AUF DEM DACHBODEN DER BERLITTER KIRCHE VERBARG SICH EINE BEMALTE DECKE

Barockes Relikt im Gotteshaus

BERLITT Darauf war in Berlitt wohl niemand gefasst. Ein echter Schatz verbarg sich jahrelang auf dem Dachboden der Kirche, und kaum jemand wusste davon. Es ist eine barocke Decke. Sie kam bei den Restaurierungsarbeiten, die derzeit an der Kirche laufen, zu Tage. Der Holzwurm hat sich zwar schon einige Wege durch die Bretter gebahnt - besonders an den Nuten und Federn, die alles zusammenhalten. "Aber im Grunde ist die Decke in einem relativ guten Zustand." So schätzt es Diplom-Restaurator Tom Zimmermann aus Potsdam ein.

Zwölf Medaillons, verteilt in vier Reihen, zieren die Holzbretter. Sie werden von blauen Akanthusranken - auch Bärenklau genannt - umschlossen. In Höhe des Altars ist das Bild von Jesus aufgemalt. Um ihn herum elf Engel. Jeder hält ein anderes Musikinstrument in den Händen. Es finden sich unter anderem Flöte, Harfe und Trommel. Tom Zimmermann vermutet: "Es könnte ein himmlischer Chor sein." Er hat das Kunstwerk bei restauratorischen Untersuchungen im Januar entdeckt. "Wir haben ein Viertel der Decke hochgenommen und sahen die ersten beiden Medaillons." Der Restaurator legte sofort Proben zum Reinigen und Festigen der Malschicht an. Weil das Dach der Kirche neu gedeckt werden soll, mussten die Bretter zeitweilig in eine Scheune im Dorf ausweichen.

100 Jahre war das barocke Relikt nicht zu sehen. Denn um 1900 hat man die Decke mit einer einfachen Verbretterung zugenagelt und grau angestrichen. Genaue Gründe sind dafür nicht bekannt. Renate Breetzmann, Gebietsleiterin für den Landkreis OPR beim Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, sagte: "Entweder waren die Malereien einfach nicht mehr zeitgemäß oder schadhaft." Auf jeden Fall sei der Fund ein Indiz für eine reichere Kirche, das man für die Nachwelt unbedingt aufbewahren müsse. Werner Ziems, Restaurator beim Landesamt für Denkmalpflege, war überrascht, dass die Decke komplett erhalten und in einem so guten Zustand ist. Ziems meinte: "Solche Funde kommen in Brandenburg eher seltener vor und sind deshalb auch etwas ganz Besonderes."

Das Besondere durften sich am Mittwoch die Berlitter aus der Nähe anschauen. Vor der Scheune wurde das Kunstwerk Stück für Stück ausgebreitet. Da staunte sogar Pfarrer Matthias Hirsch. "Ich hätte nicht gedacht, dass sie noch so gut aussieht."

Daran hat Tom Zimmermann einen großen Anteil. Er und zwei Kolleginnen befreiten jedes einzelne Brett vom Staub. Dann festigte der Restaurator die Malschicht, die wahrscheinlich aus Leimfarbe besteht. Dafür nutzte Zimmermann ein Bindemittel. Jetzt ist alles wischfest. Das Ganze hat ungefähr eineinhalb Wochen gedauert.

In der Scheune kann die barocke Decke nicht bleiben. "Dort ist es zu trocken", waren sich die Fachleute einig. Im Dachstuhl der Kirche sei das Klima besser und die Bretter würden gut belüftet. Deshalb kommen sie wieder dorthin. Die bemalten Bohlen werden allerdings nicht vernagelt, sondern nur ausgelegt. Für die Dachdecker soll es dann einen Laufsteg geben, damit die Decke bei den Arbeiten nicht beschädigt wird.

Für die Berlitter ist klar: "Jetzt, wo wir die schönen Malereien gesehen haben, können wir mit der grauen Decke in der Kirche eigentlich nicht mehr weitermachen." Die Einwohner wissen aber auch, dass eine vollständige Restaurierung mit ihren Finanzen nicht zu vereinbaren ist. Deshalb bleiben sie realistisch und freuen sich trotzdem. Denn schließlich zeigt der Fund auch ein Stück Instrumentenkunde vergangener Tage. Manche der abgebildeten Instrumente gibt es nämlich heute nicht mehr. Matthias Hirsch will aber auf jeden Fall einen Kostenvoranschlag einholen, denn "der kostet nichts, bringt aber Gewissheit".

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