24.04.2020  –  Märkische Oderzeitung

Wie ein Großbrand die St. Marienkirche in Beeskow zerstörte

Ausgebrannt und auferstanden: Der Blick heute von der Kirchgasse auf St. Marien. © Foto: Jörn Tornow
Ruinen 1947/48: Blick von der Brandstraße zur MarienkircheRepro © Foto: Repro

Knut Krüger / 24.04.2020, 20:00 Uhr – Aktualisiert 24.04.2020, 20:27 Beeskow (MOZ) Am Spreeübergang der Handelsstraße Frankfurt-Leipzig entwickelte sich einst rasch ein bedeutender Handelsplatz. Aus einer kleinen Ansiedlung erfolgte Anfang des 13. Jahrhunderts die Gründung einer Stadt, das heutige Beeskow.

Unter Einbeziehung von Vorgängerbauten wurde um 1380 mit dem Bau einer großen Kirche begonnen. Alle 2000 Einwohner der Stadt sollten darin Platz finden. Eine fünfschiffige Hallenkirche aus Backstein nach dem Vorbild der Frankfurter Marienkirche war geplant. Aber nach 30 Jahren überlegte man, ob man nicht doch etwas Eigenes schaffen wollte. So entschloss man sich das fünfte Schiff nicht zu bauen, dafür aber die begonnenen drei Hauptschiffe um die Hälfte zu erhöhen. So entstand eine dreischiffige Hallenkirche mit einseitigem basilikalem Anbau in norddeutscher Backsteingotik.

Aber schon ein Jahr nach der Weihe 1511 verursachten die Stadtbrände 1512 und 1513 erhebliche Schäden, die aber bis 1523 behoben wurden. Im Laufe der Jahrhunderte machten Blitzeinschläge immer wieder umfangreiche Reparaturen erforderlich. Besonders spektakulär waren die zwei am 8. Juni 1700, die, wie Wilhelm Ziethe schrieb, fünf Tote, 30 Verletzte sowie Schäden am Zinnenkranz hinterließen. Jedes Mal nach einem Brand wurde die achteckige Turmpyramide um einige Meter höher gebaut als deren Vorgängerin. 1796 musste ein Pfeilerwegen zunehmender Schieflage komplett ausgewechselt werden.

Das Dach des südlichen Seitenschiffes wurde in ungebrochener Fläche an das Hauptdach angeschlossen. Eine 1818 von Friedrich Marx erbaute, aber nun schon desolate Orgel wurde 1931 durch eine Kinoorgel aus dem Ufa-Filmpalast Berlin ersetzt und hinter den alten Prospekt der Marx Orgel gestellt. In dieser Zeit erfuhr die Kirche eine umfangreiche Renovierung, in deren Folge eine Stromversorgung mit Beleuchtung und eine aufwendige Warmluftheizung installiert wurde. Beim Stemmen der Kabelkanäle für die Beleuchtung in der Sakristei wurden Wandmalereien entdeckt, die zu katholischer Zeit entstanden waren und die drei KirchenväterHieronymus, Gregor I. und Augustinus darstellten. Im Zuge der Reformation (um 1540) waren sie wahrscheinlich übertüncht und erst bei der Renovierung der Kirche von 1933 bis 1935 wiederentdeckt und freigelegt worden.

Stundenlang wüteten die Flammen

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Beeskow am 23. April 1945 evakuiert. Die meisten Familien flohen in Richtung Westen. Viele von ihnen gerieten jedoch in den berüchtigten Kessel von Halbe. Einer der Wenigen, die dem Evakuierungsbefehl nicht folgten, war Glasermeister Musick aus der Brandstraße in Beeskow. Er schildert den Brand der Kirche 1945, den wohl Artilleriebeschuss der Roten Armee verursachte, so:

„Am 25. April (andere Augenzeugen nennen den 24. April) brach in der Kirche Feuer aus. Gegen zehn Uhr vormittags stürzte der Turm ein. Dann sprang das Feuer auf den Boden über und zwar auf der Westseite. Mittags um zwei Uhr war das gesamte Dach in Flammen und um drei Uhr stürzte der ganze Dachstuhl ins Innere der Kirche! Es war schaurig: Erst stürzte das Oberdach und dann der ganze Südteil ins Innere.“

Der Schaden war erheblich: Die Turmpyramide, Geschossdecken im Turm, Glocken, Turmuhr, das Dach über den Hauptschiffen fielen den Flammen zum Opfer. Der Hochaltar (1585), die Kanzel (1635), beide reich mit Schnitzwerk verziert, und eine noch ältere Kreuzigungsgruppe aus vorreformatorischer Zeit, die die Grenze zwischen Chor und Hauptschiff markierte, sowie sämtliche Emporen mit Zunftzeichen und aufwendigen Malereien, ebenso das Gestühl verbrannten gänzlich. Eine Bestandsaufnahme des damaligen Stadtarchitekten Hanns Galke ergab, dass alle Pfeiler und 60 Prozent der Gewölbe nach dem Brand noch erhalten waren. Wegen des fehlenden Daches stellten sich jedoch Folgeschäden ein: An Heiligabend 1947 stürzten vier, am 21. März 1950 weitere drei Pfeiler einschließlich der Arkaden und Gewölbe ein. Damit war der gesamte Chorbereich bis auf einen Pfeiler und zwei Gewölbe zerstört.

Der Wille der Beeskower, ihre Kirche wiederaufzubauen, war jedoch nicht gebrochen. Nach der Wende, 1991, begann an der Westfassade der Wiederaufbau. 2002 erhielt St. Marien wieder eine Turmspitze und damit fast sein ursprüngliches Aussehen.

Märkische Oderzeitung, 24.04.2020
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