LOB DER DENKMALPFLEGE: ARBEITEN IN SCHÖNHAGENER KIRCHE ABGENOMMEN

Eine Jungfrau mit Bart?

BEATE KOPF

 Schönhagener Kirche

SCHÖNHAGEN Ein Lob gab es am Dienstag vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege für die Freilegung der mittelalterlichen Fresken in der Kirche des Pritzwalker Ortsteiles Schönhagen. Obwohl die bisherige Arbeit der Restauratoren Birgit Schönfelder und Björn Scheewe damit offiziell abgenommen wurde, bleibt in dem Gotteshaus weiter viel zu tun. Das ergaben die Beratungen, an denen neben Wolfgang Janz von der Unteren Denkmalbehörde auch Vertreter vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege in Wünsdorf, des Gemeindekirchenrates und die Restauratoren teilnahmen.

Nach wie vor hat das Dach der mittelalterlichen Kirche ein Leck, wie Georg Frank vom Landesamt für Denkmalpflege betonte: "Die Nässe schlägt durch die Deckendielen." Es wisse noch immer niemand, wo die Wassereinbruchstelle ist, merkte Pfarrer Ulrich Preuß an. Obwohl der Dachdecker zweimal da gewesen sei, laufe das Wasser regelrecht die Wand herunter, wenn es regnet - und schadet den Wandmalereien.

Der Pritzwalker Malermeister Jürgen Kuhnt hatte eine kleine Musterfläche angelegt, um die Wasserflecken abzudecken. Mechthild Noll-Minor, leitende Restauratorin im Landesdenkmalamt, forderte einen Anstrich auf Alkoholbasis. Dies soll nun befolgt werden. Bis Himmelfahrt soll das Gerüst in der Kirche abgebaut werden, da die Kirchengemeinde diese dann für das Himmelfahrtstreffen nutzen will.

Die Rückwand hinter dem barocken Altar haben Schönfelder und Scheewe hell gestrichen. "Damit ist es gelungen, den Altar und die mittelalterliche Malerei an den Wänden einigermaßen miteinander in Einklang zu bringen", meinte Georg Frank. Denn im Laufe der Jahrhunderte wurde die Feldsteinkirche aus dem 14. Jahrhundert um den schweren barocken Holzaltar und um eine klassizistische Orgel ergänzt.

Einig waren sich alle, dass man die verloren gegangenen Gesichter in den Fresken nicht wieder ersetzen könne: "Dann wäre der Bezug zur damaligen Zeit gebrochen", meinte Mechthild Noll-Minor.

Preuß wollte bestätigt wissen, dass die Abbildungen den Leidensweg Jesu und die Ostergeschichte zeigen. Darauf deuten die Bilder anhand einiger Motive hin. Restaurator Scheewe berichtete indessen, dass er bei Nachforschungen auf die Legende der Heiligen Kümmernis gestoßen sei. Die Tochter eines heidnischen Herrschers habe zum Christentum konvertieren wollen, ihr Vater habe dies aber verboten. Der Jungfrau sei ein Bart gewachsen und sie wurde ans Kreuz geschlagen. "Sie soll einen ähnlichen Leidensweg wie Jesus durchlebt haben", meinte Scheewe. Die Sage ist allerdings eher im Süden des deutschsprachigen Raumes verbreitet. Um die Bedeutung der Fresken in Schönhagen zu erforschen, biete sich eine Magisterarbeit an, schlug Mechthild Noll-Minor vor. Sie will Kontakte zu Berliner Universitäten herstellen.

Damit die nun freigelegten Fresken erhalten bleiben, müsste laut Scheewe der Fußboden in der Kirche so präpariert werden, dass kein Staub aufgewirbelt wird. "Sonst müssten die Malereien in zehn, 20 Jahren erneut gereinigt werden." Die Fugen zwischen den Ziegeln im Boden könnten mit Lehm verschmiert werden, so dass sie später mit dem Staubsauger gereinigt werden können.

Um die freigelegten Fresken weiter zu beobachten, könne der Gemeindekirchenrat mit den Restauratoren einen Wartungsvertrag abschließen, schlug Mechthild Noll-Minor vor. Dazu sollten diese einen Kostenvoranschlag erstellen. Angebote sollen außerdem unter anderem zu einem Konzept für die Holzempore und für die Sanierung des Fußbodens erstellt werden.

 
weitere Beiträge zu Schönhagen:
Märkische Allgemeine vom 03. Dezember 2003: Wieder Restauratoren in der Schönhagener Kirche
Märkische Allgemeine vom 16. Juli 2003: Kirchengemeinde sammelt für Restaurierung seltener Fresken

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