Dorfkirche Briesen

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Steckbrief
03096 Briesen Spree-Neiße
Backsteinbau des 15. Jh., mittelalterliche Wandmalereien, reich verzierter Barockaltar von 1701 Anmeldungen von Führungen bei Annemarie Hotzkow, Tel. 035606-259
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Dorfkirche Briesen
Dorfkirche des Monats Dezember 2010
Der Innenraum der Briesener Dorfkirche erschließt sich dem erstmaligen Besucher wie ein riesiges Bilderbuch. Nur selten blieben in einem brandenburgischen Kirchengebäude mittelalterliche Wandmalereien derart komplett erhalten. Zu ihrer Entstehungszeit waren die Bilder dazu gedacht, denjenigen, die nicht lesen konnten, die Geschichten der Heiligen Schrift nahezubringen und ihnen geistliche Belehrung zu geben. Dabei darf das Wissen um die dargestellten Szenen auch bei den ungebildeteren Menschen des späten Mittelalters durchaus vorausgesetzt werden. Den Betrachtern der heutigen Zeit erschließen sich diese Bildwelten ungleich schwerer, weil das Wissen um christliche Symbolik und die Kenntnis der Legenden um Märtyrer und Heilige weitgehend in Vergessenheit geraten sind. Bereits 1346 wird Briesen erstmals als Kirchort urkundlich erwähnt. Die architektonische Formensprache des qualitätvollen Backsteinbaus jedoch belegt, ebenso wie dendrologische Untersuchungen am original erhaltenen Dachwerk, dass die heutige Kirche in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstand. Der siebenteilige verzierte Staffelgiebel entstand vermutlich einige Jahre später. 1804 wurde, als Ersatz für einen frei stehenden hölzernen Glockenturm, der mit Schiefer gedeckte westliche Dachreiter aufgesetzt. Einen prächtigen Altaraufsatz mit großartigen Schnitzarbeiten ließ 1701 ñ anlässlich der Krönung des Preußischen Königs Friedrich I. ñ der damalige Patron Hans Kaspar von Klitzing anfertigen. Laut erhaltener Rechnung arbeitete „Bildthauer“ Dreißigmark aus Muskau mit Sohn und Schwiegersohn drei Jahre an dem Retabel und erhielt dafür „120 Taler bar, 4 Scheffel Korn, 1 Schwein, 1 Schaf und sonstige Naturalien“. In der Predella findet sich eine Abendmahlsdarstellung, im Hauptfeld eine Kreuzigungsgruppe sowie im oberen Teil der auferstandene Christus mit der Siegesfahne. Dominiert wird der Raum jedoch von den bereits erwähnten Fresken, die nahezu die gesamten Innenwände des Kirchenbaus bedecken und die laut einer Inschrift vermutlich 1486 im Zuge der Kirchenweihe fertiggestellt wurden. Nach einer späteren Übermalung wurden sie erst 1963 bis 1969 wieder freigelegt. Die in drei übereinander angeordneten Zonen dargestellten und durch graue Bänderungen in einzelne Bildfelder gegliederten Szenen folgen einem klar erkennbaren theologischen Konzept. So beginnt die Passionsgeschichte Christi, die in der mittleren Bildleiste erzählt wird, im Norden mit der Szene am Ölberg und zieht sich über weitere Bilder ñ fast wie ein Kreuzweg ñ zu den Darstellungen von Kreuzigung, Beweinung und Grablegung an der Ostwand sowie schließlich zur Auferstehung und der Himmelfahrt an der südlichen Wand. Im oberen Register sind im wesentlichen Märtyrer und Heilige dargestellt, von denen einige nicht mehr zu identifizieren sind, da die Attribute verloren gingen. Durch zahlreiche Legendensammlungen, die im Gefolge der bereits zu Ende des 13. Jahrhunderts erstmalig in deutscher Übersetzung vorliegenden „Legenda aurea“ damals in großer Zahl kursierten, waren Leben und Wirken der zahllosen Heiligen auch unter Laien gut bekannt. Umstritten in ihrer Deutung sind Darstellungen im unteren Drittel, die ñ zumeist paarweise angeordnet ñ zeitgenössische Personen zeigen: Laien und Kleriker, Frauen und Männer. Zumindest vermutet werden darf, dass unter diesen Personen auch die Stifter des Kirchenbaus und der Ausmalung zu finden sind. Die liturgisch dem „Bösen“ zugerechnete Westwand schließlich zeigt mit grotesken Tier- und Fabelwesen, einem Narrenkönig und einer Teufelsgestalt die Welt des Antichristen. Da Wandmalereien, die nur in dünnen Malschichten direkt auf die Mauern des Kircheninnenraumes aufgetragen sind, sämtlichen Umwelteinflüssen und auch dem Zustand des Mauerwerks selbst ungeschützt ausgesetzt waren und sind, besteht generell eine extreme Gefährdung dieser Kunstwerke. Durch Feuchtigkeit im Mauerwerk waren auch die Fresken in der Briesener Dorfkirche in ihrem Bestand bedroht. Zu ihrer Rettung gründete sich bereits 2008 der „Verein Briesener Fresken“ e.V.. Erste Erfolge konnten in diesem Jahr erzielt werden: Rund um den Sockel wurde eine Drainage gelegt und neu verfugt, das Gesims über dem Sockel wurde erneuert. Zudem erhielt die Briesener Kirche, nach längerer Diskussion mit den Denkmalschutzbehörden, eine Regenrinne. Die Kosten für die umfangreichen Sicherungsarbeiten konnte die kleine Gemeinde natürlich nicht allein aufbringen. Mit einem „namhaften Betrag“, über dessen Höhe Stillschweigen vereinbart wurde, beteiligte sich die Ostdeutsche Sparkassenstiftung an der Finanzierung. Bereits zuvor hatte der Förderkreis Alte Kirchen 10.000 Euro aus einer zweckgebundenen Spende für die Trockenlegung des Mauerwerks zur Verfügung stellen können. Wünschenswert wäre in absehbarer Zeit auch eine Restaurierung der Fresken selbst. Dafür fehlt bisher das Geld. Doch bereits jetzt kommen immer mehr Besuchergruppen, um das Bilderbuch in der Briesener Kirche zu besichtigen. Weitere Informationen: Ev. Pfarramt Briesen; Pfarrerin Nanna-Maria Luttenberger; Dorfstr. 16; 03096 Briesen; Tel.: (03 56 06) 4 03 34 www.briesen-kirche-mit-fresken.de
Zum Weiterlesen: Lausitzer Rundschau vom 24. März 2011: Erster Schritt zur Rettung der Briesener Fresken Lausitzer Rundschau vom 18. Juni 2014: In Briesen wird eine Zeitbombe entschärft Lausitzer Rundschau vom 01. April 2015: Virtuelle Panorama-Tour durch das Gotteshaus in Briesen Lausitzer Rundschau vom 01. Juli 2016: Mittelalterliche Fresken in Briesen konserviert