Seltene Uhr wird restauriert

Sie hat nur einen Zeiger und so soll es auch bleiben / Restaurator beginnt mit der Arbeit

SCHULZENDORF Schon vor Jahrzehnten ist der einzige Zeiger stehen geblieben. Doch nun soll Schluss sein mit dem Ruhestand. Die Uhr an der Patronatskirche wird endlich restauriert.

"Die meisten Teile sind gut erhalten", meinte gestern Restaurator Thomas Heyde auf dem Dachboden des Gebäudes. "Das kriegen wir wieder hin." In zwei Monaten wird der Beeskower gemeinsam mit dem Uhrmacher Andreas Heimel, ebenfalls aus Beeskow, das alte Stück wieder auf Vordermann bringen.

Es handelt sich um eine Einzeiger-Uhr, die es nur noch selten in Deutschland gibt. "Als sie vor mehr als 200 Jahren gebaut wurde, waren die Minuten für die Bauern auf dem Feld nicht so wichtig", so Schulzendorfs Bürgermeister Herbert Burmeister. "Es reichte, wenn sie die Stunde wussten." Auch künftig soll es bei dem einen Zeiger bleiben. Heyde wird das verrostete Ziffernblatt wieder aufmöbeln. Einige Ziffern, die verschwunden sind, müssen erneuert werden. Die ursprüngliche Farbe des Blattes ist nicht mehr zu erkennen. Heyde: "Das lässt sich aber noch feststellen." Wichtig war es, im Vorfeld zu klären, wie die Uhr betrieben werden soll. Weil die Zahnräder abgenutzt sind und eine korrekte Zeitangabe verhindern, soll moderne Technik eingesetzt werden. Sie ist pflegeleichter. Die Uhr muss nicht aufgezogen werden. Ein digitales Laufwerk kommt hinter das Ziffernblatt. Doch das eiserne Uhrwerk wird ebenfalls restauriert und als technisches Denkmal erhalten. Burmeister: "Hier können sich später Uhrenfreaks oder interessierte Schüler mal angucken, wie eine Uhr früher funktionierte." Restaurator Heyde fügte hinzu: "Eisen war früher etwas ganz Besonderes und ein Schmied war ein hochgeachteter Mann im Ort. Es ist schön, wenn diese Arbeit gewürdigt wird." Die Uhr wird das i-Tüpfelchen bei der jahrelangen Restaurierung der Patronatskirche sein. Ermöglicht wurden diese Feinarbeiten, die rund 4 800 Euro kosten, durch die Stiftung der Mittelbrandenburgischen Sparkasse, die sich unter anderem auch schon bei der Erneuerung des Daches engagiert hatte.

Die unter Denkmalschutz stehende Kirche wird seit 2001 durch Spenden, Fördermittel und vor allem ehrenamtliche Arbeit saniert. Das lange leer stehende Gebäude wurde von der Kommune übernommen und wird als Kulturstätte genutzt. step (Dahme-Spreewald)

Märkische Allgemeine vom 15. Juli 2006

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