Riesige Staubwolken im Altarraum

Knapp 20 Brügger trafen sich gestern zum Arbeitseinsatz in der Kirche / Zunächst steht die Sicherung an

BEATE VOGEL

BRÜGGE Während Gordon Thalmann gestern Morgen im Gemeinderaum in Brügge (Amt Meyenburg) über den Zustand der kleinen Dorfkirche informierte, wurden die in warme Jacken verpackten knapp 20 Helfer langsam unruhig: Sie wollten endlich in die Hände spucken und sich an die Arbeit machen. Schließlich wartete die Dorfkirche darauf, von Laub und herab gefallenem Putz befreit zu werden.

Thalmann, Mitarbeiter der Unteren Denkmalbehörde , absolviert an der Europäischen Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) ein Aufbaustudium zum Thema "Schutz europäischer Kulturgüter", für das er mit seinem Kommilitonen Christian Schreiber ein Projekt einreichen muss. Da bot sich die Kirche in Brügge an. "So haben beide etwas davon", meinte Kurt Zander, der im Kreiskirchenrat sitzt und sich dort auch um Bausachen kümmert.

Gordon Thalmann berichtete aus einem kreislichen Gutachten über den Zustand der hölzernen Bauteile an der Kirche: Demnach gebe es Schäden am Turm und an den seitlichen Türmchen sowie Nässeschäden am Dach. Dort steht seit langem eine Luke offen, so dass ungehindert Wasser eindringen konnte. Festgestellt wurden laut Thalmann Schädlinge wie der Trotzkopf und gewöhnliche Nagekäfer. Außerdem gebe es Pilzbefall. "Das ist aber ein weißer Porenschwamm, der ist relativ unbedenklich", so Thalmann. Zudem wurden kleine Risse zwischen den drei unterschiedlichen Gebäudeteilen festgestellt. "Die setzen sich aber nicht weiter fort", sagt der Denkmalpfleger. Trotz der Schäden sei die Kirche in einem guten Zustand, betonte er. "Sie zu sichern, ist auf jeden Fall sinnvoll."

Zunächst sollen nun die offenen Kirchenfenster bis in den Spitzbogen mit Wasser abweisenden, beschichteten Holztafeln versehen werden. Ganz oben wird Kükendraht verwendet, damit die Luftzirkulation gewährleistet bleibt. Im Dachbereich soll ein "vernünftiger Anschluss bis zu den Giebelbereichen" hergestellt werden, erklärte Thalmann. "Das hängt vom Zustand der Dachlattung ab."

Kurt Zander räumte ein, dass die Sicherung der Kirche schwierig sei, da so gut wie keine Aussicht auf finanzielle Mittel bestehe: "Es gibt keine Kirchengemeinde in Brügge, deshalb wird das Gebäude nicht mehr gebraucht." Überdies wirke sich nachteilig auf die Pläne für die Brügger Kirche aus, dass der Pfarrsprengel Freyenstein aufgelöst und Meyenburg zugeschlagen werden soll.

Nun werde aber laut Kurt Zander im April 2007 eine Fördermaßnahme beginnen, über die das Umfeld der kleinen Kirche saniert werden soll. Ein fertiges Projekt für die Sicherung des Gebäudes, das für Fördermittelanträge geeignet ist, liege inzwischen auch vor. "Und wir haben vom Kreiskirchenrat auf jeden Fall moralische Unterstützung", so Zander.

Jetzt gelte es erst einmal, die Kirche besenrein zu machen, so Zander. Er und Gordon Thalmann regten an, in Brügge einen Gemeindekirchenrat zu bilden. Damit lasse sich mehr bewegen. Laut Zander gebe es bereits zwei Kandidaten aus Warnsdorf, es müssten also nur noch zwei gefunden werden, dann hätte das Gremium mit dem zuständigen Pfarrer fünf Mitglieder.

Nachdem die Brügger und die Denkmalpfleger vom warmen Gemeinderaum in die kalte Kirche gewechselt waren, teilten sie sich in zwei Gruppen auf. Die eine säuberte eingehüllt in Unmengen Staub mit Besen und Schaufeln das Kirchenschiff, die andere kümmerte sich um die Empore, die Treppenzugänge und den Eingangsbereich. Die fleißigen Helfer räumten den Altar an seinen Platz, die Bänke wurden abgefegt und die Schuttberge nach draußen gebracht.

Gordon Thalmann sicherte aus dem Schutt noch vorhandene Bruchstücke etwa von den abgeschlagenen Figuren der Kanzel. Sie kamen in Kartons und werden aufbewahrt.

Märkische Allgemeine vom 09. Dezember 2006

Weitere Artikel zu Brügge
Märkische Allgemeine vom 14. Oktober 2006: Brügger Kirche ist in erbärmlichem Zustand
Märkische Allgemeine vom 01. Dezember 2006: Informationstreff und Arbeitseinsatz in der Brügger Kirche geplant

   Zur Artikelübersicht