WULKOWER KIRCHE TRÄGT SEIT GESTERN WICHTIGE DOKUMENTE IN DER HÖHE

Das Heute in der Kupferkugel

WOLFGANG HÖRMANN

 Wulkow

WULKOW Sonja Göttlicher ist glücklich. "Schön, dass hier wieder alles heil wird." Die 70-Jährige hat es sich nicht nehmen lassen, gestern gegen 11 zur kleinen Kirche in Wulkow zu kommen. "Hier wurde ich getauft und konfirmiert, hier haben wir geheiratet und haben auch zwei meiner Kinder die Taufe bekommen", sprudelt es aus der Frau in der dicken Strickjacke. "Wir alle sind froh, dass die Kirche nicht total zusammengefallen ist." "Wir alle" dürfte die Mehrheit der 64 Einwohnerinnen und Einwohner des Ortsteiles von Wusterhausen sein.

Fast wäre das Kirchlein zum Trümmerhaufen geworden. Die evangelische Kirche hatte deutlich gemacht, dass man sich bei Restaurierungen auf größere und bedeutendere Bauwerke beschränken müsse. Die Großgemeinde sprang in die Bresche und erwarb das Gotteshaus, bemühte sich um Fördermittel und hielt den Eigenanteil für die Kofinanzierung vor. Das Bauen begann schneller, als es Restaurator Hans Ludwig von anderen Gegenden des Landes kennt. Für ihn ist das Gebäude ein Kleinod, "richtig geostet und auch von der Form her durchaus eine Besonderheit in der Gegend". Das Fälldatum der Bauhölzer ist mit 1691 nachgewiesen. Die Entstehung selbst muss zwischen 1692 und 1695 gelegen haben.

Etliches vom Alten ist immer noch im Fachwerk zu finden. Der Rest entsteht seit dem 4. August neu, von der Kirchentür bis hoch zum Turm. Der hat gestern seine kupferne Spitze bekommen, einschließlich der Kugel mit Zeugen der Zeitgeschichte anno 2003. Wusterhausens Bürgermeister Peter Wollert legte selbst mit Hand an, als die Kartusche verlötet wurde. Darin befinden sich nun neben einem Schreiben von Wulkowern, in dem sie sich zur Gegenwart äußern, und einem Statement der Gemeindeverwaltung auch Forschungsergebnisse zur Kirche, Münzen und die gestrige Ausgabe der Märkischen Allgemeinen Zeitung.

Die Bauarbeiten sollen noch 2003 beendet werden. Das verspricht Thomas Andler vom zuständigen Ingenieurbüro aus Freudenberg. "Wir werden die Kirche mit einem festlichen Gottesdienst in Betrieb nehmen", kündigte Bürgermeister Wollert gestern an. Ansonsten soll sie zur geistig-kulturellen Mitte des Dorfes werden, ähnlich wie im Ortsteil Tramnitz, der gar nicht weit entfernt liegt. Auch hier blieb die Kirche im Dorf, weil sich die Gemeinde ihrer erbarmte.

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