von Dietrich Richter

Die Voruntersuchung ist abgeschlossen!

Kurz vor der konservatorisch-restauratorischen Bearbeitung des Gemäldes in der Dorfkirche Wagenitz

Familienbildnis der Familie von Bredow in der Dorfkirche WagenitzFoto: Claudia Rückert
Bildnis der Familie von Bredow

Das Bildnis der Familie von Bredow – Hans-Christoph von Bredow (1623–1691) sowie Barbara Dorothea von Görne (1622–1678) mit vier Söhnen und sechs Töchtern in der Dorfkirche Wagenitz im Havelland ist das Kunstwerk, für das die Spendenaktion „Vergessene Kunstwerke brauchen Hilfe“ seit dem Advent 2025 bis zum Herbst 2026 Geld sammelt, damit es restauriert werden kann. Nachdem die Spendenaktion eine sehr hohe Resonanz in der Bevölkerung gefunden hat, haben die Vorbereitungen für eine möglichst zeitnahe Restaurierung bereits begonnen.

Bei diesem Familienporträt, die kombinierte Darstellung eines Gruppenporträts und Stifterbildes der Familie von Bredow, handelt es sich um eine für die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts einzuordnende qualitätvolle Malerei in einem imaginären Bildraum auf einem perspektivisch angelegten hell-dunklen Schachbrettboden unter einer Draperie von roten Stoffen, die baldachinartig im oberen Bildbereich nach links und rechts gerafft sind. Bereits Fontane erwähnte das Familienbildnis in seinen Beschreibungen der „Wanderungen durch die Mark“. Ältere Quellen werden nicht explizit erwähnt, jedoch gibt es eine kurze textliche neue Fassung einer Nachfahrin der von Bredows.

Abgelöste Farbschicht am FamilienbildnisFoto: Dietrich Richter
Detail des Schadenbildes: Farbschichtlockerungen mit Schollenbildung der originalen Farbschicht

Leider gibt es keinerlei Hinweise auf den oder die ausführenden Maler. Denkbar wären Künstler, die in einer holländischen Tradition der Malerei-Technologie ausgebildet worden sind. Gestalterisch weisen einige Merkmale der Ausführung auf das zeittypische Umfeld der engagierten Künstler des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm und seiner ersten Frau Louise Henriette von Oranien (1627–1667) hin und entsprechen weitgehend einigen Porträtdarstellungen aus dem Umfeld des Großen Kurfürsten in der Mitte des 17.Jahrhunderts (Vergleiche z.B. Gemälde Matthias Czwiczeck 1642, GK I 6923; SPSG Berlin-Brandenburg).

Die Voruntersuchung dient der grundlegenden Ursachenforschung zum momentanen Schadensbild des Gemäldes und des Schmuckrahmens. Untersucht worden sind alle augenscheinlichen Auffälligkeiten der Materialkonstruktion, wie die Festigkeit der Malschicht, die Bildträgerspannung des originalen Gewebes mit der Befestigung auf dem Keilrahmen, Veränderungen der Farbschicht und der Überzüge. Zeigen sich ältere Übermalungen, Kittungen und Retuschen? Gibt es im ultravioletten Licht weitere Beobachtungen zu den Firnisaufträgen oder Schädigungen, die Hinweise auf Alterungsprozesse, klimatisch bedingte Veränderungen oder Bearbeitungsspuren offenbaren? All diese Parameter werden als eingehende Zustandserfassung protokolliert und bilden die Grundlage einer Konzeption für die konservatorische Bearbeitung mit einer sinnvollen technologischen Reihenfolge sowie transparenten Kommunikation aller Projektbeteiligten für die nachfolgende fachliche Umsetzung.

UV-Aufnahme mit Kittungen und Retuschen am FamilienbildnisFoto: Dietrich Richter
UV-Aufnahme zeigt ältere und neue Kittungen und Retuschen

Neben punktuellen Nahtkorrekturen des Leinwandbildträgers zeigen sich am Bredow-Gemälde besonders auffällig großflächige Lockerungen und partielle Substanzverluste der gesamten originalen Farbschicht, die eine umfangreiche Festigung und Rückplatzierung benötigen. Allein diese konservatorische Schwerpunktmaßnahme fordert umfangreiche materialtechnische Kenntnisse spezialisierter Gemälderestauratoren für dieses große Bildträgerformat.

Während der Voruntersuchung zeigte sich eine überraschende Besonderheit am Gemälde, welche in allen vorhandenen älteren Erwähnungen des Objektes noch nicht benannt wurde.

Nach der gegenwärtig erfolgten wissenschaftlichen Voruntersuchung und Konzeption zur Materialtechnologie zeichnen sich erfreulicherweise für die kommenden Monate umfangreiche notwendige konservatorisch-restauratorische Bearbeitungsmaßnahmen zum Erhalt und zur Verbesserung der ästhetischen Aussage des kulturhistorisch wertvollen großformatigen Leinwandgemäldes mit Schmuckrahmen von 1667 ab.

Lassen Sie sich überraschen, wie es Dank der großzügigen Spenden für dieses außergewöhnliche Gemälde in Wagenitz weitergeht! Dietrich Richter

SPENDENKONTO: Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V.

IBAN: DE94 5206 0410 0003 9113 90

Verwendungszweck: Wagenitz

Zur Kirche
Vorheriger Beitrag
Bau einen Turm, der uns beschützt…

Beim Kirchturmfest in Hohenjesar sammelt die Gemeinde für die Turmsanierung und feiert neue Fenster. Engagement und kulturelle Veranstaltungen beleben die einst verfallene Kirchenruine.

weiterlesen
Nächster Beitrag
Nach über 100 Jahren wieder in Perleberg

St. Jacobi in Perleberg erhält sechs Bronzeglocken und einen neuen Glockenstuhl. Die Turmsanierung eröffnet zugleich Perspektiven für ein Glockenspiel und einen zusätzlichen Versammlungsraum.

weiterlesen