Dorfkirche Zernikow bei Prenzlau

Beitragsbild: Thomas Sommer - Dorfkirche Zernikow (2026)
Steckbrief
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| 17291 Nordwestuckermark OT Zernikow | Uckermark |
| Feldsteinbau des 13. Jh., Schiffsfenster noch in ursprünglicher Form; einfache Decke mit sichtbaren Balken und Holzdielen, Balken teils aus dem 14. Jh., einer mit der Jahreszahl 1683 in römischen Zahlen versehen. Einige Verzierungen aus dem MA sind freigelegt. Das ursprüngliche Gestühl ging im 2. Weltkrieg verloren, das jetzige Gestühl wurde in den 50iger Jahren eingebaut. |
Das Kirchenschiff ist offen. Zur Besichtigung des Turmes bitte die Schlüsselbewahrer kontaktieren: Edelgard Köhler, Neusiedlerstr. 21, Tel. 039853-2049, und Dr. Rudolf Volkmer, Neusiedlerstr. 13, Tel. 0175-4390165 oder 039953-64613. Für eine Führung bitte Termin vereinbaren bei Dr. Rudolf Volkmer. |
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Verein zur Unterstützung und Sanierung der Kirche in Zernikow / Nordwestuckermark e.V. Dr. Rudolf Volkmer Neusiedlerstraße 13 17291 Nordwestuckermark |
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Die Dorfkirche in Zernikow auf Kirchen im Landkreis Uckermark |
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Text von Thomas Sommer
Die Zernikower Dorfkirche ist ein kleiner Feldsteinsaal mit Westquerturm und Satteldach aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Die Südvorhalle stammt aus dem 18. Jahrhundert. Im Turm gibt es spitzbogige, paarige Schallöffnungen mit Backsteingewände. In der Ostwand befindet sich nur ein Fenster. Die Spitzbogenöffnung im Innenraum zum Turm ist zugemauert. Nach oben hin wird der Innenraum mit einer Balkendecke und darauf befindlichen Holzbohlenbelag abgeschlossen. Die Ausstattung umfasst ein einfaches Gestühl, zwei Epitaphien, stehend an der Ostwand und vor der Nordwand im Fußboden eingelassen, eine Altarmensa ohne Aufbau, eine auf dem Boden stehende Kanzel an der Nordwand sowie eine Empore an der Westwand.
Auf dem Weg von Prenzlau nach Neubrandenburg führt nach gut 14 km auf der B 198 eine kleine Straße in Richtung Westen und erreicht bald das kleine Dorf Zernikow. Zernikow, dessen Kirche und Gutshaus von der Bundesstraße schon von Weitem zu sehen sind, hat circa 100 Einwohner. Die Kirche befindet sich in der Nähe des Gutshofes auf einer kleinen Anhöhe zentral im Ort, teilweise von einer circa ein Meter hohen Feldsteinmauer umgeben.
Die Dächer des sehr harmonisch wirkenden Feldsteinbaus wurden in der Mitte der 1990-iger Jahre neu gedeckt, was wesentlich mit zur ausgeglichenen Wirkung der Kirche beiträgt. Erst auf den zweiten Blick ist zu sehen, dass die Fenster, bis auf das mittige der Südseite, um ein bis zwei Steinschichten nach unten hin verlängert wurden, in der Breite und in den Bögen jedoch unverändert bauzeitlich geblieben sind. Diese wenigen baulichen Veränderungen, die kaum wahrnehmbar sind, unterstreichen den ersten Eindruck einer sehr authentischen, noch sehr originalen Kirche. Dieser Eindruck setzt sich im Inneren fort. Wenn man, nach dem Durchschreiten des südlichen Anbaus, der zwar nicht ganz so alt ist, aber dazugehörig wirkt, in das Kirchenschiff kommt, hat man eine ähnliche Empfindung. Hier setzt sich die Einfachheit fort: die morbide Deckenbalkenlage mit dem schon leicht bröselnden Bohlenbelag, vor sehr vielen Jahren mal getüncht, sowie die Altarmensa ohne Aufbau, die Kanzel, mal abgeholt und abgestellt, teilweise auf eins der Epitaphe, das recht einfach Gestühl, die Empore und die getünchten Wände. Etwas verblüfft nimmt man die Dielung im Kirchenschiff und teilweise im Chor wahr, ungewöhnlich für eine Dorfkirche. Anhand der teilweise gegenläufig gelegten Dielen versucht man Muster oder eine Gestaltung zu erkennen und kommt zum Schluss, die wird es wohl nicht gegeben haben. Unterstrichen wird der Charakter der wohl sehr langen nicht oder sehr selten genutzten Kirche durch das Holzgerüst, welches die Deckenbalkenlage stützt und wohl im Zusammenhang mit der Dachneueindeckung eingebaut wurde. Der erste Eindruck täuscht. Herr Dr. Rudolf Volkmer vom Verein zur Unterstützung und Sanierung der Kirche in Zernikow e.V. erzählt bei meinem Besuch der Kirche von den verschiedensten Veranstaltungen, die der Verein, die Kirchengemeinde und die Dorfgemeinschaft dort – zum Teil regelmäßig – durchführt. Da war ich doch beeindruckt. Der Verein, vor Jahren schon kurz vor dem Aufgeben, wuchs im Zusammenhang mit den Veranstaltungen von sieben Mitgliedern auf zurzeit gut dreißig und das bei etwa 100 Einwohnern. Um diese Veranstaltungen durchführen zu können, wurde veranlasst, dass das Holzgerüst für die Deckenbalkenlage im Eingangsbereich auf der Südseite so umgebaut wurde, dass man ohne über Streben steigen zu müssen in die Kirche kann, die statische Funktion aber erhalten bleibt. So mahnt das Gerüst wie ein erhobener Zeigefinger: Wir müssen hier noch was machen.
