ST.-GEORGS-KAPELLE TRÄUMT VON BESSEREN ZEITEN / VAGE HOFFNUNG ZIS

Verriegelt und vernagelt

ANDREAS VOGEL

NEURUPPIN Sie steht etwas abseits, versteckt hinter ein paar Bäumen. Dabei bräuchte sich die St.-Georgs-Kapelle in der Straße des Friedens keinesfalls zu verstecken. Sie wurde 1362 erstmals urkundlich erwähnt, ist damit das zweitälteste Gebäude der Fontanestadt. Ein paar Jahre mehr hat lediglich die Klosterkirche auf dem Buckel. Sie gehörte zum 1246 von Wichmann von Arnstein gegründeten Mönchskloster. Doch während die Stadt mit ihrem weithin sichtbaren Wahrzeichen überall wirbt und die Klosterkirche stets neue Besucher anzieht, stehen Touristen bei der St.-Georgs-Kapelle vor verschlossenen Türen. Sogar die Fenster sind vernagelt.

"Das ist ein Trauerspiel höchster Güte", sagt Hartmut Wiegank. Der Arzt, der aus Magdeburg stammt und seit 15 Jahren in Neuruppin lebt, hat seine Praxis direkt gegenüber der St.-Georgs-Kapelle. "Schon mehr als zehn Jahre ist da nichts gemacht worden. Dabei könnte man in der Kapelle Filme aus dem frühen Mittelalter drehen - ohne etwas ändern zu müssen."

Auch Uta Land, Vorsitzende des Historischen Vereins, wundert sich, dass die Stadt so lieblos mit diesem Kleinod umgeht. "Die Georgskapelle ist doch älter als die Siechenhauskapelle." Die wurde erst 1491 gebaut. Doch hat die Siechenhauskapelle, das drittälteste Gebäude Neuruppins, gleich zwei Vorteile gegenüber ihrer älteren Schwester: Sie befindet sich in Privatbesitz und zudem im Stadtzentrum.

"Die Stadt hat kein Konzept für die Georgskapelle", befürchtet Hartmut Wiegank. Auch von den Stadtverordneten erwartet der architektur-interessierte Arzt nicht viel. "Die haben doch keine Ahnung von Kultur."

Neuruppins Baudezernent Arne Krohn ist die Bedeutung von St. Georg durchaus bewusst - wie die Kapelle, die bis vor drei Jahren noch von einer Religionsgemeinschaft genutzt wurde, wieder ein Schmuckstück werden kann, das weiß er jedoch auch nicht. "Die Georgskapelle liegt außerhalb des Sanierungsgebietes." Einiges hat die Stadt dennoch unternommen: 1994 gab es eine "restauratorische Sondierungsuntersuchung", 1998/99 eine "holztechnische Untersuchung". Das Ergebnis der Experten: Für die Sanierung müsste die Stadt 300 000 Euro zahlen, mindestens. Denn wie stark das Fachwerk durch Feuchtigkeit angegriffen ist, das weiß bis heute niemand so genau. Dazu müsste die Holzkonstruktion, die gegen 1818 einfach ummauert wurde, erst einmal frei gelegt werden. "Wir wissen nur, dass sich das Fachwerk in einem sehr schlechten Zustand befindet", sagt Solveig Tokar vom Planungsamt des Rathauses.

Die Stadt stellte zwar Anträge auf Förderung bei der Landesdenkmalbehörde und bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, doch diese wurden abgelehnt. Dem Rathaus blieb nur, die Kapelle notdürftig zu sichern, sprich die Pforte zu verriegeln und die Fenster mit Brettern zu vernageln.

"Die Kapelle kann doch nicht einfach so vergammeln." Hartmut Wiegank lässt nicht locker und fordert mehr Engagement. Einen Lichtblick gibt es sogar, nämlich ein neues Förderprogramm. Es heißt Zukunft im Stadtteil (Zis) und schließt das Gebiet der 642 Jahre alten St.-Georgs-Kapelle mit ein. "Aber die Zis-Mittel sind schon so ziemlich ausgebucht", sagt Baudezernent Krohn. Nur durch einen Kraftakt wäre es vielleicht noch möglich, mit diesem Geld auch die Sanierung des drittältesten Gebäudes der Stadt zu stemmen. Vorausgesetzt, die Abgeordneten stimmen dem zu - und streichen dafür an anderer Stelle.

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