Die kleinen Türme stehen wieder

Von Bärbel Kloppstech

  Kirche Döbberin

Döbberin (MOZ) Sie steht auf keiner Liste der schützens- und erhaltenswerten Denkmale im Landkreis Märkisch-Oderland. Und trotzdem ist sie nicht zu übersehen. Schon von weitem grüßt die Kirchturmspitze jeden, der sich Döbberin nähert, egal ob er vom "Ameisenhighway" oder aus Niederjesar kommt. Fast ein wenig vergessen erhebt sich der Kirchbau umgeben von hohen Schatten spendenden Laubbäumen inmitten des alten Dorffriedhofes. Wie in vielen Dörfern ist auch in Döbberin die Kirche das letzte Zeugnis vergangener Zeiten.

Der Turm, weiß Rosemarie Puck vom Gemeindekirchenrat, ist erst vor gut 100 Jahren gebaut worden. Das Kirchenschiff hat einen mittelalterlichen Kern, wenn auch in den Jahrhunderten danach viel "verschönert" wurde. Am Turm hingen einmal vier Zifferblätter. Jetzt stehen sie verrostet links von der Eingangstür. Die "Bergsteiger" von der Alpintechnischen Dienstleistung haben sie herunter geholt. Erst vor ein paar Tagen. Gesichert haben sie bei der Aktion auch gleich die lebensgefährlichen Ziegel an der südwestlichen Ecke des Kirchturmes. Die Steine hingen faktisch schon in der Luft.

Eberhard Steinbrecher könnte sich vorstellen, dass die Zifferblätter wieder "aufgemöbelt" werden. Das Uhrwerk sei noch im Turm vorhanden. "Dafür könnte man gezielt Spenden sammeln", sagt er und ist noch auf der Sache nach einem geeigneten "Kirchturmuhrmacher".

Der Döbberiner unterstützt als Bausachverständiger den Gemeindekirchenrat bei der Kontrolle der gegenwärtigen Sanierungsarbeiten am Gotteshaus. "Die können eigentlich nur ein erster Anfang sein, dem eine Konzeption folgen müsste, wie wir danach weiterverfahren wollen", sagt Eberhard Steinbrecher, der auch im Zeschdorfer Gemeinderat als Vorsitzender des Finanzausschusses den Hut aufhat. Er ist bereit, daran mitzuarbeiten. Nur eine bescheidene Summe konnte die Kirchengemeinde aus ihren Rücklagen, wie Rosemarie Puck sagt, für die Bauarbeiten veranschlagen - rund 14 000 Euro.

Die Arbeiten am Gesims, an der Traufe des Daches und die Ausbesserungen am Mauerwerk der Ostseite des Turmes werden von der Baudenkmalpflege-Firma Jürgen Friedrich ausgeführt. Der Betrieb des Falkenhageners ist das Ergebnis der Insolvenz der bekannten Frankfurter Restaurierung und Bau GmbH. Die neun Mitarbeiter seiner Firma gehörten wie er selbst seit einem Jahrzehnt zum Fachpersonal und wurden entlassen. Als eigener Betrieb hat Jürgen Friedrich mit seinen Leuten bereits wieder alten Denkmalen zu neuem Glanz verholfen, wie der Kirche Sieversdorf oder der Kirche Neuhardenberg oder jetzt in der Dorfkirche Döbberin.

Der Wiederaufbau der vier etwa 80 Zentimeter großen Fiale, der vier spitzen Ecktürme am Kirchendach, gehören zu den bereits sichtbaren Zeugnissen der handwerklichen Fertigkeiten der Bauleute von Jürgen Friedrich. Aus der Rekonstruktion der einzigen noch vorhandenen Fiale-Turmecke seien die anderen drei neu aufgebaut worden, nennt der Bauunternehmer nur ein Beispiel für die Puzzlearbeit bei der Denkmalsanierung. Die Türme, die bis zu 1,60 Meter in das Mauerwerk hineinragen, mussten mit Spezialsteinen gemauert werden.

Auch der Einschuss an der Ostseite des Kirchturmes ist bereits nicht mehr zu sehen. Die neuen, fast 300 eingesetzten Steine im Reichsformat unterscheiden sich nur durch ihre Farbe von den sie umgebenden alten Ziegeln.

Der Einschuss stamme von einem fehlgeleiteten Schuss von deutschen Soldaten am Ende des Zweiten Weltkrieges, erzählt Horst Hensel, ebenfalls langjähriges Mitglied im Gemeindekirchenrat, wenn auch gegenwärtig nicht mehr. Damals sei er zwölf Jahre gewesen. "Ich höre den gewaltigen Geschützlärm noch heute. Die Soldaten standen am Eingang des Dorfes", sagt der Döbberiner.

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