Die Dorfkirche von Wagenitz (Havelland)

 
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In seinem letzten Lebensjahrzehnt beschäftigte sich Theodor Fontane immer wieder mit dem Gedanken, seinen fünf Bände umfassenden "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" einen weiteren hinzuzufügen, für den er den Arbeitstitel "Das Ländchen Friesack und die Bredows" gewählt hatte. Ende Mai 1889 besuchte er auf einer Recherchetour auch das Dorf Wagenitz und notierte anschließend in seiner Entwurfsskizze: "Die Bearbeitung des Stoffs muß so erfolgen, daß ich mit Wagenitz beginne, und zwar mit dem Bilde in der dortigen Kirche Hans Christoph von Bredow in voller Manneskraft unter seinen vier Söhnen stehend. Hans Christophs Gemahlin Barbara Dorothea von Görne mit ihren sechs Töchtern vor einem Kruzifix kniend. Die männlichen Portraits gut ausgeführt. Alle Geburtstage sind angegeben. Das Bild ist gut und wichtig."

In Fontanes Aufzeichnungen finden sich dann von dem Bild ausgehend umfassende genealogische Notizen zu einzelnen Mitgliedern der Familie von Bredow. Obwohl der Dichter sich bis wenige Wochen vor seinem Tod mit dem Thema beschäftigte, wurde das geplante Buch leider nicht geschrieben.

Von 1335 bis 1945, also mehr als sechs Jahrhunderte lang, hatten die Bredows ununterbrochen die Gutsherrschaft über Wagenitz inne. Ihr Herrenhaus, das zu den bedeutendsten und repräsentativsten Adelssitzen des Havellandes zählte, brannte unter ungeklärten Umständen im Mai 1945 nieder. Noch in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurden einige Wirtschaftsgebäude der alten Gutsanlage abgebrochen. Neben dem als "Schwedenturm" bezeichneten ehemaligen Küchenhaus blieb lediglich die Wagenitzer Dorfkirche als Zeugnis der Geschichte des Ortes erhalten.

Eine urkundlich überlieferte alte Fachwerkkirche wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört, als schwedische Truppen in einer Racheaktion für die Gefangennahme marodierender Söldner 1634 das Dorf stürmten und den Besitzer Georg von Bredow ermordeten. Sein Sohn Hans Christoph von Bredow, der als einziges Familienmitglied den Überfall überlebte, ließ 1664 eine bescheidene neue Kirche bauen, die 1734 noch einmal umfassend verändert wurde. Der barocke Kirchturm mit seiner geschweiften Haube stammt aus dieser Zeit, vermutlich auch die Lisenengliederung des Außenbaus und die großen Rundbogenfenster.

Bedeutendstes Ausstattungsstück des Innenraumes ist das von Theodor Fontane erwähnte 2,80 m mal 3,95 m große, imposante Familienbildnis des Hans Christoph von Bredow, das auf das Jahr 1667 datiert ist. Es zeigt den damaligen königlichen "Kreis-Commissarius" mit seiner Gemahlin und seinen zehn Kindern links und rechts neben dem gekreuzigten Christus und stellt eines der beeindruckendsten Beispiele für die stolze Selbstdarstellung des märkischen Adels der damaligen Zeit dar. Ebenfalls aus der Bauzeit des Kirchengebäudes stammt eine Holzfigur des Gekreuzigten links vom Altar. Die von toskanischen Säulen getragene Empore sowie das Gestühl kamen wohl mit der barocken Umgestaltung 1734 in den Kirchenraum. Vom Beginn des 19. Jahrhunderts stammt der schlichte Kanzelaltar, der lediglich von einer Abendmahlsdarstellung am Kanzelkorb geschmückt wird.

In den zurückliegenden Jahren gab es an der Wagenitzer Kirche umfangreiche Instandsetzungsarbeiten: Von 2001 bis 2003 wurde der Turm instandgesetzt und mit einer neuen Bekrönung versehen, der Außenputz erneuert und das Dach des Kirchenschiffes neu gedeckt. Auch der Innenraum wurde restauriert. Leider jedoch fällt der erst vor zehn Jahren aufgebrachte Außenputz an vielen Stellen bereits wieder ab, da das Kirchengebäude ein Problem mit im Mauerwerk aufsteigender Feuchtigkeit hat. Zudem leidet die gesamte Ausstattung unter einem starken Holzwurmbefall.

Im Januar dieses Jahres gründete sich in Wagenitz ein Förderverein, der sich langfristig für die Beseitigung der Schäden und den langfristigen Unterhalt der Kirche engagieren möchte. Erster konkreter Schritt soll eine Begasung des Innenraumes sein, um die Holzschädlinge daran zu hindern, größere Schäden am Inventar anzurichten. Langfristig möchte der Verein aber auch die 1885 vom Wittstocker Instrumentenbauer Friedrich Hermann Lütkemüller geschaffene Orgel erneuern lassen. Ein großes Vorhaben, wenn man bedenkt, dass die Metallpfeifen durch Vandalismus vollständig abhandenkamen. Erste Förderanträge wurden gestellt. Auch Konzerte und andere Benefizveranstaltungen sollen helfen, die nötigen Gelder für die Reparaturarbeiten aufzubringen. Mitglieder der Kirchengemeinde und des Vereins haben in Eigeninitiative den Gehweg und die Treppe erneuert, so dass nun auch Ältere und Behinderte ohne Schwierigkeiten die Kirche besuchen können.

Der Förderverein Dorfkirche Wagenitz e.V. gehört in diesem Jahr zu den erst kürzlich benannten Preisträgern des vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg jährlich ausgeschriebenen "Startkapitals für Kirchen-Fördervereine", was mit einem Preisgeld von immerhin 2.500 Euro verbunden ist. Für die weitere Arbeit wünschen wir viel Erfolg!

Weitere Informationen: Förderverein Dorfkirche Wagenitz e.V.; Sabine Heinrich; Lindenstr. 6; 14662 Mühlenberge; Tel.: (03 32 37) 8 58 41; Mail: sabine.heinrich@sa-hei.de



Zum Weiterlesen:
Märkische Allgemeine vom 17. September 2014:
Wagenitzer Dorfkirche gasdicht eingepackt
Märkische Allgemeine vom 07. Januar 2017: Sanierung der Wagenitzer Kirche beginnt
Märkische Allgemeine vom 26. August 2017: Die Dorfkirche Wagenitz


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