Neues Terrakottakreuz zum Jubiläum

150 Jahre Bornstedter Kirche / Dreitägige Feier beginnt morgen mit Festvortrag von Klaus Arlt

CAROLA HEIN

 Das neue Dachkreuz auf dem Weg nach oben
Auffahrt andante: Bauleiter Thomas Grapenthin dirigiert das neue Dachkreuz auf dem Weg nach oben.
Foto: MAZ/Bernd Gartenschläger

BORNSTEDT Drei starke Männer und eine Seilwinde brauchte es gestern, um das neue Terrakottakreuz neun Meter hoch aufs Dach des Chores der Bornstedter Kirche zu hieven. Dabei geriet das 1,40 Meter große, ein Zentner schwere Architekturelement zwar ins Trudeln, erreichte aber unbeschadet seinen Standort. Thomas Grapenthin, Bauleiter der ausführenden Baudenkmalpflege Roland Schulze, dirigierte "Auffahrt" und Ausrichten, ehe seine Kollegen Bernd Ziegler und Thomas Hendel das Kreuz befestigten auf einem Sockel, den Stukkateur-Lehrling Navina Lammek vorbereitet hatte. Zuvor hatten Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde um Jutta Erb-Rogg das freudige Ereignis mit Gesang, Gebet und Bibelzitaten begrüßt. Der Hof am Arkadengang war mit Gladiolen und Lilien in Orange geschmückt und eine Kerze angezündet.

17 Jahre habe das alte Dachkreuz fast vergessen bei einem Restaurator auf bessere Zeiten gewartet, so Erb-Rogg. "Nun ist es wieder da, ein leises Zeichen der Gegenwart Gottes." Die dafür benötigten 13 000 Euro waren durch Fördermittel der Mittelbrandenburgischen Sparkasse und private Spenden zusammengekommen. Heute dichten Klempner den Sockel ab und installieren den Blitzschutz.

Das verwitterte Original war bereits 1994 demontiert worden. Thermische Spannungen und das vor sich hin rostende Stahlkreuz im Innern hatten die gebrannte Tonerde zum Bersten gebracht, erklärte Grapenthin. Für den Nachbau habe man mit dem Architekturbüro Redlich eine geeignete Form entwickelt. Das von der Kunst- und Baukeramikfirma Golem in Handarbeit geformte und gebrannte Duplikat gleicht dem Vorgänger optisch. Allerdings ist es nur aus zwei statt aus vier Stücken gefertigt und enthält eine nicht rostende Edelstahlarmierung. Beeindruckt vom Engagement der Gemeinde werde seine Firma "das 100 Jahre alte Kreuz restaurieren", versprach Grapenthin, "gratis".

Die denkmalgerechte Nachbildung ist rechtzeitig zu den am morgigen Freitag beginnenden dreitägigen Festivitäten anlässlich der Weihe des Gotteshauses am 10. November vor 150 Jahren vollendet. Der Bau war 1855/56 nach Plänen von Friedrich August Stüler (1800-1865) errichtet worden. Einen Blick auf jene Zeit wirft Kirchenhistoriker Klaus Arlt in seinem Jubiläumsvortrag (20 Uhr). Im Anschluss wird das Buch "Bornstedt nahe bey Sanssouci" präsentiert. Darin rekonstruiert Pfarrer Willi Hanke die Geschichte der Kirchengemeinde bis 1954. Am Samstag gibt es um 14.30 und 16.30 Uhr Kirchen- bzw. Orgelführungen (um 15 Uhr eine für Kinder) und in der Nacht der offenen Kirchen Lesungen (19 und 22 Uhr) sowie ein Konzert des Jungen Vocalensembles Potsdam (20 Uhr). Am Sonntag ist ein Festgottesdienst. (Potsdam)

Märkische Allgemeine vom 31. August 2006

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