Wiedergeburt einer Prinzessin

Gesell-Orgel in der Dorfkirche nach 15 Jahren Restaurierung eingeweiht

ANNETT LAHN

GRÜNEFELD "Die Orgel ist die Königin der Instrumente. Allerdings sind sie in Dorfkirchen so klein, dass man hier eher von einer Prinzessin sprechen kann", sagte John Barr, als er bei der Einweihung der restaurierten Orgel in der Grünefelder Dorfkirche (Havelland) am Sonnabend das Instrument vorstellte.

Barr würdigte die "große Anstrengung, das Geld im Dorf zu sammeln." Denn die beauftragte Firma Schuke sei nicht nur renommiert, sondern auch teuer. Die Restaurierung kostete 55 400 Euro. Das ist der Erlös von 13 Gemeindefesten und 14 Osterfeuern sowie einer Spende der Mittelbrandenburgischen Sparkasse, so die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates, Hannemarie Sonnemann.

"Inzwischen fliegen die Organisten aus Nah und Fern hier herum wie Fruchtfliegen um einen überreifen Pfirsich", meinte Orgelexperte Barr. Eine dieser Fliegen sei der renommierte Berliner Professor für Musikdidaktik, Bernd Scherers, der das erste Konzert nach 15-jähriger Sanierung auf der Gesell-Orgel gab. Sein Programm reichte von klanggewaltigen Barock-Stücken bis zur romantischen Musik von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Variantenreich versuchte der Organist möglichst viele Klänge und Grundstimmungen der 1850 von Karl Ludwig Gesell gebauten Orgel zu Gehör zu bringen. Das Publikum in der Kirche, "die sonst nur zu Weihnachten so voll ist", spendete ihm lange und ausgiebig Beifall.

Nach der Besonderheit dieser Orgel befragt, meinte Scherers, der schon in großen Kathedralen die Register zog, dass man "viel Druck auf die Tasten ausüben müsse, denn die Verbindung von den Tasten zur Pfeife ist weit und mechanisch."

Dem Orgelkonzert lauschten auch fünf goldene Konfirmanden, die zuvor beim Gottesdienst mit Superintendent Thomas Tutzschke ihr Jubiläum gefeiert hatten. 1956 wurden Erhard Rühle aus Templin und Jürgen Möbius aus Falkensee in Grünefeld konfirmiert. Beide erinnern sich noch an den Konfirmandenunterricht und ihre Zeit an der Zentralschule Börnicke. "Damals mussten wir bei den Gottesdiensten noch den Blasebalg der Orgel betätigen", sagen beide und freuen sich schon auf den nächsten Besuch in der alten Heimat - spätestens in zehn Jahren zur Diamantenen Konfirmation.

Märkische Allgemeine vom 28. August 2006

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