Dorfkirchen in Brandenburg sind gefährdete Schönheiten

Bad Homburg (hw). In Brandenburg gibt es über 1600 Dorfkirchen, die zum Teil bis in das 12. und 13. Jahrhundert zurückreichen. Ihre Türme und hohen Dächer prägen Orte und Landschaften. Sie bewahren eine alte Kultur, die anderswo längst "wegmodernisiert" worden ist.

Die Vielfalt der Bauwerke und ihrer Ausstattung ist überraschend: Es sind einerseits Bauten, deren schlichte Würde sich durch die relative Armut des Landes erklärt, die eine Anpassung an Stilmoden oder wechselnden Zeitgeschmack nicht zuließ. Andererseits haben Gutherrschaften, die das Patronat über ihre Dorfkirche innehatten, diese oft verschwenderisch ausgestattet, so dass der Besucher dann mit einem Reichtum konfrontiert wird, den er in der kargen Mark Brandenburg nicht erwartet.

Doch diese Schönheit ist jedoch stark gefährdet. Zwei Weltkriege, Notzeiten und 40 Jahre atheistischer Sozialismus sind über die Kirchen hinweggegangen. Seit der Wende sind etwa die Hälfte dieser Kirchen saniert worden, für die restlichen fehlt das Geld, denn Brandenburg hat gravierende Probleme: Die Arbeitslosigkeit liegt bei 18 bis 30 Prozent. Abwanderung und Uberalterurig prägen das Land und machen es zu einem Sorgenkind in Deutschland.

Der Förderkreis "Alte Kirchen Berlin-Brandenburg" kümmert sich um die Erhaltung der Dorfkirchen. Seine Mitglieder und Freunde haben seit der Wende schon manche verloren geglaubte Kirche retten können, ohne die ein Dorf sein Gesicht, seine Identität, verlieren würde. Werden die Gebäude für Gottesdienste nicht mehr gebraucht, sucht der Förderverein nach anderen kulturellen Nutzungen. Diese Aktivitäten haben ihm der Denkmalpflegepreis 2002 des Landes Brandenburg eingebracht. Seit 2004 ist Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse der Schirmherr.

Mit einer Wanderausstellung, die vom 11. Juni bis zum 14. Juli 2006 im Gartensaal des Gotischen Hauses, Tannenwaldweg 102, zu sehen ist, macht der Förderkreis anhand großformatiger Fotos und Erläuterungen nicht nur auf die Probleme, sondern auch auf die überraschenden Schönheiten aufmerksam und neugierig.

Die Ausstellung wird am Samstag, 10. Juni, um 18 Uhr mit einem Einführungsvortrag "Brandenburg und seine Kirchenlandschaft" eröffnet. Am Mittwoch, 28. Juni; um 19 Uhr wird der Lichtbildervortrag "Wieviel Kirchen braucht das Land? - Dorfgemeinschaften kämpfen um ihre Kirche" das Thema vertiefen.

Die Öffnungszeiten des Gotischen Hauses sind Dienstag, Donnerstag, Freitag und Samstag von 14 bis 17 Uhr, Mittwoch von 14 bis 19 Uhr sowie Sonntag von 12 bis 18 Uhr.

Bad Homburger Woche vom 08. Juni 2006

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