In die Verantwortung nehmen

Informationstreff und Arbeitseinsatz in der Brügger Kirche geplant

BEATE VOGEL

BRÜGGE Es gibt Hoffnung für die völlig kaputte Kirche in Brügge (Amt Meyenburg): In der kommenden Woche sind die Einwohner des Dorfes zu einem Treffen eingeladen, bei dem sie über die Geschichte der Kirche und mögliche Maßnahmen für die Sicherung des Gebäudes informiert werden sollen. Außerdem können sie bei einem Arbeitseinsatz erste Hand an die Schuttberge im Inneren des Gotteshauses legen.

Angestoßen hat das Treffen Gordon Thalmann aus Klein Gottschow (Gemeinde Plattenburg): Er ist nicht nur Mitarbeiter der Unteren Denkmalbehörde beim Landkreis Prignitz und hat von daher ein berufliches Interesse am Erhalt alter Kirchen. "Unter allen Kirchen im Landkreis Prignitz sind die in Brügge und die in Klein Linde diejenigen, die im schlimmsten Zustand sind", weiß der Denkmalpfleger.

Gordon Thalmann absolviert außerdem nebenbei an der Europäischen Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) ein Aufbaustudium zum Thema "Schutz europäischer Kulturgüter". Im Rahmen des Studiums ist ein Projekt erforderlich, das Thalmann und sein Kommilitone Christian Schreiber aus der Nähe von Meißen entwickeln müssen da bot sich Brügge an. "So haben beide Seiten etwas davon", meint Thalmann. An der Kirche in Brügge sei er aber "schon länger dran".

Eingeladen wurden die Brügger per Wurfzettel in den Briefkästen zum Freitag, 8. Dezember, um 10 Uhr zu einem Treffen vor der Kirche. Im benachbarten Gemeinderaum der sicher wärmer ist wollen Gordon Thalmann und sein Mitstudent interessierten Bürgern zunächst die Kirche wieder näher bringen, über den baulichen Zustand des Gotteshauses informieren "und die Brügger auch ein wenig in die Pflicht nehmen", wie Gordon Thalmann es umschreibt: "Sie haben eine Verantwortung den nachfolgenden Generationen gegenüber, die die Kirche vielleicht irgendwann wieder nutzen wollen."

Danach wolle man zu einem Arbeitseinsatz gemeinsam in die Kirche gehen: "Wer mitmachen möchte, sollte Eimer, Besen oder Schaufeln mitbringen." Zunächst sollen Schutt und Laub aus der Kirche entfernt werden, die umherliegenden Gegenstände sollen gesichtet und eingelagert werden, damit sie später gesichert werden können. Gordon Thalmann hat sich auch mit dem zuständigen Pfarrer Christian Ruch verständigt, der das Vorhaben unterstützt. Vor allem aber setzt der Denkmalpfleger auf die Brügger selbst: "Sie sollen selbst aktiv werden. Schließlich sollen sie sich nicht vorwerfen lassen müssen, dass Leute von außerhalb kommen und sich um ihre Kirche kümmern müssen."

Über den geplanten Arbeitseinsatz wird sich jemand ganz besonders freuen, der einige hundert Kilometer entfernt wohnt: Herbert Brügge aus Mettingen in Westfalen. Er hatte sich im Sommer dieses Jahres vor Ort umgesehen und nach den prägenden Eindrücken, die er sammelte, an verschiedene Stellen gewandt mit der Bitte, sich um die Kirche zu kümmern. Nun hat auch er eine Einladung zum Arbeitseinsatz erhalten. "Die 400 Kilometer kann ich aber nicht fahren", bedauert er.

Gordon Thalmann und Christian Schreiber wollen mit ihrem Projekt, das freilich auch bewertet wird, nur einen Anstoß geben. Im zweiten Schritt soll ein Sicherungskonzept erstellt werden, damit die Kirche vor Wind und Wetter geschützt ist. Später müssen sich die Brügger um ihre kleine Kirche kümmern.

Märkische Allgemeine vom 01. Dezember 2006

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