ERSTE SANIERUNGSARBEITEN AN DER KIRCHE VON KELLER: TURM WIRD GESICHERT

Das Geld reicht nur fürs Skelett

KELLER Pfarrer Holger Baum legt die Stirn in Falten. Richtig glücklich ist er mit der Lösung nicht. Endlich fangen die Arbeiten für die Sanierung der maroden Kirche in Keller an. "Aber das, was jetzt passiert, ist sicher nicht, was die Leute sich vorgestellt haben", räumt Holger Baum ein.

Die kleine Kirche ist in so miserablem Zustand, dass es einfach zu teuer ist, sie in einem Stück wieder herzurichten. Von der Fassade bricht der Putz in Fladen ab, überall ist inzwischen das kahle Mauerwerk zu sehen. Seit Jahren sichert ein Bretterverschlag den Seiteneingang am Kirchenschiff vor herabfallenden Putzbrocken. "Der Haupteingang im Turm ist ganz gesperrt, den darf niemand mehr benutzen", sagt Pfarrer Baum. Zu groß ist die Gefahr.

Der Turm ist das größte Problem. Ein paar rostige Metallspangen halten das Fachwerk noch zusammen, mehr nicht. Das Mauerwerk an der Giebelseite hat sich deutlich vom restlichen Bau gelöst. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Wand umfällt.

Erste Aufgabe für die Bauleute ist deshalb, den Turm vor dem Einsturz zu bewahren. Er ist komplett eingerüstet; das Gerüst funktioniert wie ein Korsett: Es gibt dem Bauwerk Stabilität und es stützt den Teil darüber. Im ersten Abschnitt der Sanierung wird das gesamte Mauerwerk rund um den Glockenstuhl abgerissen. Das ist nötig, um danach das hölzerne Fachwerk austauschen zu können, so Holger Baum. Sobald die alten Balken durch neue ersetzt sind, ist der Abschnitt beendet. Für mehr reicht das Geld nicht; das neue Fachwerk kann nicht einmal ausgemauert werden, die Balken werden frei stehend den Turmhelm tragen.

Rund 64 000 Euro kostet allein diese erste Sicherung. Die kleine Kirchengemeinde in Keller mit ihren gerade mal 80 Gemeindegliedern könnte die Summe allein nie aufbringen. Zuschüsse gab es unter anderem mit 5200 Euro vom Ortsbeirat und mit rund 17 000 Euro aus dem Förderprogramm für die Dorferneuerung vom Amt für Flurneuordnung. Ein neues Außenmauerwerk für den Turm würde noch einmal 72 000 Euro kosten. Auch Holger Baum wäre es lieber, wenn der sanierte Turm nicht wie ein nacktes, hölzernes Skelett im Wind dastehen müsste. Doch er kann das Mauerwerk nicht bezahlen.

Im Frühjahr soll das Gerüst wieder abgebaut werden. Der Eingang am Turm bleibt weiterhin gesperrt, auch das rotweiße Absperrband rund um die Kirche bleibt, damit niemand zu dicht an die Mauern tritt. Holger Baum hofft jedoch auf weitere Unterstützung durch den Kirchenkreis Templin-Gransee und das Konsistorium der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg. Immerhin hat Keller die Kirche mit dem schlechtesten Zustand zwischen Templin und Neuruppin.

Und Baum hofft noch etwas: dass nach diesem ersten Sanierungsschritt wenigstens wieder die Glocke läuten kann. Zurzeit ist das verboten, weil die Erschütterungen dem Turm gänzlich den Garaus machen könnten. "Aber wenn die Glocke läutet, wäre das ein Zeichen, dass es jetzt endlich vorangeht", sagt der Pfarrer.

 

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