Pfarrer damals im Fuhrwerk abgeholt

Dorfkirche in Grabow wird aufwändig saniert / Fußbodenarbeiten gehen langsam voran

MADLEN WIRTZ

GRABOW (Ostprignitz-Ruppin) Alt und ehrwürdig steht die Grabower Kirche mitten im Dorfe von Grabow. Ihr stolzes und imposantes Aussehen hat das Gotteshaus, das bereits im 16. Jahrhundert erbaut worden ist, allerdings erst in den vergangenen Monaten durch eine aufwändige Sanierung wiedergewonnen.

Mit den Arbeiten am Kirchturm hatte im Jahre 2005 alles begonnen. Jetzt, ein Jahr später ist die Fassade komplett saniert. Auch die ebenfalls restaurierten Fenster sind längst wieder eingesetzt. Ein neues Dach komplettiert die Außensanierung. "Die gesamte Unterkonstruktion war zu erneuern. Viele Sparren wurden ersetzt, auch die Dachlattung ist neu", zählen Grabows Bürgermeister Hans-Joachim Bork und der bisherige Kirchenälteste Armin Krause den Arbeitsumfang auf.

Auch im Innern der Kirche sind die Sanierungsarbeiten inzwischen weit fortgeschritten. Das Fachwerk ist wieder ein Blickfang. Jetzt sind die Fußbodenarbeiten im vollem Gange. Die alten Ziegelsteine auf dem Kirchenfußboden werden begradigt und stellenweise sogar gegen neue ausgetauscht. Schwierig ist die Arbeit, weil verschiedene Steinformate verlegt worden sind. Ersatz müsse in teurer Handarbeit hergestellt werden. Daher geht die Fußboden-Generalüberholung nur langsam voran. Auch andere Sanierungsarbeiten werden sich bis ins kommende Jahr hinziehen.

Armin Krause interessiert sich auch dafür, ob die Grabower Kirche nach der Sanierung das Harmonium wieder bekommen wird. "Das Instrument gab schon lange keinen Ton mehr von sich. Die Tasten waren gequollen. Die Feuchtigkeit hatte dem Harmonium sehr zugesetzt", so Hans-Joachim Bork. Auch er will das alte Instrument nach der Sanierungen schon bald wieder auf dem alten Platz stehen sehen.

Die beiden Männer sind noch vom "alten Grabower Schlag", und sie kennen ihre Dorfkirche wie ihre eigene Westentasche. In dieser Kirche sind sie getauft und eingesegnet worden. "Vorher war aber viel zu lernen, bevor eingesegnet wurde. Und es durfte kein Gottesdienst versäumt werden", erinnert sich der 73-jährige Hans-Joachim Bork an alte strenge Regeln. Dabei scheint es aus heutiger Sicht abenteuerlich, wie der Pfarrer zur Kirche kam. Der musste immer erst abgeholt werden. "Dafür wurde eine Beförderung mit einem Fuhrwerk organisiert. Jede Woche kam ein anderer Grabower an die Reihe, den Pfarrer von seinem Haus abzuholen", erinnert sich Armin Krause laut und fügte hinzu: "Auch der Gutsbesitzer war stets mit seiner Familie bei den Gottesdiensten dabei. Der saß nicht zwischen den Bauern und Armen, für ihn gab es einen Extraeingang und -platz."

Märkische Allgemeine vom 21. Dezember 2006

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