Erbe der Hugenotten

Französisches Fachwerk: das "Kirchlein im Grünen" in Alt Placht

Von Claus-Dieter Steyer

 Das "Kirchlein im Grünen" in Alt Placht
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Schon der Name auf den Wegweisern stimmt romantisch: "Kirchlein im Grünen". Wer den Schildern folgt, findet sich bald an einem verwunschen wirkenden Ort in der Uckermark wieder. Denn besagte Kirche steht mitten im Wald. Von einem Dorf ist weit und breit nichts zu sehen. In einiger Entfernung stehen lediglich eine Försterei mit der Jahreszahl 1906 am Giebel, ein langgestrecktes Landarbeiterhaus mit zahlreichen Türen und einige Wirtschaftsgebäude. Die Fachwerkkirche selbst wird von mächtigen Linden wie in einem Gemälde umrahmt. Fachleute schätzen das Alter der Bäume auf mindestens 500 Jahre.

Mit großer Sicherheit stellt sich in Alt Placht, wie der zwischen Templin und Lychen gelegene Flecken heißt, eine gerade in diesen Tagen herbeigesehnte besondere Stimmung fast von selbst ein. Fiele noch Schnee, wäre das Brandenburger Wintermärchen fast komplett.

Die meisten Gäste stehen beeindruckt vor der alten ehemaligen Gutskapelle. Der ausgefahrene Waldweg zur Kapelle, der in diesen Tagen eine glatte Asphaltdecke erhält, war schon im Mittelalter bei Kaufleuten gut bekannt. Sie transportierten ihre Güter zwischen Frankfurt (Oder), Eberswalde und Templin und weiter nach Mecklenburg.

Der Bau des Kirchleins geht auf Einflüsse der Hugenotten zurück, die im 17. Jahrhundert in der Uckermark eine Heimat fanden. Die Bauweise erinnert an nordfranzösisches Fachwerk. Wohl als einzige Kirche weit und breit besitzt sie ein Reetdach. Das Dorf Alt Placht fiel 1758 einem großen Brand zum Opfer. Nur die Kirche widerstand den Flammen. Das Gut wurde wenig später in Neu und Alt Placht geteilt.

Die Besitzer wechselten häufig. Immer mehr erwies sich der karge Boden in Alt Placht als wenig geeignet für die Landwirtschaft. 1899 fiel das Gut an den Preußischen Staat, der hier die Oberförsterei einrichtete und die Ackerflächen aufforsten ließ. Der Wald erhielt einen Zaun, um den Jagdgesellschaften möglichst viel Wild zu bieten. Alt Placht und seine Wälder erhielten den Beinamen "Kleine Schorfheide". Erst nach dem Ende der DDR fielen die Zäune. Zu diesem Zeitpunkt war das Kirchlein nur noch eine Ruine.

Doch das Kleinod fiel bei Entdeckungstouren einigen West-Berliner Touristen auf, die teilweise ihre Kindheit in der Gegend verbracht hatten. Gemeinsam mit dem Pfarrer Horst Kasner, Vater von Angela Merkel, und einheimischen Enthusiasten gründeten sie einen Förderverein für den Wiederaufbau. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz spendierte einen größeren Betrag, ABM-Trupps beseitigten den Wildwuchs und stellten den Feldsteinwall wieder her. Lehmbauexperten halfen mit ihrem Sachverstand.

Der erste Gottesdienst konnte schließlich 1994 gefeiert werden. Ein Jahr später erklang erstmals nach 25 Jahren wieder die 1721 gegossene und zwischenzeitlich nach Berlin verkaufte Glocke vom hölzernen Turm.

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