04.04.2021  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Wallfahrtskirche Buckow verbirgt viele Geheimnisse

Von Wunderbrunnen, Pestnäpfchen und einem Fisch auf dem Dach des Buckower Gotteshauses erzählt der Geschichts- und Bauforscher Henry Kilian aus Garlitz bei seinen Führungen durch die Buckower Wallfahrtskirche

Henry Kilian an der Stelle wo der Wunderbrunnen vemutet wird.

Die Wallfahrtskirche in Buckow bei Nennhausen ist so manche Geheimnisse verborgen. Einer, der diese Geheimnisse der Kirche entlocken will und sein Wissen gern mit anderen teilt, ist Henry Kilian. Der 60-jährige ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger ist Mitglied im Förderverein „Wallfahrtskirche zu Buckow“ und bietet Führungen durch die Buckower Kirche an.

2005 zog es den Ur-Berliner nach Garlitz ins Havelland.„Ich bin mit meiner Familie hierher gezogen, weil wir etwas im Grünen suchten. Dann fassten wir die Entscheidung, wenn ins Grüne, dann gleich richtig in die Natur“, erzählt Henry Kilian.

Für Geschichte interessierte sich Henry Kilian schon immer. „Überall, wo ich lebte, hat mich die Geschichte des Ortes in seinen Bann gezogen. So kam es auch, dass mir in meiner neuen Heimat die Kirche in Buckow ins Auge fiel. Eine so große Kirche für so ein kleines Dorf, fragte ich mich. Die in gotischer Bauart erbaute Kirche zog mich gleich in ihren Bann“, so Henry Kilian.

Geheimnisvolle Wallfahrtskirche in Buckow.

Geheimnisvolle Wallfahrtskirche in Buckow. Quelle: Jürgen Ohlwein

Als im Mai 2009 ein Förderverein gegründet wurde, der die Kirche zu einem Ort der Begegnung kultureller und sakraler Art inmitten des Havellandes machen wollte, habe ich mich dem Verein sofort angeschlossen“, so Henry Kilian weiter.

Für Henry Kilian ist neben der Geschichte auch das Gesamtbauwerk interessant. Als Bau- und Geschichtserforscher, entdeckt er immer mehr bauliche Besonderheiten an der Kirche. Darüber erzählt er auch bei seinen Führungen.

So sind die Löcher an der Nordwand der Kirche, die dort in gleichmäßigen Abständen zu sehen sind, Gerüstlöcher. „Hier waren früher die Gerüsthölzer beim Bau der Kirche befestigt. Der Abstand von zwölf Ziegeln zwischen den Löchern kann einen religiösen Hintergrund haben. Früher war die Zahl zwölf heilig“, erzählt Henry Kilian.

Henry Kilian führt interessierte Besucher durch die Buckower Wallfahrtskirche.

Henry Kilian führt interessierte Besucher durch die Buckower Wallfahrtskirche. Quelle: Jürgen Ohlwein

Die Buckower Kirche selbst wurde um 1470 erbaut und hatte einen Vorgängerbau, dessen Spuren noch deutlich sichtbar sind. Unter dem Boden, des Vorgängerbaues, befindet sich eine Gruft. Diese ist aber leer, wie Henry Kilian herausgefunden hat.

Einer der größten Geheimnisse, die von der Buckower Wallfahrtskirche ausgehen, ist die Annahme, dass sich ein Wunderbrunnen dort befinden soll. Das berichtet zumindest eine Jahrhunderte alte Legende. „Zuerst haben wir den Brunnen mitten in der Kirche vermutet. Eine kreisförmig angeordnete Steinanordnung im Boden der Kirche ließ zuerst darauf schließen. Das hat sich nicht bestätigt. Es könnte sich hier um den Standort eines alten Taufbeckens handeln. Diese standen damals oft mitten im Kirchenschiff“, erzählt Henry Kilian.

