Turmaufbau endet heute mit Bekrönung

Bürgerfest. Ganz Strehlow und Nachbarn sind heute ab 15 Uhr eingeladen, den neuen Kirchturm zu feiern. Die Agrargesellschaft freut sich über jeden Gast.

Von Monika Strehlow

STREHLOW. 60 Jahre stand die Strehlower Kirche als Ruine mitten im Dorf. Manch einer hatte sich schon an den besonders im Sommer, wenn die Überreste des Feldsteinbaus aus dem 13. Jahrhundert zuwuchsen, romantischen Anblick gewöhnt. Doch dieser Abschnitt gehört der Vergangenheit an, spätestens seit im Spätherbst 2005 die ersten Sicherungsarbeiten am Turm der einstigen Patronatskirche begannen.

Heute steht der Turm fast wie neu in seiner gewohnten Holzverkleidung, mit der barocken Haube, nur noch auf die Bekrönung wartend. Die wird heute in einem feierlichen Akt aufgesetzt: Kugel, Wetterfahne und Stern. Aus diesem Anlass hat der neue Eigentümer, die Agrargesellschaft Potzlow mbH & Co. KG, zu einem Fest eingeladen, zu dem nicht nur offizielle Gäste, sondern vor allem die Einwohner erwartet werden. Denn für sie, für das Dorf engagiert sich der Landwirtschaftsbetrieb mit seinem Eigentümer, einem Nachfahren der ehemaligen Patronatsfamilie Kettelhack. Für manche einen, der hier nach der Bodenreform aufgewachsen ist, ein suspekter Vorgang. Auf die Frage nach solchem seltsamen Beigeschmack verweist der Generalsuperintendent Hans-Ulrich Schlz in einem Interview für das Jahresjournal 2006 des Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg auf einen positiven Aspekt. Der Betreiber der Agrargesellschaft lasse so das Sterben dieser Kirche nicht zu; damit müsse man auch produktiv und kreativ umgehen, so Schulz.

In jedem Fall erregte vor einem Jahr noch die Idee des Wiederaufbaus eines todgeweihten Sakralbaus Aufmerksamkeit über die Uckermark hinweg. Sogar die Deutsche Stiftung Denkmalschutz war vor Ort, unterstützt das Projekt nicht nur verbal, sondern auch finanziell, so wie auch der Landkreis Uckermark und der Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, der die Strehlower Dorfkirche im November 2005 zum Denkmal des Monats erklärte. Manch ein Einwohner schaute dem Vorhaben zurückhaltend zu. Als jedoch im Februar dieses Jahres die Bekrönung abgenommen wurde, änderte sich das bei vielen. Denn die Kugel, 1903 nach einer Restaurierung des Turmes neu befüllt, barg unschätzbare Dokumente, die einen Blick in das Strehlow vergangener Jahrhunderte gewähren. Diese sind gesichert und gut aufbewahrt, sollen wie die vorgefundenen Münzen und anderes später in einer kleinen Ausstellung in der Kirche ihren Platz finden.

So ist der Anfang gemacht, das 1945 zerstörte Gotteshaus wieder näher an die Herzen der Einwohner zu bringen. Viele haben den zügigen Baufortschritt verfolgt. Unter der Regie von Architektin Bettina Krassuski und Planer Lothar-Rüdiger Jäger nahmen die Männer der Denkmalpflege GmbH die äußere Hülle des Turmes ab, erneuerten und ersetzten Teile der tragenden Konstruktion, sicherten die Mauerkrone des Kirchenschiffes. Im Mai kam die noch erhaltene Glocke an ihren Platz, bevor die letzte Ebene des Turmes vollendet und die Haube aufgesetzt wurde. Inzwischen steht die Kirche wieder in einem sauberen Umfeld, wofür ortsansässige Kräfte und Einwohner in Arbeitseinsätzen sorgten. Auch das Innere des noch dachlosen Kirchenschiffes ist beräumt und das Grabgewölbe früherer Patronate der Kirche freigelegt worden. Heute besteht die seltene Möglichkeit ihrer Besichtigung, wird sie doch später wieder geschlossen.

Nach der Restaurierung durch die Berliner Firma Glockentechnik und Turmuhren wird die 520 Kilogramm schwere Kupferglocke heute von Jugendlichen des Dorfes angeläutet. Damit ist der erste Bauabschnitt für den Wiederaufbau der Strehlower Kirche vollendet.

Es steht wohl außer Zweifel, dass die Agrargesellschaft mit der bisher an den Tag gelegten Nachdrücklichkeit weiter daran wirken wird, das Kirchenschiff wieder nutzbar zu machen. Wann und mit welchem Aufwand, dazu gibt es bisher nur Pläne. Der größer werdende Kreis jener, die das Anliegen unterstützen, bestärkt auf jeden Fall die beiden Gesellschafter Ulrich Blumendeller und Markus Bähr. Denn es ist sicher kein einfaches Unterfangen, haben sie doch zuerst die Agrargesellschaft erfolgreich zu führen.

Nun kommt es darauf an, den Sakralbau mit Leben zu füllen, damit auch die letzten Strehlower zu zweifeln aufhören.

Uckermark Kurier vom 15. Juli 2006

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