19.08.2019  –  Märkische Allgemeine Zeitung

Wie wichtig Feiertage sind: Darum braucht der Mensch den Sonntag

So wichtig sind kirchliche Feiertage für unsere Zeit: Darüber diskutieren in der Dorfkirche Ketzür Erzbischof Heiner Koch und Bischof Markus Dröge. Besonders ein Feiertag ist ihnen heilig.

Erzbischof Heiner Koch und Bischof Markus Drögezu Gast in der Kirche in Ketzür. Quelle: HEIKE SCHULZE

Hochkarätig war die Runde, die sich am Sonntagnachmittag in der Dorfkirche Ketzür eingefunden hat. Erzbischof Heiner Koch und Bischof Markus Dröge haben über das Thema „Unsere kirchlichen Feiertage: Kulturerbe, Folklore – lebensdienlicher Jahresrhythmus“ diskutiert. Superintendent i.R. Wolfgang Barthen aus Berlin-Schöneberg hat moderiert. 

Zu Beginn berichtete er von seiner Kölner „Omma“, die ein Handicap hatte: Sie war evangelisch. „Für sie gab es nur zwei höchste Feiertageim Jahr: Karfreitag und den 11.11. – den Beginn der Karnevalssaison“.

So wichtig sind kirchliche Feiertage für unsere Zeit: Darüber diskutieren in der Dorfkirche Ketzür Erzbischof Heiner Koch und Bischof Markus Dröge. Besonders ein Feiertag ist ihnen heilig. 


Für Heiner Koch haben kirchliche Feiertage eine traditionelle Bedeutung. „Weihnachten ohne oberschlesische Weißwurst, wie das in meinem Elternhaus üblich war, ist für mich unvorstellbar.“ Er vertritt die Meinung, dass Feiertage notwendig sind, weil Menschen einen Rhythmus brauchen. „Es tut der Seele nicht gut, wenn alle Tage gleich sind.“ Unterbrechungen durch Feiertage, dazu zählen auch die Sonntage, seien nötig zum Nachdenken.

Heutzutage sei ein gewisser Zerfall festzustellen, weil nicht mehr gemeinsam gefeiert werde. Dabei seien Kirchenfeiertage doch Gemeinschaftsfeiertage. „In Schweden gehen die Leute sonntags weite Strecken zur Kirche“, hat der Erzbischof bei einem Urlaub dort festgestellt.

Feiertage müssen auch wirklich begangen werden

Einige Punkte liegen Heiner Koch besonders am Herzen: „Erstens: Wir müssen sie feiern, sonst sind die kirchlichen Feiertage wirklich überflüssig.“

Zweitens müsse den Menschen die Bedeutung der Feiertage erklärt werden, weil viele sie gar nicht mehr kennen würden.

Auch der gesetzliche Schutz der Feiertage sei wichtig, damit man sich darauf verlassen könne. „Und die Medien müssen stärker in die Pflicht genommen werden, über Feiertage und ihre Bedeutung zu berichten.“

Die Adventszeit wird gemeinsam erlebt

Der Vater von Markus Dröge war Diplomat und infolgedessen verlebte der Sohn seine Kindheit im Ausland und hat verschiedene Feiertagstraditionen erlebt. Geprägt hat ihn der Umgang seiner Familie mit Feiertagen. „In der Adventszeit haben wir jeden Sonntagabend zusammengesessen bei Kerzenschein, gemeinsam gesungen und Musik gemacht.“ 

Und Weihnachten sei ein Familienfest gewesen, wo auch die Großeltern dabei waren, die er nur einmal im Jahr bei dieser Gelegenheit traf. „Der Sonntag ist ein Urfeiertag“, sagt Dröge. Deshalb habe ihn besonders das Urteil des Bundesverfassungsgerichts 2009 zur Sonntagsruhe gefreut. 

Dem ökonomischen Nutzen sind Grenzen gesetzt

In der Urteilsbegründung heißt es dort: „Der Sonn- und Feiertagsgarantie kann schließlich ein besonderer Bezug zur Menschenwürde beigemessen werden, weil sie dem ökonomischen Nutzendenken eine Grenze zieht und dem Menschen um seiner selbst willen dient.“ 

Besonders wichtig für Dröge ist im Urteil der Verweis auf die Allgemeingültigkeit der Sonntagsruhe, so dass sich Familien, Ehrenamtler, aber auch Sportler darauf verlassen können, dass sonntags alle gemeinsam arbeitsfrei haben. „Deshalb braucht die Gesellschaft diesen Feiertag“, sagt er.

Feiertage seien traditionell gewachsen und müssen als Kulturgut bewahrt werden. „Wir müssen die Inhalte der Feiertage wieder bewusst machen“, regt Dröge an. Ein Berliner Kirchenkreis habe den Eltern eines Kindergartens das Angebot gemacht, dass ihre Kinder freiwillig an einer Christenlehre teilnehmen können. Das Angebot sei gut angenommen worden.

Gottesdienst am Reformationstag

Ein anderes Beispiel: In Kooperation mit Schulen wird am Reformationstag, der in Berlin kein Feiertag ist, im Berliner Dom ein Jugend-Gottesdienst gefeiert. Unter dem Motto „Berliner Schüler erobern den Dom“ kamen etwa 1000 Schüler. Seit Jahren ist dieser Gottesdienst ein voller Erfolg.

Moderator Barthen fasst die Ergebnisse der Diskussion zusammen: „Der Feiertag braucht eine gewisse Form. Er muss einen Inhalt haben und verständlich sein. Und er muss Lust machen, daran teilzunehmen.“

Und Bischof Dröge ergänzt: „Die Menschen in der Mediengesellschaft müssen etwas erleben, das verlockend ist und Freude macht.“

„Wir wollen aber nicht irgendetwas machen, damit wir eine volle Bude haben. Das Fest muss wertvoll sein“, gibt Heiner Koch zu bedenken und erinnert sich an eine Weihnachtsfeier, die er bei Union Berlin erlebt hat. Sie sei sehr berührend gewesen trotz Currywurst und Bier.

Von Ann Brünink

Märkische Allgemeine Zeitung, 19.08.2019
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Wie wichtig Feiertage sind: Darum braucht der Mensch den Sonntag 19.08.2019 · Märkische Allgemeine Zeitung