Jetzt wird der Wunderbrunnen auf dem Kirchhof vermutet. Dazu wurden Untersuchungen im Auftrag des Fördervereins durchgeführt. Noch steht nicht genau fest, ob es sich um einen historischen oder neuzeitlichen Brunnen handeln könnte. 

Auch eine andere Stelle findet Henry Kilian dafür geeignet. Am nordöstlichen Teil befindet sich eine leichte Bodenerhebung. Ob der Wunderbrunnen vielleicht sogar hier befindet oder ob es sich um eine einfache Erderhebung handelt, wird die Zukunft zeigen.

Ein weiteres Geheimnis ist der Fisch auf der Turmspitze der Kirche. Bekannt ist, dass Buckow früher mal vom Wasser umgeben war. Nennhausen und Garlitz konnte man nur mit dem Boot erreichen. 

„Eine Legende erzählt, dass durch ein Hochwasser alles überflutet wurde. Die Häuser und die Kirche versanken im Wasser. Als das Wasser wieder zurückging, lag ein Fisch auf dem Kirchendach. Seit dem soll ein hölzerner Fisch die Kirchturmspitze zieren“, so Henry Kilian.

Das alte Uhrwerk wird jeden Abend um 17 Uhr von den Buckowern aufgezogen.

Das alte Uhrwerk wird jeden Abend um 17 Uhr von den Buckowern aufgezogen. Quelle: Jürgen Ohlwein

Eine Besonderheit, die Henry Kilian seinen Gästen bei der Führung zeigt, ist das alte Uhrwerk im Aufgang zum Glockenturm. „Dieses alte Uhrwerk muss jeden Abend um 17 Uhr von einem Buckower Bürger aufgezogen werden“, erzählt Henry Kilian. Am Aufgang des Turms befinden sich in den Ziegeln Daumengroße Ausschabungen. „Das ist auch an anderen Kirchen zu finden. Meist allerdings außen an den Kirchen. Kirchen, in denen diese sogenannten Näpfchen innen zu sehen sind wie in Buckow, gibt es nur wenige in Deutschland“, so Henry Kilian.

So gennante Pestnäpfchen in der Buckower Kirche.

So gennante Pestnäpfchen in der Buckower Kirche. Quelle: Jürgen Ohlwein

„Erzählungen sagen, dass zu Pestzeiten die Leute mit den Fingern den Putz aus den Wänden kratzten. Sie glaubten wohl, dass sie mit dem Staub aus den heiligen Kirchenmauern bei einer Pandemie oder bei Krankheitsbefall ihres Viehs Segnung erfahren würden. Deshalb werden sie auch oft Pestnäpfchen genannt.“

Auch der Boden auf dem Kirchhof gibt so manches an Geheimnissen preis. So geht Henry Kilian nie ohne Beutel über den Kirchhof. Ihn hat er auch immer bei seinen Führungen dabei. „Besonders im Frühjahr und Sommer, wenn die Maulwürfe den Boden aufwerfen, findet man hier vieles, was noch aus alten Zeiten stammt. So habe ich schon viele alte Ton- und Glasscherben gefunden“, erzählt uns Henry Kilian und zeigt uns in Plastiktüten gut verstaute Teile, die er auf dem Kirchhof gefunden hat.

Fundstücke die Maulwürfe auf dem Kirchhof der Buckower Kirche ans Tageslicht gebracht haben.

Fundstücke die Maulwürfe auf dem Kirchhof der Buckower Kirche ans Tageslicht gebracht haben. Quelle: Jürgen Ohlwein

Die Führungen von Henry Kilian sind sehr beliebt. Zu den Besuchern gehören Menschen, die sich für kirchliche Geschichte interessieren, genauso wie Architekten, die mehr über den gotischen Baustil der Wallfahrtskirche in Buckow erfahren möchten. Henry Kilian freut sich auf jeden Besucher, den er durch und um die Buckower Kirche führen darf. 

Telefonische Voranmeldung erwünscht. Kontakt unter https://www.wallfahrtskirche-buckow.com/.

Von Jürgen Ohlwein

Märkische Allgemeine Zeitung, 04.04.2021
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