallpfeifen seien in den Kriegswirren weggekommen, später durch andere ersetzt oder zum Schaffen neuer Klangbilder umgebaut worden. Aber jetzt hat die Schliebener Orgel ihr hochromantisches Klangbild wieder zurückerhalten. Die Arbeiten sind im zeitlich avisierten Rahmen geblieben. Nur ganz zum Schluss gab es noch ein böses Erwachen. Der trockene Sommer hat selbst Spuren in der Schliebener Kirche hinterlassen. Das Holz einer Windlade in der Orgel war so ausgetrocknet, dass es riss und ein Spalt entstand. Auch der ist nun beseitigt. „Ich bin schon sehr gespannt, wie die Orgel in ihrer finalen Form klingen wird“, bekennt Pfarrer Philipp Schuppan.  Eine erste Antwort darauf wird er am 23. Oktober erhalten. An diesem Tag soll der Orgelsachverständige Gerhard Noetzel die Bauabnahme vornehmen.

Die ersten Einladungen für die Öffentlichkeit sind schon ausgesprochen. Die feierliche Wiedereinweihung des Kircheninstruments wird am 27. Oktober vorgenommen. Dafür ist eine musikalische Andacht vorgesehen, die 13.30 Uhr in der Kirche  beginnen soll. Und nur wenige Tage später, am 31. Oktober, folgt ein erstes Konzert für Orgel, Oboe und Violine. Dazu wird dann um 16 Uhr erneut in die Schliebener Kirche eingeladen.

Lausitzer Rundschau, 11.10.2019
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