Alarmglocken bimmeln über Denkmals-Mauern

(Märkische Oderzeitung vom 09. August 2001)

Uckermark (os) - "Wenn es bei der Finanzierung der Denkmalpflege nicht bald gravierende Änderungen gibt, werden wir künftig auf einige Baudenkmale verzichten müssen." Mit dieser schonungslosen Äußerung macht Kreisbaudezernent Reinhold Klaus auf das größte Problem bei der Erhaltung schützenswerten Kulturgutes aufmerksam. Eine Bilanz nach zehn Jahren Denkmalpflege in der Uckermark, die nicht gerade rosig ist. "Das wäre ein Verlust, den wir nicht kampflos hinnehmen sollten."

Über zehn Jahre nach der Wende müssen Kommunen, Kirchgemeinden und private Besitzer Handstände unternehmen, um an Fördermittel zur Ausbesserung ihrer oft wertvollen Bauten zu gelangen. Von Sanierung und Restaurierung ist längst keine Rede mehr. Das wissen nicht nur die Pastoren auf dem Lande, die ehrenamtlichen Bürgermeister und Fördervereine, das weiß auch die Kreisverwaltung. Doch Geld steht kaum zur Verfügung. Während viele Kirchen unter größtem persönlichen Aufwand der oft kleinen Gemeinde erhalten werden, lässt der Zustand vieler ungenutzter Gutshäuser der Region die Alarmglocken bimmeln. Von Fachwerkhäusern auf dem Dorf ganz zu schweigen. "Wir müssen einen goldenen Mittelweg finden, damit es uns gelingt, die Bauwerke im öffentlichen Interesse zu bewahren", so der Kreisbaudezernent, dem die Denkmalbehörde untersteht. Seine Mitarbeiter haben inzwischen auch die Erfahrung gemacht, dass es "ein Fluch" sein kann, mit Denkmalen gesegnet zu sein. Allein 25 Prozent aller im Boden verborgenen Altertümer Brandenburgs befinden sich auf dem Territorium der Uckermark. Mehr Geld gibt es seitens der Landesregierung deshalb keineswegs. Im Gegenteil, die Pro-Kopf-Zuweisungen über das Gemeindefinanzierungsgesetz berücksichtigen in keiner Form die dringenden Sanierungsbedürfnisse vorhandener Bauwerke.

Auch als vor zehn Jahren das brandenburgische Denkmalschutzgesetz verabschiedet wurde, konnte niemand ahnen, dass die Finanzausstattung einmal so unbefriedigend aussieht. Insgesamt flossen rund 319 Millionen Mark in all den Jahren in die Denkmal-Förderung. Nun soll das Gesetz novelliert werden, weil auch Brandenburgs Kulturministerin Johanna Wanka mit der Situation unzufrieden ist. Auf einer Festveranstaltung zum zehnjährigen Bestehen des Denkmalschutzgesetzes sprach sie von der Einrichtung eines Fonds, aus dem auch private Eigentümer unterstützt werden sollen. In diesem Jahr kann ihr Ministerium gerade 5,4 Millionen Mark vergeben. Ein Tröpfchen auf einen heißen Steinberg. "Die Finanzierung ist nicht nur reformbedürftig, sie ist schlichtweg eine Katastrophe", urteilt Prof. Hans-Joachim Mengel, der ein barockes Schloss in der Uckermark-Gemeinde Wartin zur Europäischen Akademie saniert hat. "Man kann die Verantwortung für Kulturgüter nicht einfach nach unten delegieren."

Schlüssige Konzepte haben weder Land noch Kreis oder die Kirchenämter parat. "Wir erteilen den Besitzern zwar oft schmerzliche Auflagen, können dem aber finanziell nichts entgegensetzen", so Axel Kempert, Leiter der unteren Denkmalbehörde Uckermark. In der Kreisverwaltung will man sich nun für eine starke Lobby einsetzen, um die Akzeptanz für schützenswerte Bausubstanz in der gesamten Bevölkerung anzukurbeln. "Ich appelliere dabei auch an alle kirchlichen Würdenträger, über eine mehrfunktionale Nutzung ihrer Gotteshäuser nachzudenken", sagt Reinhold Klaus. So fällt zum zehnjährigen Bestehen der Kreisdenkmalpflege eine Bilanz eher verhalten aus, denn ohne Geld haben Kulturgüter kaum eine Chance.

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