Verjüngungskur für Brodowiner Kirchturm

 Brodowin

Chorin (MOZ) Unerwarteter Geldsegen ist der Kirchengemeinde Brodowin Ende vorigen Jahres zuteil geworden. Für die dringend notwendige Sanierung des Turmes der Stüler-Kirche hat sie 76 000 Euro von der EU und dem Land erhalten. "Das entspricht einer 75-prozentigen Förderung", so Pfarrer Andreas Lorenz. "Ein solcher Satz - das ist richtig Klasse."

Anfangs hatte der Fördermittelbescheid die Kirchengemeinde im Ökodorf Brodowin sogar in die Bredouille gebracht. Die Bewilligung war so plötzlich und kurzfristig gekommen (ähnlich wie in Golzow), dass eine Realisierung noch in 2004 schlichtweg unmöglich war. "Erfreulicherweise wurde der Bescheid geändert. Damit war die Kuh vom Eis. Nunmehr haben wir das Jahr 2005 Zeit. Wichtig war, dass im alten Jahr begonnen wurde", so Pfarrer Lorenz.

Insgesamt stehen für die Turmsanierung 106 000 Euro zur Verfügung. Landeskirche, Kirchenkreis Barnim und Kirchengemeinde haben gemeinsam den erforderlichen Eigenanteil aufgebracht. "Damit können wir das Sanierungskonzept aus dem Jahr 2003 in einer ersten Etappe umsetzen", erklärt der Pfarrer. Das Konzept sei damals im Zusammenhang mit dem 150. Kirchenjubiläum erstellt worden. "In der Hoffnung, dass wir ins Dach-Fach-Programm aufgenommen werden und die Sanierung bald starten würde." Dieser Traum sei wie eine Seifenblase zerplatzt. "Dach-Fach wurde gestrichen." Umso größer die Freude über die neue Quelle.

"Es hat einfach der Zahn der Zeit an dem Kirchturm genagt. Wind und Wetter haben Spuren hinterlassen", sagt Lorenz. Etliche Formsteine seien verloren gegangen, fehlen heute. Zudem weist der 36-Meter-Turm, der eine durchgehend gemauerte Kappe ist (für eine Dorfkirche schon eine Besonderheit), Feuchtigkeitsschäden auf. "Dies wird inzwischen auch innen deutlich. Kritisch ist vor allem, dass die ersten Balkenköpfe durchfaulen." Jetzt, da der Turm komplett eingerüstet ist, "kommen wir an jeden Stein ran". Vorher sei eine wirkliche Begutachtung schwer möglich gewesen. Fehlende Steine werden ersetzt. "Die werden in einer Ziegelei in Glindow gebrannt." Sorgen bereite vor allem ein recht großer Riss im Turm. Dazu laufen derzeit noch Analysen. Neben dem Ziegelmauerwerk müssen die Holzbalken saniert werden. Ein weiterer Schwerpunkt seien die Schallluken. "Einige jener Fenster sind zugemauert worden. Die werden wir wieder öffnen."

1848 war Brodowin von zwei verheerenden Bränden betroffen. Auch die alte, barocke Dorfkirche fiel den Flammen zum Opfer. 1852 wurde der Grundstein für eine neue Kirche gelegt. Die Pläne für den neugotischen Bau stammten von Friedrich August Stüler, der als Schüler Schinkels und Berater des Königs einer der bedeutendsten Baumeister Preußens war. Am 12. Juni 1853 wurde der Neubau in Anwesenheit des Königs, Friedrich Wilhelm IV., eingeweiht.

Sehenswert ist die Brodowiner Dorfkirche u. a. wegen ihrer Ziergiebel, wegen des gemauerten Turmes und des überaus sorgsam gearbeiteten Granit-Feldsteinmauerwerks der Außenwände.

In der Region gibt es drei Stüler-Kirchen. Neben Brodowin sind dies die Gotteshäuser in Oderberg und in Hohensaaten. Wobei Oderberg das älteste ist.

An der Dorfkirche Brodowin sind nach der Wende lediglich die Ziergiebel saniert worden - mit einer Förderung der Bundesstiftung Umwelt. An der Bausubstanz aber war bislang nichts gemacht worden.

   Zur Artikelübersicht