Diese Notwendigkeit haben drei Studenten der TU Berlin im Rahmen ihrer sehr umfassenden Masterarbeit, die vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. unterstützt wurde, deutlich unterstrichen.
Eine Schadenskartierung der Kirche von 2015 zeigte schon erhebliche Schäden. Daraufhin bemühte sich die Kirchengemeinde Mitte der 2020er Jahre um die Reparatur der Schäden. Die Denkmalbehörden forderten jedoch eine aktualisierte Begutachtung, die ergab, dass der Bestand der Deckenbalkenlage und der Bohlenbretter noch in großen Teilen vom Ende des 14. Jahrhundert ist. Eine einfache Reparatur der Deckenbalkenlage, die teilweise auch schon mit zugesagten Förderungen untersetzt war, konnte so nicht umgesetzt werden. Um die bisherigen Ergebnisse weiter zu vertiefen, wurde durch die Denkmalfachbehörde des Landes Brandenburg ein Bauforschungsprojekt mit der TU Berlin für die Dorfkirche Zernikow initiiert, mit dem Ergebnis der nun vorliegenden Masterarbeit, die der Baugeschichte auch Bauvolumina darstellt und so sehr gut für die dringend notwendigen Instandsetzung genutzt werden kann.
Trotz der sehr offensichtlichen Instandsetzungsbedürftigkeit ist es der Kirchengemeinde und der Dorfgemeinschaft mit dem Verein gelungen, die Kirche wieder zu nutzen. Die Kirche ist neben dem Dorfgemeinschaftshaus wieder in die Mitte der Gesellschaft gerückt. Was mich neben der überaus wichtigen, sozialen Komponente so sehr beeindruckt, ist die Unverfälschtheit des im Wesentlichen bauzeitlichen Zeugniswertes der Kirche. Es ist eine Kirche ohne Schminke und ohne Parfüm.
Der Förderkreis Alte Kirchen unterstützt die Initiative des Dorfes um seine Kirche und sammelt Fördermittel für die Instandsetzung. Neben der Sicherung des Kirchengebäudes fördert das mittelbar auch den sozialen Zusammenhalt in der Dorfgemeinschaft, was somit auch Demokratieförderung ist.
Weitere Informationen
Adresse der Kirche: Neusiedler Straße 18, 17291 Nordwestuckermark OT Zernikow
Offene Kirche: Die Kirche ist eine „Offene Kirchen“ und täglich geöffnet. Anmeldung und Führungen durch den Förderverein siehe unten.
Ev. Kirchengemeinde: Evangelisches Pfarramt Schönwerder, Pfarrer Christian Hering, Dorfstraße 46, 17291 Prenzlau OT Schönwerder, Tel. 039858 – 480986, pfarramt-schoenwerder@kirche-uckermark.de
Förderverein: Verein zur Unterstützung und Sanierung der Kirche in Zernikow e.V., Dr. Rudolf Volkmer, Neusiedlerstr. 13, 17291 Nordwestuckermark OT Zernikow, Tel. 039853 64613, 0175-4390165, ru.volkmer@t-online.de oder Edelgard Köhler, Tel. 039853-2049
Spendenkonto: Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V.
Evangelische Bank – IBAN: DE94 5206 0410 0003 9113 90
Verwendungszweck: Dorfkirche Zernikow (UM)