Was lange währt, wird gut

Bildhauer Lutz Hähnel übergab Kunstwerk für Kirche in Deutsch Bork

DEUTSCH BORK Seit Pfingstsonntag steht in der Deutsch Borker Kirche ein besonderes Kunstwerk: eine fast lebensgroße Figurengruppe aus Eichenholz. Die drei Figuren stellen die Weitergabe des Wortes Jesu an spätere Generationen dar. Sie nehmen es entgegen, bewahren es und geben es weiter.

Vor dreizehn Jahren begann Bildhauer Lutz Hähnel aus Schöneiche an dem Auftrag zu arbeiten. Doch die Vollendung dauerte länger als geplant, den Künstler indes traf für die Zeitverzögerung keine Schuld, wie Pfarrer Volker Kunick betont. "So manches Mal", sagt der Geistliche, "kommt es eben anders als geplant."

Bauzustand war stets problematisch

Die Kirche in Deutsch Bork ist erst 1807 erbaut worden. Obwohl sie damit eine der jüngsten Kirchen in der Umgebung ist, war ihr Bauzustand seit der Erbauung problematisch. "Die Reparaturen rissen nicht ab", erzählt Kunick. So mussten 1975 die Bänke entfernt werden. Sie waren stark geschädigt durch Fäulnis und Holzschädlinge. Die Putzdecke zeigte Risse. Sie wurde ersetzt durch eine Spanplattendecke. "Nach dem Anstrich des Innenraumes der Kirche hatten wir zwar einen schönen hellen Kirchenraum, allerdings wirkte er etwas schmucklos und karg", sagt er.

Ältere Gemeindeglieder erzählten, dass bis zur Vorkriegszeit zwölf etwa 60 Zentimeter große Apostelfiguren in der Kirche angebracht waren. Von diesen Figuren fehlt jede Spur. Sie waren vermutlich noch vor 1939 zur Restaurierung nach Berlin gebracht worden und irgendwie im Krieg verloren gegangen.

Aber die Idee, dass es einmal Figuren gab, regte den Gemeindekirchenrat an, wieder etwas Plastisches in der Kirche aufzustellen. Zwar sollten es nicht mehr zwölf Figuren sein - das wäre kaum finanzierbar gewesen -, aber möglicherweise drei Skulpturen. Das Kirchliche Bauamt schlug einen Bildhauer vor, der die Idee von einer Figurengruppe - genannt "Das Wort" - aufnahm und zunächst kleine Gipsmodelle fertigte. Der Gemeindekirchenrat und die Gemeinde brachte Wünsche für die Gestaltung vor. Das war bereits im Jahr 1993.

Der Bildhauer machte sich an die Arbeit und bekam sein Honorar wie vertraglich vereinbart überwiesen. Das Kirchliche Bauamt übernahm großzügig den Hauptteil der Kosten. Bis sich zwei Jahre später die bis heute währende Finanzknappheit abzeichnete und die Landeskirche verständlicherweise nur noch die dringendsten Bauvorhaben unterstützte. "Auch an unserer Kirche wurden durch aufwändige Untersuchungen Baumängel ermittelt, die letztlich auf Baufehler zurückzuführen waren. Alle unsere finanzielle Kraft setzten wir nun ein, um die Substanz unserer Kirche zu erhalten", berichtet Pfarrer Kunick.

In den Jahren 2002 bis 2004 wurden Kirche und Kirchturm gründlich saniert (die MAZ berichtete). "Am Ende kostete die Sanierung unserer kleinen hübschen Kirche 205 000 Euro. Das war nur mit Unterstützung des Landes Brandenburg, unserer Landeskirche und dem Denkmalschutz möglich", betont der Pfarrer. Die Gemeinde hat - um den hohen Eigenanteil von 60 000 Euro aufzubringen -, viele Spenden gesammelt. "Unterm Strich blieben aber noch 25 000 Euro Schulden, die wir vom Kirchenkreis gestundet bekommen haben und die wir je nach unseren Möglichkeiten zurückzahlen werden". 1995 war unterdessen mit dem Bildhauer vertraglich vereinbart worden, das Figuren-Projekt "Das Wort" ruhen zu lassen, bis wieder finanziell bessere Zeiten kommen.

Doch es kamen keine besseren Zeiten, aber irgendwie sollte das Werk vollendet werden, das halb fertig im Atelier des Künstlers stand. 2003 wurden erneut Verhandlungen mit dem Bildhauer aufgenommen. Auf Vorschlag des Kirchlichen Bauamtes wurde mit ihm ein Fortsetzungsvertrag geschlossen mit dem Ziel, die Arbeit im Mai 2006 abzuschließen und der Gemeinde zu übergeben. Die Bezahlung soll in mehreren Raten erfolgen. Spenden sind dafür notwendig.

"Wir sind froh, dass das Kunstwerk nach so langer Zeit endlich in der Kirche seinen Platz gefunden hat. Schließlich wollten wir nicht noch weitere 20 Jahre warten, bis wir vielleicht wieder zahlungsfähig sind", sagt Volker Kunick.

300 Jahre alter Kopf einer Statue gefunden

Übrigens gab es bei den Bauarbeiten am Kirchturm 2003 eine Überraschung: Unter der Dielung wurde ein mindestens 300 Jahre alter Kopf einer Statue gefunden, der aus irgendwelchen Gründen dahin geraten war. Beweis für die Richtigkeit der Erinnerung alter Gemeindeglieder.

Märkische Allgemeine vom 18. Juli 2006

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