Barockempore ist der größte Schatz

Feldsteinkirche wurde feierlich eingeweiht/ Ab Sonntag wieder reguläre Gottesdienste

WALTERSDORF (Dahme-Spreewald) Drei Jahre waren Architekten, Restauratoren, Kirchgemeinde und Bauarbeiter mit der Sanierung der Feldsteinkirche in Waltersdorf beschäftigt. Seit zweieinhalb Jahren konnte hier kein Gottesdienst mehr gefeiert werden. Am Sonntag nun begann eine neue Etappe in der seit über 800 Jahre währenden Kirchengeschichte. Pfarrer Hans-Karl Kahlbaum weihte im Beisein von über 100 Mitgliedern der Kirchgemeinde Schulzendorf-Waltersdorf die in neuem Glanz erstrahlende Feldsteinkirche wieder ein.

Der Festgottesdienst begann mit dem Schmücken des Altars mit Kerzen, Blumen und Bibel. "Mancher vermisste ein Kreuz. Doch wir haben einen Altar in Gestalt eines Kreuzes", so erklärte der Pfarrer den Gästen, die erstmals die Kirche aufgesucht hatten.

Besondere Aufmerksamkeit widmeten die Besucher auch der Orgel. Sie erklang erstmals wieder nach einer Sanierung durch eine Eberswalder Orgelbaufirma in einem schönen vollen Klang. Das Instrument aus dem Jahre 1884 hat eine ungewöhnliche Geschichte: Es kam erst Mitte der 70er Jahre nach Waltersdorf und stammt aus einer Kirche in Möcklingen, einem Ort, der dem Braunkohlenbergbau zum Opfer gefallen war. Kirchenmusiker Peter Aumeier brachte das mit zahlreichen neuen Pfeifen ausgestattete Instrument wieder zum Klingen.

Im Anschluss an die Kirchenweihe fanden sich Gläubige und Gäste zu einem gemeinsamen Kaffeetrinken auf dem schattigen Kirchhof unter alten Bäumen ein. Immer wieder war Restaurator Ulrich Schneider ein gefragter Gesprächspartner, der auf die Besonderheiten der spätromanischen Dorfkirche verwies: "Wir haben im Inneren einen Feldsteinsockel neben der einstigen Priesterpforte erhalten, um den Urzustand des Innenraumes zu zeigen. Erst im Mittelalter wurde dieser verputzt und bemalt. Wir fanden Fragmente einer Ausmalung aus dem 15. Jahrhundert". Diese sei bei der Renovierung Ende der 60er Jahre aufgrund ihres desolaten Zustandes aufgegeben, jetzt aber durch Überklebung gesichert worden. Zu sehen sind Teile eines Weihekreuzes, Stern, Weinlaub, ein Mönchskopf und andere Details. Als größten Schatz bezeichnete Restaurator Schneider die Empore aus der Barockzeit mit Jugendstilmalereien von 1913. Diese waren in den letzten Jahrzehnten unter einer weiß-gelben Lackschicht verborgen. Schneider legte die Felder frei und arbeitete nach alten Fotos die Muster in dunkelgrüner Farbe nach.

Unter den Kirchweihgästen war auch Altpfarrer Fritz Gändrich, der zwischen 1963 und 1994 an der Dorfkirche in Waltersdorf predigte. Zehn Jahre lang arbeitete er an einer Chronik über die Kirche und stellte sie den Waltersdorfern vor. Hierin schildert der Pfarrer, wie bei der Restaurierung Ende der 60er Jahre eine hölzerne Feuerzange gefunden wurde. Da deren Holz auf das Jahr 1218 datiert werden konnte, ließ sich ein annäherndes Alter des ersten Kirchenbaus feststellen.

Die Sanierung der Dorfkirche verschlang in den vergangenen drei Jahren eine halbe Million Euro. Die Kirchgemeinde wendete 450 000 Euro auf, auch Gemeinde, Sponsoren und die Denkmalbehörde unterstützten das Vorhaben finanziell, so Pfarrer Kahlbaum mit Dank an alle Beteiligten. Am kommenden Sonntag wird erstmals wieder um 9.15 Uhr zum Gottesdienst geläutet. usch

Märkische Allgemeine vom 25. Juli 2006

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